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200.000 Corona-Massentests: Lehrer werden am 5. und 6. Dezember getestet

Am 5. und 6. Dezember geht es los mit Corona-Massentests in Österreich.
Am 5. und 6. Dezember geht es los mit Corona-Massentests in Österreich. ©pixabay.com (Sujet)
Am 5. und 6. Dezember sollen Lehrer und Kindergartenbetreuer per Massentests auf das Coronavirus getestet werden. Anschließend folgt eine Testung aller 40.000 Polizisten
Gesprächsrunde zu Corona-Massentests
Massentests als freiwilliges Angebot

Die Pläne für die geplanten Corona-Massentests in Österreich sind fertig. Am ersten Dezember-Wochenende werden am Samstag und Sonntag (5./6.) und somit zum Ende des harten Lockdowns alle Landes- und Bundeslehrer sowie Kindergartenbetreuer (rund 200.000 Personen) getestet. Am 7. und 8. Dezember folgt dann die Testung aller 40.000 Polizisten. Kurz vor Weihnachten ist dann eine breit angelegte Testreihe für die gesamte Bevölkerung geplant. Die Teilnahme ist aber freiwillig.

Weitere Massentests zu Beginn von 2021

Zur Vorbereitung der Massentests vor Weihnachten werden ebenfalls in der ersten Dezemberwoche in ausgewählten Gemeinden mit hohen Inzidenzwerten Gratis-Testungen an der Bevölkerung durchgeführt. Zu Beginn des neuen Jahres ist eine zweite Massentest-Reihe im ganzen Land geplant, gab die Regierung am Freitag bekannt.

Sieben Millionen Antigen-Schnelltests bereits bestellt

Sieben Millionen Antigen-Schnelltests wurden bereits bestellt, weitere Bestellungen sind in Planung. Die Kosten für die ersten sieben Millionen Tests belaufen sich auf 50 Millionen Euro. Zur Anwendung kommen Tests der Firmen Roche (vier Millionen Tests) und Siemens (drei Millionen Tests).

Logistik und Organisation durch das Bundesheer

Die zentrale Abwicklung und Steuerung der Massentests liegt beim Bundesheer und dem Gesundheitsministerium. Das Bundesheer hat bereits die Abwicklung der Massentests in der Slowakei unterstützt und verfügt daher über Know-how im Umgang mit überregionalen Sondereinsätzen. Das Verteidigungsressort befinde sich bereits intensiv in den Vorarbeiten zur logistischen und organisatorischen Abwicklung der Tests, hieß es in einem Medienpapier der Regierung.

Neben Logistik und Organisation werden auch Sanitäter des Militärs zur Durchführung der Tests herangezogen. Insgesamt wird das Bundesheer mit mehreren tausend Soldaten die Abwicklung der Massentests unterstützen. Daneben werden auch noch die Gesundheitsbehörden, Blaulichtorganisationen, Feuerwehren sowie freiwillige Helfer im Einsatz sein.

Die Probenentnahmen werden ausschließlich von geschultem Gesundheitspersonal durchgeführt. Dazu werden die Gesundheitsbehörden gemeinsam mit dem Bundesheer und den Rettungsorganisationen entsprechende Mitarbeiter bereitstellen und zusätzliches Personal schulen. Das Ergebnis eines Antigen-Tests liegt nach rund 15 Minuten vor.

Lehrer werden an Teststationen in Bezirkshauptstädten getestet

Die Abwicklung und Abnahme der ersten Tests für das Lehr- und Betreuungspersonal am 5. und 6. Dezember läuft über rund 100 Teststationen in allen Bezirkshauptstädten. Für große Flächenbezirke sind zusätzliche Teststationen möglich. Die Information an das gesamte Lehr- und Betreuungspersonal über Zeitpunkt und Ablauf der Testung erfolgt koordiniert vom Bildungsministerium über die Landesbildungsdirektionen sowie Bezirksschulbehörden. Diese Testreihe umfasst rund 200.000 Personen in ganz Österreich.

In einem zweiten Schritt werden am 7. und 8. Dezember alle rund 40.000 Polizistinnen und Polizisten getestet. Die Organisation der Testungen erfolgt über die Landespolizeidirektionen. Diese Testungen werden ebenfalls über die rund 100 Teststationen in den Bezirkshauptstädten abgewickelt.

Ausbau der Screening-Programm für Alten- und Pflegeheime

Zudem erfolgt seit Wochen der Ausbau der Screening-Programme mit dem Schwerpunkt "Schutz der Alten- und Pflegeheime". Es wurden bereits 315.000 Tests ausgeliefert, weitere drei Millionen Tests sind für ein engmaschiges Testnetz in den Alters- und Pflegeheimen gesichert, so die Regierung.

Lehrer sehen freiwillige Massentests grundsätzlich positiv

Der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger steht freiwilligen Massentests für Pädagogen am Wochenende vor der geplanten Schulöffnung offen gegenüber. "Grundsätzlich halte ich das Angebot, sich freiwillig testen zu lassen für positiv", so der Vorsitzende der ARGE Lehrer in der GÖD zur APA. "Das gibt mehr Sicherheit."

Allerdings müsse man in der kommenden Woche noch Gespräche führen, wie die Organisation und Logistik ablaufen solle. "Da ist ja noch alles weitgehend offen."

Gesundheitsreferenten fordern rasch Konzept

Die heute vorgestellten Pläne für die geplanten Corona-Massentests in Österreich haben am Freitag auch die Online-Konferenz der Landesgesundheitsreferenten dominiert. Sie forderten rasch ein entsprechendes Konzept und den parallelen Ausbau der Infrastruktur. "Mit der aktuellen, extrem belasteten Struktur von Personal über Logistik bis hin zu IT wird das nicht machbar sein", sagte der Salzburger LHStv. Christian Stöckl (ÖVP), derzeit Vorsitzender der Gesundheitsreferenten.

So müsse sichergestellt werden, dass die Teststraßen in den Gemeinden, die Laborkapazitäten und die Logistik bis hin zum Contact Tracing ausgebaut werden. Zudem müssen die elektronischen Daten- und Meldesysteme verknüpft werden, damit eventuelle Corona-Cluster rasch erkannt werden können. "Wir werden alle Hände voll zu tun haben, diese Strukturen aufzustellen", sagte Stöckl.

Auch für die steirische Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) stellen sich noch viele Fragen. "Wir haben heute ein paar Infos bekommen, wie es ablaufen könnte. Aber wir müssen mehr wissen, um das gut koordinieren zu können." Wer nimmt etwa die Abstriche? Welches Personal hat die Kompetenz, die Diagnose zu stellen? Wie geht man mit dem Contact Tracing und den Absonderungsbescheiden um? "Es wird wohl nicht mehr möglich sein, für jeden positiven Fall eine behördliche Absonderung zu machen", sagte Bogner-Strauß und schlug eine automatische Absonderung vor. Wie eine solche aussehen könnte, müsse aber noch geklärt werden.

Hacker: Antigentests vor allem bei negativem Ergebnis aussagekräftig

Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) betonte, dass die für die Massentests vorgesehenen Antigentests vor allem bei einem negativen Ergebnis eine gute Aussagekraft hätten. "Aber wir wissen, dass sie einen nicht zu vernachlässigbaren Anteil an falsch positiven Ergebnissen haben." So gebe es Berechnungen, dass - wenn die ganze Bevölkerung getestet wird - mit bis zu 50.000 falsch positiven und noch einmal 50.000 richtig positiven Ergebnissen zu rechnen sei. "Das heißt, in 100.000 Fällen müsste noch einmal ein PCR-Test zur Kontrolle gemacht werden." Wenn dann tatsächlich 60.000 oder 70.000 Menschen in Quarantäne geschickt werden müssen, brauche es eine Vorgehensweise, die auch rechtlich hält. Denn ohne Absonderungsbescheid gab es bisher etwa auch keine Abgeltung und Rückvergütung für Arbeitgeber, Arbeitnehmer mussten sich vielfach Urlaub nehmen.

Mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) wurde in der heutigen Konferenz auch besprochen, dass eine Covid-19-Impfung in drei Phasen erfolgen soll. Zu Beginn werden Bewohner und Personal in den Seniorenwohnhäusern geimpft sowie das Gesundheitspersonal. In der zweiten Phase folgen Bundesheer und Blaulichtorganisationen, Pädagogen und Menschen über 65 Jahre. In der dritten Phase wird die Impfung dann auf die gesamte Bevölkerung ausgerollt, um die Pandemie entsprechend breit bekämpfen zu können.

Das Problem, manche Menschen von einer Corona-Impfung erst überzeugen zu müssen, stelle sich zunächst ohnehin nicht, betonte Hacker: "Wir können angesichts der Menge an Impfdosen, die wir in den ersten Monaten des kommenden Jahres bekommen werden, froh sein, jene impfen zu können die wir impfen sollten." Laut den aktuellen Plänen der Bundesregierung werde es mindestens ein Jahr dauern, bis eine hohe Durchimpfungsrate erreicht wird.

Landesgesundheitsreferenten fordertetn Ausgleichszahlungen für Spitäler

Die Landesgesundheitsreferenten behandelten am Freitag auch Themen mehr oder weniger abseits von Corona: So forderten sie erneut eine entsprechende Ausgleichszahlung für die Spitäler ein. Am Freitag wurde auch ein Beschluss gefasst, dass alle Bundesländer so rasch wie möglich den elektronischen Impfpass einführen werden. Zudem ist man übereingekommen, dass angesichts der Pandemie die öffentlichen Gesundheitsdienste grundlegend modernisiert werden müssen.

Auf der Agenda standen unter anderem auch die Digitalisierung im medizinischen Bereich, die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz oder eine gemeinsame Lösung bei der Kostenübernahme von extrem teuren Medikamenten für besonders seltene Krankheiten.

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(APA/Red)

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