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Ärztekammer-Chef: "Kann mir keinen zweiten Lockdown vorstellen"

Österreich bei Corona bisher "Vorzeigeland".
Österreich bei Corona bisher "Vorzeigeland". ©APA/HANS KLAUS TECHT
Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres sieht Österreich im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie auf einem guten Weg. Auch einen zweiten Lockdown könne er sich nicht vorstellen.

"Wir sind weltweit gesehen ein Vorzeigeland", sagte er am Montag in einer Online-Pressekonferenz. Nun müsse aber alles getan werden, um eine zweite Erkrankungswelle zu verhindern - denn: "Ich kann mir keinen zweiten Lockdown vorstellen."

"Dass das Virus verschwunden ist, glauben wir nicht"

Szekeres prophezeite, dass die Covid-19-Erkrankungen infolge der schrittweisen Lockerungen wohl wieder ansteigen würden: "Dass das Virus verschwunden ist, glauben wir nicht." Es schaue auch nicht danach aus, dass warmes Wetter dazu führe, dass SARS-CoV-2-Übertragungen nicht mehr stattfinden. Deshalb sei das weitere Einhalten der Distanzregeln, die regelmäßige Händedesinfektion und das Tragen von Masken in geschlossenen Räumen unerlässlich. "Nur so kann man das Wiederaufflammen, das Explodieren des Virus hintanhalten", mahnte der Chef der Österreichischen Ärztekammer (ÖAK).

Die Verhinderung einer zweiten Welle sei wichtig - denn: "Ich kann mir keinen zweiten Lockdown vorstellen. Nicht, weil er aus medizinischen Gründen nicht notwendig sein könnte, sondern aus wirtschaftlichen Gründen und weil ihn die Bevölkerung nicht akzeptieren würde." Er habe aber die Hoffnung, dass die nötigen Verhaltensweisen schon tief ins Bewusstsein der Bürger eingedrungen seien, um einen erneuten Ausbruch abzuwenden.

Notwendige Schitte, um etwaige zweite Wette zu verhindern

Nichtsdestotrotz appellierte Szekeres an die Bundesregierung, notwendige Vorkehrungen für eine etwaige zweite Welle bzw. für eine künftige Pandemie zu treffen. Das betrifft vor allem die rechtzeitige Anschaffung und dezentrale Lagerung von Schutzausrüstung. Hier habe es am Anfang der Krise große Probleme gegeben. Als Lehre daraus fordert die ÖAK die Gründung einer Taskforce, in der neben der Ärzteschaft auch Vertreter von Bund und Ländern, der Sozialversicherung, der Sozialpartner, der Gesundheitsberufe, der Polizei sowie des Bundesheeres halbjährlich Stand und Maßnahmen für den Fall des Falles evaluieren sollen.

Mit Blick auf die nächste Grippewelle im Winter wünschte sich Szekeres die Beschaffung von genügend Impfstoff und diesen der Bevölkerung auch kostenlos zu verabreichen, um die Krankenhäuser nicht zuletzt wegen eines eventuellen neuerlichen Aufflammens der Corona-Pandemie zu entlasten. Derzeit betrage die Durchimpfungsrate nur zehn Prozent. Die ÖÄK ist hier außerdem für eine Impfpflicht. Außerdem will die Kammer gemeinsam mit den Behörden Covid-19-Genesene direkt kontaktieren, um sie um eine Plasmaspende zu bitten. Mit der Plasmatherapie konnten zuletzt bei schweren Verläufen erfolgreiche Behandlungen durchgeführt werden.

Positiver Befund für Österreichs Krisenmanagement

Im Rückblick stellte Szekeres heute dem Krisenmanagement in Österreich einen positiven Befund aus. Die Maßnahmen seien zur richtigen Zeit und im richtigen Ausmaß gesetzt worden, wodurch die Zahl der Infektionen und Todesfälle niedrig gehalten werden konnte: "Wir sind relativ glimpflich davon gekommen bis jetzt." Das gelte vor allem auch für die Zwei-Millionen-Stadt Wien. Hier gab es zuletzt Reibereien zwischen Rathaus und Bund bezüglich gehäuft auftretender Ansteckungen in der Bundeshauptstadt. "Eine Großstadt ist natürlich besonders gefährdet, weil hier viele Menschen auf wenig Platz sind", sagte der Ärztekammer-Präsident. Ein statistischer Konkurrenzkampf zwischen den Bundesländer mache aber wenig Sinn. Wichtig sei, überall weiterhin "großzügig" zu testen.

Der ÖÄK-Vizepräsident und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Johannes Steinhart, sprach angesichts der bisherigen Entwicklung in Wien gar von einem "national und international fantastischen Ergebnis", das er nicht zuletzt in der Einbindung des Ärztefunkdiensts in das Home Testing begründet sah. Dadurch, dass Verdachtspersonen zu Hause aufgesucht und dort die Abstriche vorgenommen worden seien, habe man verhindern können, das Virus großflächig in die Spitäler und Ambulanzen hineinzutragen.

Steinhart wies allerdings auf die derzeit schwierige Situation für den niedergelassenen Bereich hin. 90 Prozent der Ordinationen hätten in den vergangenen Wochen offen gehabt, gleichzeitig aber wegen des geringen Patientenaufkommens einen Umsatzverlust von bis zu 90 Prozent verzeichnet - und das bei weiterlaufenden Kosten bzw. Zusatzinvestitionen in Sicherheitsvorkehrungen. Steinhart verlangte Ersatzzahlungen: "Hier fordern wir von der Politik, dass letztendlich die Republik ausgleichend eingreifen muss, sofern die Sozialversicherungen das nicht machen können." Denn es gebe auch Zuschüsse für viele andere Branchen.

Hohe Belastung für Spitalsärzte - steuerfreies 15. Gehalt gefordert

Auf hohe Belastungen durch Corona für alle Spitalsärzte ging wiederum Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der angestellten Ärzte in der Wiener Ärztekammer, ein. Er sprach sich neben mehr Personal und weniger Bürokratie in Wiens Spitälern auch für ein steuerfreies 15. Gehalt für die angestellte Kollegenschaft aus.

"Unangenehm berührt" zeigte sich Weismüller ob der vor einer Woche geäußerten Forderung einiger Gesundheitsökonomen, trotz bisher gut gemeisterter Coronakrise Spitalsbetten abzubauen: "Ich weigere mich diese Debatte zu führen, die neoliberale Strömungen in Gang setzen wollen, damit sich nur mehr Patienten mit ausreichend pekuniärem Hintergrund eine Versorgung leisten können." Steinhart ergänzte, dass bereits in der Vergangenheit getätigte Einsparungswünsche "mancher Ökonomen und Politiker" so nicht umgesetzt wurden - "und das ist gut so".

(APA/Red)

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