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149 Nachweise der britischen Corona-Mutation in Österreich

149 mal wurde die britische Mutation nachgewiesen, dreimal die südafrikanische.
149 mal wurde die britische Mutation nachgewiesen, dreimal die südafrikanische. ©pixabay.com (Sujet)
In Österreich gab es bisher 149 Nachweise der britischen Coronavirus-Mutation. Die südafrikanische Variante konnte drei Mal nachgewiesen werden.

Auf Basis von Analysen des Erbguts von SARS-CoV-2-Viren in Proben, bei denen der Verdacht auf das Vorliegen der neuen Virus-Varianten bestand, wurden bis dato 149 Nachweise der britischen Variante ("B.1.1.7") und drei Bestätigungen der Südafrika-Variante ("B.1.351") erbracht. Das geht aus einer Aussendung des Gesundheitsministeriums hervor. Für eine österreichweite Einschätzung des Trends brauche es noch zusätzliche Daten, heißt es darin.

Arbeitsgespräch über aktuelle Erkenntnisse

Ursprünglich war für Donnerstagmorgen eine Pressekonferenz zu "Aktuellen Erkenntnissen zur Verbreitung der Coronavirus Mutanten in Österreich" vorgesehen, die kurzfristig abgesagt wurde. Stattgefunden habe aber ein Arbeitsgespräch zwischen Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), Katharina Reich, Chief Medical Officer im Gesundheitsministerium, dem Simulationsforscher Niki Popper von der Technischen Universität (TU) Wien und Andreas Bergthaler vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), bei dem der Stand zur Überwachung der österreichweiten Verbreitung der neuen Virus-Mutationen besprochen wurde.

Varianten-Verteilung regional
vermutlich relativ uneinheitlich

Per heutigem Tag stünden den 152 Varianten-Nachweisen mit der aufwendigen Ganzgenomsequenzierung rund 14.800 aktive Corona-Fällen in Österreich gegenüber. Proben aus Kläranlagen deuten darauf hin, dass die Varianten-Verteilung regional relativ uneinheitlich ist, heißt es. So stehe dem 71-Prozent-Anteil an B.1.1.7-Mutationen in einer Kläranlagen-Probe im niederösterreichischen Bad Vöslau vom 12. Jänner ein 17-Prozent-Anteil in einer am 11. Jänner entnommenen Abwasserprobe aus Wien gegenüber. Dieser Wert ähnelt jenem, den die Erbgut-Sequenzierung von insgesamt 256 positiven Proben von Wiener Teststraßen und dem Allgemeinen Krankenhaus (AKH) Wien Mitte des Monats ergab: Hier wurde die britische Variante in 40 Fällen (15,6 Prozent der Stichprobe) nachgewiesen. Die südafrikanische Variante wurde ein Mal entdeckt.

In anderen beprobten Kläranlagen, wie etwa in Bregenz, Klagenfurt und Salzburg Stadt fanden sich keine Anzeichen für die neuen Varianten, heißt es in der Aussendung. Bereits länger bekannt war, dass in einer anderen Kläranlage im Land Salzburg die Werte bereits Anfang Jänner über 54 Prozent der dort detektierten Coronaviren erreichten. Das Ministerium betont nun, dass diese Zahlen "keinen direkten Rückschluss auf die Inzidenzen im jeweiligen Einzugsgebiet der Kläranlage" erlauben, "regionale Vergleiche und die Untersuchung von Veränderungen und Trendentwicklungen über die Zeit" jedoch ermöglichen.

Über das österreichweite "DINÖ System" (Diagnostisches Influenzanetzwerk Österreich) wurden in 78 Proben (Entnahmedatum: 11. und 15. Jänner) fünf Mal die englische Variante per Ganzgenomsequenzierung gefunden. Das entsprich einem Anteil von 6,4 Prozent. "Weitere Ganzgenomsequenzierungen aus dem Burgenland ergaben in acht Prozent die englische Variante (sieben von 87) und keinen bestätigten Fall für eine Variante in den 70 untersuchten Proben aus Salzburg, Vorarlberg und Kärnten", so das Gesundheitsministerium.

Weitere Daten und Parameter für einheitlichers Bild erforderlich

"Die riskanten Virus-Varianten sind in Österreich angekommen und nachweisbar. Bisher ist das nachgewiesene Vorkommen allerdings extrem regional unterschiedlich und gleichzeitig liegen uns noch zu wenige Zeitreihen für die Bewertung der Ausbreitungsdynamik vor", so Anschober: "Um ein einheitlicheres Bild über die Gesamtlage in Österreich zu bekommen, brauchen wir weitere Daten und Parameter, damit wir über mögliche Öffnungsschritte faktenbasiert entscheiden zu können". Ein "vollständigeres Bild" soll in den kommenden Tagen im Zusammenarbeit mit Experten der AGES und der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) erstellt werden. Anschober: "Durch die Einbeziehung und Kooperation der ExpertInnen dieser Institutionen wird die Grundlage für die Entscheidungsfindung in Bezug auf Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie geschaffen. Die Ergebnisse dieser Konsultation werden in weiterer Folge natürlich auch öffentlich präsentiert."

Bei 8,1 Prozent der Jänner-Proben Tirols Mutante-Verdacht

Bei 8,1 Prozent der positiven PCR-Proben seit Anfang Jänner in Tirol liegt der konkrete Verdacht auf die britische Coronavirus-Mutation vor. Von insgesamt 2.296 von einem Tiroler Labor überprüften Proben wurde bei 186 ein solcher Verdacht festgestellt, teilte das Land am Donnerstag in einer Aussendung mit. Indes lag eine AGES-Bestätigung für die Briten-Mutante bei zwei weiteren Proben aus dem Bezirk Schwaz vor.

Die einer Voranalyse durch das Tiroler Labor HG Pharma unterzogenen Proben wurden an die AGES in Wien übermittelt, hieß es. Tirol habe als erstes Bundesland festgelegt, dass gemeinsam mit dem Hauptlabor in Tirol alle im Jänner in diesem Labor ausgewerteten positiven PCR-Proben auf die britische Coronavirus-Mutation überprüft werden, wurde betont. "Laut Voranalyse liegt der Schwerpunkt der Verbreitung in Tirol derzeit in den Bezirken Kitzbühel und Kufstein", erklärte Elmar Rizzoli, Leiter des Corona-Einsatzstabes des Landes.

Indes verwies man darauf, dass es auch in anderen Bundesländern Anzeichen gebe, dass die britische Mutante weiter verbreitet ist als bisher angenommen. In Wien sei beispielsweise schon Mitte Jänner bei einer PCR-Stichprobenanalyse der MedUni ein Mutationsanteil von 17 Prozent festgestellt worden.

Abgesehen von den zwei weiteren Verdachts-Bestätigungen prüfe die AGES derzeit laut Land weitere Proben auf die britische und südafrikanische Mutante. Ergebnisse sollen in den nächsten Tage folgen.

Bisher waren im Bundesland 17 bestätigte britische Mutationsfälle in Jochberg vorgelegen. Vergangenen Samstag wurden dann die ersten sieben Fälle der südafrikanischen Mutation in Tirol bestätigt. Fünf davon im Bezirk Schwaz, sowie jeweils ein Fall im Bezirk Innsbruck-Stadt sowie im Bezirk Innsbruck-Land. Außerdem wurde vermutet, dass es Verbindungen zu einem Cluster im Altenwohnheim Münster gibt sowie zu Infektionen im Bezirkskrankenhaus Schwaz. Am Mittwoch gab das Land schließlich bekannt, dass im Bezirk Schwaz elf weitere Fälle der südafrikanischen Coronavirus-Mutation von der AGES bestätigt wurden. Die im Nachhinein festgestellten Fälle stammen großteils von Personen, die im Krankenhaus Schwaz teilweise bereits vor Wochen positiv getestet worden waren.

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(APA/Red)

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