Ärzte an MedUni Wien: "Spitzenmedizin kommt nicht von ungefähr"

Ärzteprotest gegen Journaldienst-Reduktionen
Ärzteprotest gegen Journaldienst-Reduktionen ©APA
Am Dienstag protestierten in Wien die Ärzte der MedUni Wien. Bei der Demonstration, einer Betriebsversammlung auf offener Straße, wurde schließlich eine Resolution als Offener Brief an Rektor Wolfgang Schütz sowie die Wissenschafts- und Gesundheitspolitik präsentiert und verabschiedet. Lesen Sie hier die wichtigsten Passagen nach.
Ärzte-Protest in Wien
Mediziner gehen auf die Straße
Wirbel um Kürzungen
Ärzte planen Straßenprotest

Wie berichtet, gingen in Wien die Ärzte auf die Straße.  In einem “Offene Brief zu den wiederkehrenden Journaldiensteinsparungen am AKH Wien”, der an die ärztlichen Mitarbeiter der MedUni Wien adressiert ist,  heißt es: “Im Jahr 2011 wurde von Rektor Schütz angekündigt, aus budgetären Gründen 24 Journaldienste streichen zu müssen. Die Anzahl der einzusparenden Dienste war nicht das Resultat einer Bedarfserhebung oder Machbarkeitsstudie, sondern reines buchhalterisches Ergebnis der Zielsparsumme von sechs Millionen Euro.”

“Ob diese Journaldienste ohne Leistungsreduktion für die Patienten gestrichen werden hätten können, wurde vorab weder gefragt noch geprüft. Nach langer öffentlicher Diskussion kam man jedoch zum Schluss, dass dies ohne Einschränkung der Patienten nicht möglich wäre und es wurde daher von einer Reduktion der Journaldienste abgesehen”, hieß es darin weiter.

Ärzte-Resolution beschlossen

Ähnliches sei dann Anfang dieses Jahres abgelaufen: “Im Jahr 2014 werden mit 01.01.2014 ohne adäquate Vorankündigung, Vorbereitung oder begleitende Maßnahmen zwölf Journaldienste gewissermaßen ‘über Nacht’ eingespart. Die betroffenen Mitarbeiter und Patienten werden sich selbst überlassen”. Bereits 2011 sei von der Gemeinde Wien eine “gemeinsame Betriebsführung” des AKH durch die Gemeinde Wien und die MedUni Wien als ein möglicher Lösungsansatz propagiert worden. Davon sei aber noch immer keine Rede.

Die Ärzte der Universitätskliniken orten an der MedUni Wien und rund um das AKH massive Management- und Planungsmängel. Die Verantwortlichen sollten folgende Forderungen unterstützen:

  • Rücknahme der bereits erfolgten Journaldienstleistungen
  • Leistungsplanung und Personalbedarfsplanung als Grundlage für organisatorische Veränderungen
  • Keine Personal- oder Journaldienstreduktionen ohne Leistungs- und Personalbedarfsplanung.

Ärzteprotest gegen Journaldienst-Reduktionen

Das Rektorat hatte mit Anfang des Jahres eine Reduktion der Journal-Nachtdienste an den Universitätskliniken um elf Posten – bei Neueinstellung von 22 Ärzten für den Tagdienst – verfügt. Die Ärzte klagen über massive Mehrbelastung während der Nacht und über eine Verminderung der Qualität der Patientenbetreuung.

Der Betriebsobmann des wissenschaftlichen Personals der MedUni Wien, Thomas Perkmann: “Das AKH ist bisher nicht zusammengebrochen, weil das Personal alle Kürzungen aufgefangen hat. Wir glauben aber, dass wir jetzt an eine Grenze gestoßen sind. Die Belastung für die Ärzte hat ein nicht mehr tragbares Ausmaß erreicht.”

Die Verminderung der Dienste sei überfallsartig und ohne Planung geschehen. Personalreduktionen würden Leistungsreduktionen bedeuten.

Ärztekammerpräsident erklärte sich solidarisch

Der Wiener Ärztekammerpräsident, Thomas Szekeres, erklärte sich solidarisch: “Wir gehen nicht gern auf die Straße. Aber es gibt keine andere Möglichkeit. Es fehlen die Ärzte für wichtige Leistungen in der Nacht. Für Schmerzpatienten, für die Versorgung psychiatrischer Patienten, für die Versorgung gebärender Frauen. Dafür müssen die übrig gebliebenen Ärzte in der Nacht die doppelte Arbeit verrichten.” Auf der anderen Seite gebe es bei der MedUni Wien mittlerweile bereits Hunderte Verwaltungsposten und Millionenbudgets für andere Dinge. Der Kurienobmann der angestellten Ärzte in der Wiener Ärztekammer, Hermann Leitner: “Das Allgemeine Krankenhaus darf kein ‘Allgemeines Krisenhaus’ werden.”

Der Konflikt war nach der Realisierung einer neu abgeschlossenen Betriebsvereinbarung an der MedUni Wien entstanden, welche die Journal-Nachtdienstzeiten auf 25 Stunden im patientenbezogenen Dienst beschränkt und dadurch am Tag an den Uni-Kliniken 173 Ärzte fehlen. Trotz der geharnischten Proteste der Ärzte seiner Universität zeigte sich MedUni Wien-Rektor Wolfgang Schütz Dienstagnachmittag in einer Aussendung in seinen Journal-Nachtdienstkürzungen unbeeindruckt.

Proteste an der MedUni Wien

Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) bezeichnete den Protest als eine Sache zwischen Geschäftsführung und den Ärzten. Es gehe um Arbeitszeitfragen, “die dort zu klären sind”, meinte der Ressortchef am Dienstag. Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) zeigte Verständnis für den Protest. Er wünscht sich eine Lösung des Problems, “das sicher nicht durch uns entstanden ist”, und sah am Dienstag das Rektorat der Medizin-Uni Wien gefordert.

FPÖ-Wissenschaftssprecher Andreas Karlsböck sprach von einem Versagen des Gesundheitsministers, das Team Stronach unterstützte den Protest. Der Vorsitzende der Exekutivkommission der Primarärzte, Christoph Zielinski, erklärte bei einer Pressekonferenz der Österreichischen Krebshilfe, die Journal-Nachtdienstreduktionen seien schmerzhaft spürbar.

Man habe immer versucht, dagegen anzukämpfen und unterstütze die Proteste. Zielinski meinte aber auch, jedes Land müsse sich überlegen, was ihm wichtig sei: “Eine Spitzenmedizin kommt nicht von ungefähr.”

(APA)

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