130.000 feierten Start ins Kulturhauptstadtjahr

Einen erfolgreichen Auftakt hat in der Nacht auf Donnerstag Linz als Europäische Kulturhauptstadt 2009 gefeiert.

Trotz eiskalter Temperaturen waren 130.000 Menschen – und damit um einige Tausend mehr als bei der bisher bestbesuchten Klangwolke – in die Innenstadt, auf die Nibelungenbrücke und an das Donauufer gekommen, um mit der “Raketensinfonie” das neue Jahr zu begrüßen. Zwei Stunden zuvor hatte Bundespräsident Heinz Fischer bei einer Veranstaltung im Brucknerhaus Linz09 offiziell eröffnet. Ab 00.30 Uhr verwandelte sich der Hauptplatz in einen ausgelassenen, riesigen Freiluft-Dancefloor.

Fischer hob in seiner Eröffnungsrede mehrfach hervor, dass neben Linz auch Vilnius 2009 Kulturhauptstadt Europas ist. Die oberösterreichische Landeshauptstadt habe hart gearbeitet, aus dem Stahlzentrum an der Donau sei auch ein Kulturzentrum geworden. Das Staatsoberhaupt betonte aber auch, dass 2009 ein herausforderndes, schwieriges Jahr werde. Bei der von Airan Berg, dem für Darstellende Kunst verantwortlichen Leitungsmitglied von Linz09, gestalteten Veranstaltung wurden die übrigen Politikerreden zu einem “Cocktail” gemixt, der von Burgschauspielerin Elisabeth Orth serviert wurde. Zu den Höhepunkten des 90-minütigen, von Landestheater-Schauspieler Karl M. Sibelius moderierten Eröffnungsprogramms zählte eine vom Synchron-Kabarett-Trio Maschek anhand alter Filmaufnahmen gestaltete “historische Fälschung”. Darin wurde Linz als nach dem Zweiten Weltkrieg “geteilte Stadt” dargestellt, die erst durch die Europäische Kulturhauptstadt “frei” werde.

Kurz vor Mitternacht füllte sich das Zentrum zusehends und die Menschenmassen strömten, von zahlreichen Linz09-Hostessen mit pinkfarbenen Kulturhauptstadt-Handschuhen versorgt, zur Donau. Via mehrerer Großbildschirme orientierte man sich über ORF-Bilder und -Klänge von Donauwalzer und Pummerin feiermäßig zunächst eher an der Bundes- als an der Kulturhauptstadt, ehe mit der “Raketensinfonie” der erste Linz09-Höhepunkt lautstark die Menschen in seinen Bann zog. Ein aus mehreren hundert Personen aus Linz und Umgebung bestehender Chor, verstärkt um 16 Solisten des professionellen Chores “The Shout” trat in den Dialog mit einem Feuerwerk. Das neue Ars Electronica Center, dessen Eröffnung am 2. Jänner einen weiteren Höhepunkt markieren wird, bot dabei die ideale Kulisse für das farbenprächtige Spektakel.

Bereits kurz nach Abschluss dieses bejubelten 20-minütigen Startschusses waren auf Nibelungenbrücke und Donaulände bereits die Kehrmaschinen unterwegs, während sich das Geschehen in die Altstadt verlagerte, wo zwei Musikbühnen aufgebaut waren. Dort hatten bereits am Abend Acts wie Louie Austen, Binder&Krieglstein und die Linzer Lokalmatadore Texta für Stimmung gesorgt. Attwenger brachten die Stadt zur nächtlicher Stunde endgültig zum Tanzen. Während das junge Publikum die frische Kulturhauptstadt lautstark begrüßte, waren auf dem in pinkes Licht getauchten Hauptplatz von älteren Besuchern auch kritische Stimmen zu hören: “Ich hab’ mir ein bisschen was anderes vorgestellt”, sagte ein Linzer, “ein Straßenmusikant ist oft besser”. Und eine 75-jährige Pensionistin meinte auf die Frage, was das Kulturhauptstadtjahr für Linz bringen werde: “Ein Defizit!”

Organisatoren und Politik waren indes mit der Eröffnung höchst zufrieden: Linz09-Intendant Martin Heller freute sich gegenüber der APA über einen “Auftakt nach Maß”. Zur Besucherzahl stellte er fest: “Mehr geht nicht”. Kulturreferent Vizebürgermeister Erich Watzl (V) erklärte: “Linz hat noch nie so eine große Veranstaltung gehabt.” Bis zur Stunde seien rund 2.500 Jahreskarten für Linz09 verkauft worden.

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