"4. Juli 1926, Weimar" auch per SMS

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Diese Nachricht hatte sich auf einem Zettel befunden, den der oder die Täter auf dem Paket befestigt hatten, das am Montag in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus deponiert worden war.

Sie ist auch per SMS verschickt worden. Die Ermittler des Wiener Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) suchen nun nach dem Absender der Kurznachricht, wie Mag. Werner Autericky vom LVT am Mittwoch sagte.

Am 4. Juli 1926 fand in Weimar der erste Parteitag der NSDAP nach ihrer Neugründung statt. Dabei wurde auch die Hitler-Jugend ins Leben gerufen. Adolf Hitler war nach dem Münchner Putschversuch zu einer Festungshaft verurteilt worden, die er in Landsberg verbüßt hatte. In Weimar konnte er seine parteiinterne Führungsposition wieder einnehmen.

Nicht zuletzt deshalb gehen die Ermittler davon aus, dass der oder die Täter zumindest ein gewisses historisches Wissen aufzuweisen haben. Über Rufdaten-Rückerfassung versuchen die Fahnder nun dem Verfasser der SMS zu finden. Ob sie das auf die Spur derjenigen bringt, die für den Bombenalarm vor dem MJÖ-Lokal in der Märzstraße verantwortlich sind, bleibt offen.

Zudem werden nun islamische Einrichtungen in Wien verstärkt geschützt, kündigte Autericky an. Mehr als zehn Objekte werden überwacht. Ein Ergebnis der kriminaltechnischen Untersuchung des verdächtigen Pakets, in dem sich zwei Gaskartuschen sowie Drähte befunden hatten, lag noch nicht vor. Eine Möglichkeit sei, dass es sich um einen Brandsatz handelte, der zu einer großen Stichflamme geführt hätte.

Für die Ermittler gibt es derzeit zwei Hauptschienen bei den Ermittlungen: Logisch wäre, dass es sich auf Grund des Zettels um Täter aus der Neonazi-Szene handelt. Aber auch radikale Islamisten sind als Urheber laut Autericky nicht undenkbar. Die MJÖ hatte am vergangenen Wochenende im Austria Center eine Zehn-Jahres-Feier mit Konzerten abgehalten und war dafür im Vorfeld unter anderem von der Islamischen Jugend Österreichs (IJÖ) heftig angegriffen worden – weil nach deren Auffassung Musik zum Beispiel dem Muslimen verboten ist. Experten sprechen von der IJÖ als einer dschihadistischen Gruppe, die auch mit linksradikalen Organisationen wie der Antiimperialistischen Koordination (AIK) kooperiert. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) überprüft jetzt die Gruppe, hieß es aus dem Innenministerium.

Sympathien für Islamisten – nicht für die MJÖ – gibt es auch bei Teilen der rechtsextremen Szene. Das betrifft laut den Experten des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) aber eher einen „intellektuellen“ Teil des Rechtsextremismus. Proponenten der Neonazi-Szene würden durchaus den Aktionen von Hisbollah und Hamas als „Kampf gegen den Ur-Feind“ – gemeint sind Israel, das Judentum und die USA – Wohlwollen entgegenbringen. Wenn es sich aber um Muslime im eigenen Land handle, gibt es von Seiten der Neonazis eindeutige Ablehnung.

Ein Beispiel dafür ist laut DÖW der vor allem in Oberösterreich aktive und als neonazistisch eingestufte Bund Freier Jugend (BFJ). Auf dessen Homepage ist unter anderem zu lesen: „Wir bekennen uns zur Freiheit der islamischen Völker und solidarisieren uns mit diesen im Kampf gegen US-Imperialismus! Wir treten aber entschieden gegen die Islamisierung Europas ein!“

Die Wiener Grünen verurteilten am Mittwoch den „rassistischen Attentatsversuch“ auf das MJÖ-Lokal. „Das Schüren von Ängsten gegen Österreichs Muslime“ ermutige „rassistische und islamfeindliche Kräfte, offen gewalttätig zu werden“, sagte Alev Korun, Menschenrechtssprecherin der Wiener Grünen. FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky forderte ein „sofortiges Verbot“ der IJÖ. Er sprach von „indirekten Terrordrohungen“ der Organisation und einer „völligen Missachtung unserer Gesetze“.

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