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900 Würstel, 6 km Kabel, 16.000 Euro

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Der Opernball ist das Highlight der Wiener Ballsaison und alljährlich ein Event der Superlative. Zum Staunen bringen nicht nur die Roben der aufgebrezelten Damen, sondern auch beeindruckende Zahlen rund um die Traditionsveranstaltung.

So kommen jährlich rund 5.500 Besucher und verputzen knapp 900 Würstel. Auch ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich: Zu Spitzenzeiten sind rund 500 Techniker mit dem Umbau des Sangeshauses in einen Ballsaal beschäftigt. Sie verlegen unter anderem sechs Kilometer Kabel.

Insgesamt geht am 15. Februar der 51. Opernball über die Bühne. Als legendäre „Ballmutter“ ging Lotte Tobisch in die Geschichte der Traditionsveranstaltung ein: 15 Jahre lang hatte sie für das Gelingen des Fests im Sangeshaus am Ring gesorgt – zuletzt 1996. Der allererste Opernball wurde von Christl Gräfin Schönfeldt organisiert.

Rosa Nelken waren jahrzehntelang der traditionelle Blumenschmuck beim Wiener Opernball. Zum achten Mal schmückt die Salzburger Kunstgärtnerei Doll heuer das Sangeshaus auch mit anderem Gewächs. Im Jahr 2001 wurden etwa 60.000 Rosen arrangiert.

Von preiswert bis sündhaft teuer kann man sich den Opernball gestalten. Um einen Blick auf die Debütanten oder den Fiaker mit Staatsopern-Direktor Ioan Holender und Operndiva Anna Netrebko im Gepäck zu erhaschen, gibt es ab zwölf Euro einen Stehplatz bei Generalprobe am 14. Februar. 16.000 Euro muss man sich hingegen eine Rangloge kosten lassen. Die reguläre Eintrittskarte kostet 215 Euro.

Seit 1992 Jahren sorgt Richard Lugner alljährlich für einen prominenten, meist weiblichen Aufputz am Opernball. 16 internationale Gäste hat er seitdem in das Sangeshaus geholt. Zu Beginn setzte Mörtel den seinen Angaben zufolge „problemlosen“ Harry Belafonte in seine Loge, pikanter war der Auftritt von Grace Jones im Jahre 1996, die sich mit ihrem Begleiter in einer stillen Ecke der Fleischeslust hingab. Heuer kommt die US-Skandalnudel Paris Hilton.

Wer den Opernball eröffnen will, muss mindestens 17 aber höchstens 24 Jahre alt sein, sowie sehr gute Linkswalzerkenntnisse nachweisen können. Die Gelegenheit als Debütant in das Sangeshaus einzuziehen, hat man allerdings nur einmal im Leben.

Die Bühnenlogen für den Opernball werden mit 66 Tiefladenfuhren aus der niederösterreichischen Gemeinde Petronell nach Wien gekarrt. Das Equipment ist dort in einer Lagerhalle verstaut.

In 76 Ranglogen und 34 Bühnenlogen können betuchte Gäste des Opernballs Platz nehmen. In punkto Logen herrschen immer wieder Debatten rund um die so genannte Donatoren-Regelung: Dabei erhalten Firmen oder Personen, die sich verpflichten, die Oper ein Jahr lang mit 36.800 Euro zu unterstützen vom Sangeshaus ein Leistungspaket, das unter anderem eine Loge für den Ball beinhaltet.

Eine Flasche Champagner müssen sich durstige Frackträger und Ballköniginnen am 15. Februar mindestens 250 Euro kosten lassen, eine Flasche Sekt 120 Euro. Für drei Stück Austern bezahlt man bei Gerstner-Catering, das bereits seit 1869 kulinarischer Partner der Staatsoper ist, 15 Euro, für ein Würstel immerhin noch stolz sieben Euro.

In der Ballnacht sorgen rund 300 Einsatzkräfte für die Sicherheit der Gäste: Personal wird unter anderem von der Feuerwehr, der Polizei und dem Publikumsdienst der Oper zur Verfügung gestellt.

Balltiger brauchen Stärkungen: Rund 890 Würstel, 315 Austern, 1.300 Sandwiches und Appetithäppchen, 690 Flaschen Sekt und Champagner sowie 3.150 Flaschen Mineralwasser reichte der Catering-Betrieb Gerstner beim Opernball 2006. Dabei kamen 15.000 Gläser, 700 Tischtücher, 2.000 Besteckteile und 400 Sektkübel zum Einsatz. 150 Gerstner-Mitarbeiter sorgen an Ort und Stelle für das kulinarische Gelingen.

Zum zweiten Mal in der Geschichte des Opernballs kommen Orchideen bei der Dekoration der Staatsoper zum Einsatz. 5.000 Rispen der Sorte „Mint Ice“ sorgen für „frisches Apfelgrün“, wie Jörg Doll von der Salzburger Kunstgärtnerei Doll sagte. Gemeinsam mit 8.000 Aspidistra-Blättern, etlichem anderen „Grünzeug“ (Amaranthus, Molucella, Anthurium, Alstromerien, Lysianthus, Medeola etc.) und „viel Gold“ wirken sie „sehr raffiniert und elegant“, meinte Doll. Zusätzlich sollen Birkenbaum-Stämme als Deko-Elemente für Aufsehen sorgen.

Für den Opernball wird das Sangeshaus am Ring umgebaut – somit ist Platz für weit mehr Besucher als bei einer normalen Aufführung. Das Fassungsvermögen der Staatsoper beträgt in der Nacht der Nächte 7.230 Gäste.

Für den Umbau der Oper in einen riesigen Festsaal mit 850 Quadratmeter großer Tanzfläche leisten die Techniker der Staatsoper bis zu 20.000 Arbeitsstunden. Zu Spitzenzeiten sind bis zu 500 Arbeiter der Oper und von 30 Firmen gleichzeitig mit dem Verlegen der Kabel (sechs Kilometer), Verstauen der Parkett-Sessel (500 Stück) und dem Montieren der Leuchtkörper und Scheinwerfer (insgesamt rund 900) beschäftigt. Für den Aufbau habe man rund 30 Stunden, für den Abbau jedoch nur 20 Stunden zur Verfügung, sagte der technische Leiter des Umbau, Walter Renner.

Jedes Jahr besuchen etwa 5.500 honorige Gäste, Stars und Adabeis den Opernball. In den vergangenen 50 Jahren schritten somit rund 275.000 Besucher über die Feststiege des Sangeshauses.

Der Opernball ist nicht nur der alljährliche Höhepunkt der Wiener Ballsaison, sondern auch für ein Highlight für die Wirtschaft: Die Traditionsveranstaltung sorgt für eine Umwegrentabilität von 17 Millionen Euro, teilte Organisatorin Gürtler mit.

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