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25 Jahre Samtene Revolution: Nachtasyl als politische Bühne der Exil-Tschechen

Das Kellerlokal in der Wiener Stumpergasse war Treffpunkt prominenter Dissidenten.
Das Kellerlokal in der Wiener Stumpergasse war Treffpunkt prominenter Dissidenten. ©Jiri Chmel/Nachtasyl
Am 24. November 1989, den Abend der Samtenen Revolution in der Tschechoslowakei, eilten zahlreiche prominente tschechische Exilanten wie Pavel Kohout oder Karel Schwarzenberg ins "Nachtasyl" in der Wiener Stumpergasse. Dort feierten sie bis in die frühen Morgenstunden den Rücktritt der kommunistischen Parteispitze.

“Wir konnten es gar nicht glauben, wir hatten nicht damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde, das war wirklich völlig unvorstellbar für uns bis dahin”, erinnert sich der Wirt des “Nachtasyls”, Jiri Chmel, 25 Jahre später. Der gelernte Geophysiker war selbst ein großer Gegner des Regimes und wurde als Aktivist der Menschenrechtsbewegung “Charta 77” Anfang der 80er-Jahre wie viele andere zur Auswanderung gedrängt. “Ich hatte bereits 18 Monate im Gefängnis gesessen und die Geheimpolizei machte Druck auf meine Familie, damit ich das Land verlasse”, erzählt er. Andernfalls hätte er erneut drei bis fünf Jahre in Haft müssen.

25 Jahre Revolution

“Natürlich wusste ich nicht, dass es nur mehr sieben Jahre dauern würde zur Samtenen Revolution, das glaubte damals kein Mensch”, so Chmel, der 1982 mit seiner Frau und ihrem sechs Monate alten Sohn nach Wien kam. Der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky bot den Unterzeichnern der “Charta 77” politisches Asyl in Österreich an. Um den Dissidenten einen Raum zu geben, indem diese sich weiterhin politisch engagierten konnten wurde im September 1987 das “Nachtasyl” n der Stumpergasse im 6. Bezirk eröffnet.

Nachtasyl: Bühne des Underground

Es dauerte nicht lange, und das kleine Kellerlokal wurde weit über die Grenzen der Stadt hinaus zum bekannten Treffpunkt der tschechoslowakischen Diaspora und bot eine Bühne für die in ihrer Heimat verbotene Underground-Kultur. So traten etwa bekannte exilierte Liedermacher wie Karel Kryl, Jaroslav Hudka oder Vlastimil Tresnak im Nachtasyl auf. Einige Konzerte wurden sogar live aus dem Nachtasyl im Radio Free Europe übertragen, erzählt Chmel. Heute ist nur den wenigsten Besuchern bewusst, welche prominenten Gäste sich in dem legendären Lokal, das heute genauso aussieht wie damals, einst versammelten. Neben dem Schriftsteller Pavel Kohout war auch der kürzlich verstorben Burgschauspieler und Dramatiker Pavel Landovsky sowie der Fürst und spätere tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg hier Stammgast.

Von der Hofburg ins Lokal

Vaclav Havel, der noch im Dezember 1989 zum tschechoslowakischen Präsidenten gewählt wurde, kam bei seinem ersten Staatsbesuch in Österreich direkt von der Hofburg in das Lokal. “Ich selbst musste erst Präsident werden, um das Nachtasyl besuchen zu können,” erklärte er später in einem Interview mit dem Schriftsteller Josef Haslinger. Wenige Tage nach dem Rücktritt der kommunistischen Parteiführung besetzten daher einige der Dissidenten die tschechoslowakische Botschaft in Wien und forderten Einreisegenehmigungen. “Dann war die Frage für mich, zurück nach Tschechien ziehen oder in Österreich bleiben”, erzählt Jiri Chmel. Er habe gute Angebote bekommen, in die Politik einzusteigen, aber das Lokal habe gerade zu laufen begonnen und die Kinder seien hier zur Schule gegangen, deshalb habe er sich dafür entschieden, in Wien zu bleiben. Bis heute versucht er, dem mittlerweile mehrheitlichen österreichischen Gästen die tschechische Kultur näherzubringen.

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