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2020 wird grün

Der heutige Gastkommentar von Johannes Huber.
Der heutige Gastkommentar von Johannes Huber. ©APA/HANS PUNZ
Wie schon bei der Nationalratswahl haben die Grünen im kommenden Jahr auch in Wien sehr gute Chancen, auf Kosten der SPÖ zuzulegen. Und überhaupt.

2Wie die Koalitionsverhandlungen ausgehen, ist zumindest im Hinblick darauf bedeutungslos: 2020 wird das Jahr der Grünen. Das Fundament dafür haben sie heuer gelegt: Erstens sind sie aus dem Nichts wieder in den Nationalrat gekommen. Zweitens hat ihnen die ÖVP von Sebastian Kurz allein schon dadurch Regierungsfähigkeit attestiert, dass sie so lang und ernsthaft Gespräche darüber geführt hat mit ihnen. Drittens haben sie das selbst durch die wohl größte Überraschung unterstrichen: Sie sind extrem diszipliniert gewesen, haben keine Zwischenrufe und zumindest nach außen hin auch keine Streitereien geliefert; ganz so, als wären die „linken Flügel“, die nach Ansicht von Grünen-Kritikern für Chaos und Weltuntergang stehen, abgestorben.

Viertens haben es die Grünen geschafft, mit dem Klimawandel nicht nur das Thema des Jahrhunderts zu besetzen. Nein, sie werden in diesem Zusammenhang auch ernst genommen. Das mag jetzt merkwürdig klingen, ist jedoch ein wichtiger Punkt: Umweltschutz, wie er vor gar nicht allzu langer Zeit von den Grünen propagiert wurde, hieß für zu viele Menschen noch ausschließlich „Nein“ zu jedem Auto. Oder zu Flutlichtern in Fußballstadien, die nur die Insektenwelt stören würden. Heute gehen sie die Sache sehr viel differenzierter an. Motto: Wenn ich zum Beispiel will, dass die Leute nicht mehr Auto fahren, muss ich die öffentlichen Verkehrsmittel ausbauen, ausbauen und noch einmal ausbauen. Erst dann kann ich von ihnen verlangen, dass sie umsteigen. 

Die Grünen sind gereift und schaffen es so, weitere Teile der Wählerschaft anzusprechen. Wobei ihr Glück ist, dass ihre Schwächen untergehen: Ihre Pensionspolitik ist ungefähr so wenig nachhaltig wie rote oder türkise. Ganz im Gegenteil, ihre Altersversorgung setzt darauf, dass Wirtschaftswachstum und Produktivitätsgewinne so üppig bleiben, dass sich das auch in Zukunft irgendwie ausgeht. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Ausgerechnet die Grünen hoffen, dass die Wirtschaft brummt wie ein Dieselmotor.

Doch zurück zu 2020: Aufbauend auf dem, was sie in den vergangenen Monaten erreicht haben, kann das eigentlich nur ein gutes Jahr werden für sie. Auf Bundesebene sind sie als Regierungs-, aber allenfalls auch Oppositionspartei gestärkt. Die jüngsten Erfolge bleiben so oder so auf ihrem Konto verbucht. Hinzu kommt mit der Wiener Gemeinderatswahl noch eine extrem große Chance für sie.

Wie alle großen Städte verfügt Wien über ein sehr großes Mitte-Links-Wähler-Lager. Bisher hat es die SPÖ ganz gut geschafft, es zu bedienen. Unter Bürgermeister Michael Ludwig ist sie jedoch dazu übergegangen, Mitte-Rechts-Wähler zu umwerben. Und zwar aus nachvollziehbaren Gründen: Durch die „Wiener zuerst“-Politik sollte es möglich sein, Blauen, aber auch Türkisen Wind aus den Segeln zu nehmen. Der Preis dafür ist jedoch, dass links mehr Platz für Mitbewerber bleibt. Und das sind nun einmal einzig und allein die Grünen. Sprich: Sie dürfen hoffen, bei der Gemeinderatswahl deutlich gestärkt zu werden.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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