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AGES prüfte Corona-Schnelltests: Superspreader-Filter trotz Ungenauigkeit

Die Corona-Schnelltests werden derzeit auf Herz und Nieren getestet.
Die Corona-Schnelltests werden derzeit auf Herz und Nieren getestet. ©APA
Derzeit liegen große Hoffnungen auf den Antigen-Schnelltests zum Nachweis von Covid-19-Infektionen. Seit gut zwei Wochen werden die ersten in Österreich verfügbaren derartigen Tests von der AGES und u.a. dem Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV) überprüft. Erstes Fazit: Die optimistischen Herstellerangaben zur Genauigkeit halten eher nicht.

Trotzdem sei das Potenzial etwa als Superspreader-Filter groß, hieß es bei einem Besuch der APA an der Klinik Favoriten.

So funktioniert der Corona-Schnelltest

Nach der Entnahme des Rachenabstriches mittels Stäbchen heißt es zwei Minuten warten, bis das entnommene Material in der in einem kleinen Röhrchen enthaltenen Flüssigkeit gelöst ist. Dann lässt Hasan Kelani zwei Tröpfchen auf die Testkassette träufeln. Der Rest folgt der Logik eines handelsüblichen Schwangerschaftstests: Taucht neben dem Kontrollstreifen ein zweiter Streifen auf, ist der Test positiv - die Person ist also mit Covid-19 infiziert. Das Ergebnis zeichnet sich rasch ab, nach rund 15 Minuten ist es da, weiß Medizinstudent Kelani, der an der Überprüfung der ersten verlässlichen derartigen Schnelltest in Österreich an der Klinik Favoriten (vormals Kaiser-Franz-Josef Spital) mitarbeitet.

Antigen-Test werden derzeit geprüft

Der Schnelltest beim Leiter des Geschäftsfeldes Öffentliche Gesundheit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Franz Allerberger, fällt erwartungsgemäß negativ aus. Das deckt sich auch damit, dass er keinerlei potenzielle Covid-19-Symptome zeigt. Derzeit fühlen in mehreren über Österreich verteilten kleineren Studien Mediziner den erst so kurz verfügbaren Tests auf den Zahn. Der Grund dafür sind die schlechten Erfahrungen, die man mit rasch nach Ausbruch der Pandemie verfügbaren, vermeintlichen Antigen-Tests gemacht hat, erklärte Allerberger: "Diese Tests haben schlichtweg nicht funktioniert." Nicht umsonst habe etwa die EU-Kommission vor deren Einsatz gewarnt und von Betrug gesprochen.

In den Antigen-Schnelltests sind Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus enthalten, die entsprechend reagieren, wenn sie in der Probe mit charakteristischen Proteinen auf der Virus-Oberfläche konfrontiert sind. Bei den nun laufenden Studien werden die Ergebnisse der Schnelltests mit jenen von PCR-Tests verglichen, die ihrerseits das Virus-Erbgut nachweisen und dabei sehr verlässlich sind. Das Gros der Überprüfungen, die auch an den Unikliniken in Salzburg und Innsbruck laufen, wird in Wien-Favoriten von einem Team um Manuela Födinger, Christoph Wenisch und Alexander Zoufaly durchgeführt.

Rate an fälschlich positiv getesteten Personen "gering"

Erste Ergebnisse zeigen, dass die Rate an fälschlich positiv getesteten Personen "gering ist". Unter den 36 nachweislich erkrankten Personen, die bisher mit dem Antigen-Verfahren erneut getestet wurden, habe man "immerhin 75 Prozent richtig identifizieren können", so Allerberger. Die Wirtschaftsuniversität hat mit dem gleichen Test kürzlich an zwei Tagen rund 2.500 Vorlesungsbesucher in Wien getestet. "Alle fünf positiven Ergebnisse waren korrekt. Das ist sehr erfreulich", erklärte der AGES-Experte.

Für Födinger gibt es rund um die Antigen-Tests momentan einen regelrechten "Hype". Die Anbieterfirmen würden mit äußerst vielversprechenden Kennzahlen zur Genauigkeit operieren "und alle glauben: Jetzt gibt es die Wunderwaffe gegen Corona und der PCR-Test heißt nichts mehr". Die sich bisher abzeichnende Realität lasse aber eben auf eine doch deutlich niedrigere Sensitivität schließen, so die Leiterin des Instituts für Labordiagnostik der Klinik Favoriten. Daher sei ein Einsatz etwa dort vielversprechend, wo bereits ein begründeter Covid-19-Verdacht da ist und es eine schnelle Abklärung braucht.

Auf der Suche nach den Superspreadern

Die andere Einsatzvariante ist die Suche nach "okkulten Superspreadern", mit einerseits hoher Viruslast und andererseits wenigen oder keinen Symptomen. Wenn man es mit den neuen Verfahren schafft, genau diese Menschen zu identifizieren, könne man "eine Reduktion der okkulten Spreaderrate erzielen", indem diese Menschen rasch in Quarantäne genommen werden, sagte Födinger. "Dieser Effekt überwiegt um so viel mehr, dass der Vorteil gegeben ist. Das ist besser als nicht testen oder vielleicht lange auf ein Resultat zu warten." Erste Ergebnisse einer noch nicht von Fachkollegen überprüften italienischen Studie zeigen, dass gerade Menschen mit hoher Viruslast von den Tests auch zuverlässig gefunden werden.

Mit den Antigen-Schnelltests sei demnach "eine Tür mit Möglichkeiten aufgegangen", so Födinger. Experten müssten sich jetzt zusammensetzen, um eine Strategie dazu auszuarbeiten, wo PCR- und Antigen-Tests rasch und sinnvoll eingesetzt werden. "Das gehört verschriftlicht", betonte die Labormedizinerin, die auch davon abrät, sich durch negative Ergebnisse zu sehr in Sicherheit zu wiegen, da beide Testvarianten Momentaufnahmen sind und der Nachweis von Infektiösität auch davon abhängt, wie hoch die Viruslast im Rachen zum Zeitpunkt des Tests gerade ist.

An hoch spezialisierten klinischen Zentren u.a. für die Behandlung von Covid-19 hierzulande wird man die neuen Verfahren laut Zoufaly, Oberarzt an der Infektionsambulanz der Klinik Favoriten, voraussichtlich nur in Ausnahmefällen einsetzen. Weil sie "wahrscheinlich nicht dazu geeignet sind, um Infektionen sicher auszuschließen". Trotzdem glaubt auch Zoufaly, "dass es in den nächsten Wochen zu einer Überschwemmung des Marktes" mit den aktuell rund fünf bis sechs Euro pro Stück teuren Tests kommen wird.

Schnellverfahren würden vor allem bei Hausärzten Sinn machen

Für Allerberger machen die Schnellverfahren vor allem im Bereich der niedergelassenen Hausärzte Sinn, um unter all den Patienten, die im Herbst und Winter mit vielen verschiedenen Infekten in die Praxis kommen, potenzielle Covid-19-Fälle und Überträger mit hoher Viruslast rasch zu identifizieren. Allgemeinmediziner sollten daher mit diesen Tests ausgestattet werden. Zwar rate man seitens der AGES aktuell nicht zu einem Einsatz etwa vor Konzertveranstaltungen oder im Bildungssystem. Da sich das Ausmaß an falsch positiven Testungen aber offenbar in Grenzen halte, würden vermutlich bald "viele Veranstalter auf diese Möglichkeit zurückgreifen", glaubt Allerberger.

Die wenigen ersten Anbieter seien mittlerweile in der Lage mehrere tausend Tests pro Tag nach Österreich zu liefern, schon bald könne jeder Besteller damit rechnen, diese Produkte auch umgehend in breitem Ausmaß zu erhalten. Als Allheilmittel zur Beschleunigung der bekanntlich nicht flächendeckend funktionierenden Test- und Tracingstrategie in Österreich werden diese Tests aber nicht wirken, betonte Allerberger: "Optimismus ist angesagt, aber man muss schon realistisch sein. Die Sensitivität - also das Erkennen von positiven Fällen - ist deutlich schlechter als bei der PCR-Reaktion. Ein Schnelltest, auch wenn er nicht perfekt ist, ist für uns aber eine deutliche Hilfe und ich bin sicher dass diese Antigen-Tests in der Praxis breit angenommen werden." Gerade im Winter müsse alles unternommen werden, um Covid-19 besser diagnostizieren zu können.

(APA/Red)

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