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Ab Februar: 350-Mio.-Euro-Waldfonds startet

Ab Februar sind sechs Fördermaßnahmen beantragbar.
Ab Februar sind sechs Fördermaßnahmen beantragbar. ©APA/BARBARA GINDL
Der letzten Sommer von der türkis-grünen Regierung fixierte 350-Mio.-Euro-Waldfonds startet ab Februar.

Borkenkäferplage, Stürme und viel Schnee haben zu hohen Schadholzmengen geführt, die nun auf Abnehmer warten. Das Überangebot und die niedrigere Nachfrage wegen der Coronakrise haben die Holzpreise abstürzen lassen. Der Waldfonds als "Rettungs- und Zukunftspaket" soll nun unter anderem Waldbesitzern mit Förderungen finanziell unter die Arme greifen.

Köstinger: "Investition für die nächsten Generationen"

"Das ist eine Investition für die nächsten Generationen", sagte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Freitag bei einer Online-Pressekonferenz. "Intakte Wälder sind die beste natürlich Klimaanlage, die es gibt." Ab Anfang Februar können sechs Fördermaßnahmen unter www.waldfonds.at beantragt werden, dafür sind 200 Mio. Euro reserviert. Die maximale Förderhöhe beträgt 200.000 Euro. Die EU-Kommission hat den Waldfonds beihilfenrechtlich geprüft und nun grünes Licht gegeben.

Wald in Österreich in den letzten Jahren stark belastet

Fast die Hälfte von Österreich ist mit Wald bedeckt. Klimabedingte Schäden, Stürme, Schneedruck und Borkenkäfer haben den Wäldern in den vergangenen Jahren stark zugesetzt. Knapp zwei Drittel der österreichischen Holzernte waren 2019 Schadholz. 4,3 Mio. Festmeter - mehr als ein Drittel der Holzernte - hat der Borkenkäfer laut Branchenabgaben beschädigt. Die Landwirtschaftsministerin appellierte an die Industrie, mehr heimisches Schadholz abzunehmen und sich nicht billiger im Ausland einzudecken. Eine Schadholz-Abnahmepflicht für die Holzindustrie sei "eine Möglichkeit", die man im Auge habe, aber zum jetzigen Zeitpunkt gebe es "keinen Bedarf", so Köstinger. Im vergangenen Jahr hatte die Industrie eine mögliche Abnahmepflicht scharf kritisiert.

Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger sieht eine Abnahmepflicht auch nur als allerletzte Möglichkeit, um das Schadholz aus den Wäldern zu bekommen. "Zwang ist nie die günstigste Botschaft für Preisverhandlungen", sagte Moosbrugger bei der Online-Pressekonferenz. Der Landwirtschaftsvertreter begrüßte den Waldfonds. Dies sei "ein Meilenstein" für den Wald und die Forstbesitzer.

"Mit dem Waldfonds sorgen wir dafür, dass unsere Wälder klimafit werden", so Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) in einer Aussendung. "Besonders freut mich das umfangreiche Paket für die Biodiversität im Wald."

Hier gibt es ab Feburar Förderungen

Für folgende Bereiche gibt es Förderungen ab Anfang Februar: Wiederaufforstung und Pflegemaßnahmen nach Schadereignissen (80 Mio. Euro), Regulierung der Baumartenzusammensetzung zur Entwicklung klimafitter Wälder (28 Mio. Euro), Abgeltung von durch Borkenkäferschäden verursachtem Wertverlust (60 Mio. Euro), Errichtung von Nass- und Trockenlagern für Schadholz (9 Mio. Euro), Entrindung und andere vorbeugende Forstschutzmaßnahmen (16 Mio. Euro) und Maßnahmen zur Waldbrandprävention (6 Mio. Euro).

Folgende Maßnahmen des Waldfonds sind geplant, können aber vorerst noch nicht beantragt werden: Forschung zum Thema "Holzgas und Biotreibstoffe" sowie Forschungsanlage zur Herstellung von Holzgas und Biotreibstoffen (31,5 Mio. Euro), Forschung im Bereich "Klimafitte Wälder" (30 Mio. Euro), verstärkte Verwendung von Holz, etwa im Holzbau (62 Mio. Euro), Förderung der Biodiversität im Wald (13 Mio. Euro) und Abwicklung für Flächenmaßnahmen (11,5 Mio. Euro).

Holzindustrie begrüßt neuen Waldfonds

Die heimische Holzindustrie begrüßt den Waldfonds. "Damit ist es gelungen einen nachhaltigen Bogen von einer langfristigen Rohstoffsicherung bis hin zur Holzverwendung zu spannen", so der Obmann des Fachverbands der Holzindustrie, Herbert Jöbstl, zur APA. Die schrittweise Umsetzung werde nicht nur dem Wald und der Branche helfen, sondern sei auch positiv für die Wirtschaft und den Klimaschutz. Auch die Großgrundbesitzer begrüßen das Forstpaket. "Jeder Euro dieses Pakets ist gut investiert - in die Zukunft der Wälder, unseres Klimas und unserer Enkelkinder", so der Präsident der Interessengemeinschaft Land&Forst Betriebe Österreich, Felix Montecuccoli, in einer Aussendung. "Diese riesigen Schadholzmengen zeigen die schwerwiegenden Auswirkungen des Klimawandels in unseren Wäldern und müssen uns ein Warnsignal sein", sagte Bauernbund-Präsident Georg Strasser. Es verwundere nicht, dass Waldbauern nicht mehr von den Einnahmen aus der Forstwirtschaft leben könnten und so die nachhaltige Waldbewirtschaftung gefährdet sei,

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte die Artenschutzmaßnahmen des Waldfonds. Ein Großteil dieser Förderungen müsse nun auch in gefährdete Tier- und Pflanzenarten in Österreich investiert werden, so Greenpeace. Auch die Naturschutzorganisationen WWF und BirdLife Österreich begrüßen das Biodiversitätspaket im neuen Waldfonds und forderten eine wirksame Umsetzung im Hinblick auf die Klima- und Biodiversitätskrise.

(APA/Red)

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