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11-Jährige am Zebrastreifen angefahren: 3.000 Euro Schmerzensgeld

Weil er 2011 eine 11-Jährige amgefahren hatte, wurde ein Rettungssanitäter am Donnerstag zu einer Geldstrafe verurteilt.
Weil er 2011 eine 11-Jährige amgefahren hatte, wurde ein Rettungssanitäter am Donnerstag zu einer Geldstrafe verurteilt. ©Vienna.at
Ein 43-jähriger Sanitäter hatte 2011 eine 11-Jährige an einem Zebrastreifen im 15. Bezirk angefahren. Trotz Rotlicht war er mit seinem Dienstfahrzeug über einen Schutzweg an der Kreuzung von Neubaugürtel und Sorbaitgasse gefahren, das Mädchen zog sich durch den Unfall mehrere Knochenbrüche zu. Am Donnerstag wurde der 43-Jährige wegen fahrlässiger Körperverletzung schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 240 Euro verurteilt. Zusätzlich muss er dem Mädchen 3.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.
Vorbericht: Mädchen am Schutzweg angefahren
Bilder vom Unfall

Vor Gericht beschrieb die Schülerin, wie der Unfall sich aus ihrer Sicht ereignet hatte: “Ich wollte meinen Bruder besuchen gehen. Es war Grün. Ich hab’ links und rechts geschaut. Dann bin ich schon gelegen”, schilderte das Mädchen im Zeugenstand den Unfall. Ein unbeteiligter Autofahrer, der die Szenen beobachtet hatte, erklärte, der Einsatzwagen des Grünen Kreuzes sei “ziemlich rasant dahergekommen” und “ohne das Tempo zu verlangsamen in die Kreuzung eingefahren. Ich bin erschrocken, wie ich gesehen habe, wie der an mir vorbeiblitzt”.

Zum Unfallzeitpunkt war der Sanitäter auf dem Weg zu einem Einsatz

Der Sanitäter machte geltend, sich im Einsatz befunden zu haben und mit Blaulicht und Folgetonhorn unterwegs gewesen zu sein: “Ich hatte eine Patientin an Bord.” Diese habe über rasende Kopfschmerzen geklagt und ihm angekündigt, ohnmächtig zu werden: “Da muss ich vom Schlimmsten ausgehen. Ich kann ja keine Diagnose stellen. Es hätte auch ein Blutgerinnsel sein können.” Folglich habe er die Frau möglichst rasch ins Spital befördern wollen. Den Feststellungen eines Sachverständigen für Verkehrstechnik zufolge dürfte er zum Unfallzeitpunkt mit rund 45 Stundenkilometern gefahren sein.

11-Jährige am Zebrastreifen wurde übersehen

Das Mädchen am Zebrastreifen habe er “leider nicht gesehen”, bedauerte der Sanitäter. Als er die Elfjährige im letzten Moment doch noch wahrnahm, “habe ich versucht, das Auto zu verreißen, was zum Glück gelungen ist. Sonst wäre Schlimmeres passiert. Ich hab’ sie nur mit dem Außenspiegel im Gesicht erwischt”.

Die Schülerin erlitt bei dem Unfall einen Handgelenksbruch sowie eine Fraktur des linken Mittelfußknochens und des linken Unterschenkels. Auf die Frage, wie es ihr heute gehe, bemerkte das Mädchen: “So la la. Ich hab’ Alpträume und immer wieder auch Schmerzen.” Bis die Verletzte abtransportiert werden konnte, war damals übrigens fast eine dreiviertel Stunde vergangen.

3.000 Euro Schmerzensgeld für die Schülerin

“Sie haben an der Kreuzung nicht angehalten, wozu Sie aber verpflichtet gewesen wären. Sie haben die nötige Sorgfalt und Aufmerksamkeit außer acht gelassen”, begründete die Bezirksrichterin ihren Schuldspruch. Der Sanitäter, selbst Vater von sechs Kindern, akzeptierte die Verurteilung. Infolge des Unfalls war er an eine andere Dienststelle versetzt worden. Die Bezirksanwältin gab keine Erklärung ab, das Urteil ist daher nicht rechtskräftig. Der 43-Jährige wurde zu einer Geldstrafe von 240 Euro (60 Tagessätze zu je vier Euro) verurteilt. Außerdem muss er der Schülerin 3.000 Schmerzengeld bezahlen. (APA)

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