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588.000 ohne Job: Corona-Krise lässt Arbeitslosigkeit weiter explodieren

Die Corona-Krise sorgte Mitte April für einen Höhepunkt bei der Arbeitslosigkeit.
Die Corona-Krise sorgte Mitte April für einen Höhepunkt bei der Arbeitslosigkeit. ©APA/ROLAND SCHLAGER
Mit rund 588.000 Menschen ohne Job erreichte die Arbeitslosigkeit in Österreich Mitte April ihren vorläufigen Höhepunkt, wie Arbeitsministerin Christine Aschbacher am Donnerstag mitteilte.

Die Arbeitslosigkeit hat Mitte April einen vorläufigen Höhepunkt erreicht und ist in der zweiten Monatshälfte wieder leicht zurückgegangen. Das teilte Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) am Donnerstag mit.

Arbeitslosigkeit Mitte April mit 588.000 Betroffenen auf Höhepunkt

Demnach waren am 13. April 588.205 Menschen auf Jobsuche, am 27. April dann 572.025 Menschen arbeitslos bzw. in Schulungen. Ende März waren 562.522 Menschen auf Arbeitssuche.

Am Höhepunkt der Arbeitslosigkeit Mitte April waren 533.606 in Arbeitslosigkeit und 54.616 in Schulung. Damit waren zu diesem Zeitpunkt um rund 231.000 Personen (gut 60 Prozent) mehr in Arbeitslosigkeit oder in Schulung als im Vorjahr.

Sämtliche Bundesländer verzeichneten mehr Arbeitslose als im Vorjahr, am stärksten war der Zuwachs in Tirol (plus 172,9 Prozent auf 45.782 Menschen). Mehr als verdoppelt hat sich die Arbeitslosigkeit in Salzburg (plus 131,7 Prozent auf 30.827) und in der Steiermark (plus 109,5 Prozent auf 65.227). In Wien gab es einen Anstieg um gut 50 Prozent auf 176.079 Personen.

Alleine im Tourismus gab es 114.000 Arbeitslose, in der Baubranche 45.000.

Am 4. Mai soll es detaillierte Zahlen für April geben - und künftig wöchentlich gemeinsam mit den Kurzarbeitszahlen auch Arbeitslosenzahlen. Das AMS werde am 15. Mai wieder Schulungen aufnehmen.

Corona-Kurzarbeit: Mittel werden auf 10 Mrd. Euro aufgestockt

Zusätzlich dazu gibt es bereits 98.070 genehmigungsfähige Corona-Kurzarbeitsanträge für über 1,2 Millionen Arbeitsplätze. 87.107 Anträge wurden bereits genehmigt. Inklusive noch nicht genehmigungsfähiger Ansuchen lägen dem AMS 102.953 Anträge vor, teilte Aschbacher mit. Die Mittel für Kurzarbeit wurden von 7 auf 10 Mrd. Euro aufgestockt.

"Die Corona-Kurzarbeit dient dazu Massenarbeitslosigkeit zu verhindern", sagte Finanzminister Gernot Blümel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Arbeitsministerin Christine Aschbacher und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (alle ÖVP). Bisher seien aus den verschiedenen Hilfsmaßnahmen mehr als 15 Mrd. Euro an Liquidität zur Verfügung gestellt worden, neben der Kurzarbeit auch 4,5 Mrd. Euro an Steuerstundungen. Um eine schnellere Kurzarbeit-Abwicklung zu ermöglichen, unterstützen laut Blümel seit vergangener Woche bis zu 150 Mitarbeiter der Buchhaltungsagentur (BHAG) das AMS (Arbeitsmarktservice).

Um Fördermissbrauch zu verhindern, hat die Finanzpolizei mit Schwerpunktkontrollen zur Kurzarbeit begonnen und 600 Firmen überprüft. Es gebe bei der Kurzarbeit "keinen rechtsfreien Raum" und es werde "auf den sorgsamen Umgang mit Steuergeld" geachtet, so Blümel. Die Ergebnisse wollte der Finanzminister nicht näher kommentieren, die Informationen wurden an das AMS zur weiteren Überprüfung weitergeleitet. Eine Verlängerung des Kurzarbeitsgeldes über den aktuellen Zeitraum von sechs Monaten hinaus ist laut dem Finanzminister derzeit in Diskussion.

Beim AMS waren per 29. April rund 103.00 Anträge auf Corona-Kurzarbeit gestellt, davon waren bei 98.070 Anträgen ausreichend Informationen vorhanden. "Sowohl die Bearbeitungsdauer als auch die Qualität der eingebrachten Anträge hat sich noch einmal massiv verbessert", sagte Arbeitsministerin Aschbacher am Donnerstag. In einigen Bundesländern seien bereits alle in den vergangenen Wochen eingebrachten Anträge abgearbeitet, zum Beispiel in Niederösterreich und Wien. Mehr als 87.000 Kurzarbeitsanträge wurden bereits genehmigt.

Welle von Kurzarbeitsanträgen laut AMS bald abgearbeitet

Das Arbeitsmarktservice (AMS) hat die Welle von Kurzarbeitsanträgen nach eigenen Angaben bald abgearbeitet. "Wir bewilligen derzeit rund 3.700 Anträge pro Tag, das sind allein pro Tag zwölfmal mehr als im gesamten Krisenjahr 2009", sagte der AMS-Vorstand Herbert Buchinger zur APA.

"Fast jede dritte beschäftigte Person ist bereits in Kurzarbeit, die Nachfrage ist weiterhin ungebrochen. Dies ist ein Ansturm, wie wir ihn in der Geschichte des Arbeitsmarktservice noch nie erlebt haben", so Buchinger. Die Regierung hat an die Unternehmen appelliert, auf Kurzarbeit statt Kündigungen zu setzen.

Die extrem hohe Nachfrage der Unternehmen nach dem Corona-Kurzarbeitsmodell und die gleichzeitig stark steigenden Arbeitslosenzahlen haben das AMS vor personelle und technische Herausforderungen gestellt. Das Personal im Arbeitsmarktservice für Kurzarbeit wurde von 20 auf mittlerweile 800 Personen erhöht und zusätzlich externe Personalressourcen zugekauft.

Rund 400 Mitarbeiter von zehn externen Unternehmensberatern helfen Betrieben bei der Beantragung der Kurzarbeit, damit die Anträge vollständig eingebracht werden und dann die Bewilligungen rasch erteilt werden. Außerdem unterstützen bis zu 150 Mitarbeiter der Buchhaltungsagentur und rund 100 Mitarbeiter der österreichischen Gesundheitskassa das AMS bei der Abrechnung der Kurzarbeit. Über die neue Taskforce Kurzarbeit erhält das AMS außerdem Expertise von fast 700 Experten.

Kontakt mit Arbeitslosen fast nur telefonisch und online

Wegen den coronabedingten Ausgangsbeschränkungen hat das AMS seit Mitte März den Kontakt mit Arbeitslosen und Unternehmen fast ausschließlich auf Online und Telefon umgestellt. "Statt wie früher 5.000 bis 7.000 Anrufe haben wir in größeren Service-Line-Standorten 13.000 bis 25.000 Anrufe pro Tag gehabt. Das Anrufvolumen hat sich in der Krise also verdoppelt bis verdreifacht", sagte der AMS-Vorstand.

Opposition fordert mehr Maßnahmen von Regierung

Die Oppositionsparteien SPÖ, FPÖ und NEOS haben angesichts des coronabedingten Rekords bei Arbeitslosenzahlen und Kurzarbeit mehr Maßnahmen von der türkis-grünen Regierung gefordert. Am Donnerstag gab die Regierung neue Zahlen zum Arbeitsmarkt bekannt. Die SPÖ drängt weiterhin auf eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes, FPÖ und NEOS fordern mehr Transparenz bei den Arbeitslosenzahlen.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch wiederholte am Donnerstag, die seit der Coronakrise von der Gewerkschaft und SPÖ erhobene Forderung nach einer Erhöhung des Arbeitslosengelds von aktuell 55 auf 70 Prozent des Nettoeinkommens. Die Gesundheitskrise dürfe sich "nicht zur größten Sozialkrise seit dem Zweiten Weltkrieg" auswachsen, warnte der SPÖ-Politiker.

Die FPÖ forderte erneut einen "Österreich-Gutschein" in der Höhe von 1.000 Euro für jeden Österreicher und aktuelle Daten zur Arbeitsmarktlage von Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP). "Wir haben sie mehrfach nach tagesaktuellen Arbeitslosenzahlen gefragt und keine Antwort bekommen", so FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch.

Auch die NEOS drängten in der Vergangenheit auf aktuelle Arbeitslosenzahlen. "Die Lage ist, wie wir befürchtet haben, äußerst dramatisch - und die Befürchtung ist groß, dass sich die Lage noch zuspitzen wird", sagte NEOS-Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger. Aufgrund der Kündigungsfristen seien viele wegen der Corona-Pandemie gekündigte Mitarbeiter "noch nicht in der Statistik enthalten". NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker forderte branchenspezifische Lösungen: "Die Regierung muss auf branchenspezifische Umstände Rücksicht nehmen - ansonsten stehen den Betrieben die nächsten völlig unumsetzbaren und lebensfremden Vorschriften ins Haus."

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(APA/Red)

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