Zoe-Interview vor 1. ESC-Halbfinale : “Ich arbeite auf alles hin und auf nichts”

Österreichs ESC-Hoffnung heißt Zoe
Österreichs ESC-Hoffnung heißt Zoe - © APA/HANS KLAUS TECHT
Am Dienstag wird es für Zoe ernst: Österreichs Vertreterin für den Eurovision Song Contest, Zoe, muss im 1. Halbfinale um den Aufstieg in die Endrunde der größten Musikshow der Welt kämpfen.

Im Vorfeld sprach die 19-Jährige mit der APA über ihr inneres Fangirl, warum einem Wettquoten doch nicht wurscht sein können und über ihre Abneigung gegen ein Laufband.

Überrascht von riesigen ESC-Dimensionen

APA: Das ist Ihr erster Song Contest. Sind Sie überrascht von den Dimensionen?

Zoe: Total! Ich habe nicht damit gerechnet, dass das so riesig ist! Und egal wie weit ich komme, ist es toll, einmal in dieser ESC-Bubble gewesen zu sein. Dass die Menschen hier von der ersten Strophe bis zum Ende alles mitsingen – das kennt man sonst nur aus den Videos von den Beatles oder Stones. Und nun darf man das auf einmal selbst erleben.

APA: Können Sie überhaupt noch an Ihrem Auftritt feilen angesichts der ganzen Nebentermine hier in Stockholm?

Zoe: Ich versuche das so ähnlich wie bei einem normalen Konzert anzugehen. Wenn man sich verrückt macht und die ganze Zeit das Lied rauf- und runtersingt, besteht die Gefahr, dass es zu routiniert wird. Und nachdem ich das Lied mitgeschrieben habe, glaube ich nicht, dass es Textprobleme geben wird (lacht). Ich bin zwar nicht entspannt, aber ich versuche es entspannt anzugehen.

Zoes Nein zum Laufband

APA: Apropos Gehen: Sie haben das Laufbahn aus Ihrer Show verbannt. Wieso das?

Zoe: Das Team hat meinen Wunsch akzeptiert, da ich mich bei den Proben mit Laufband nicht wohlgefühlt habe. Ich konnte mich nicht ganz fallen lassen. Ich bin einfach unnatürlich gegangen, auch wenn das sicher ein cooler Effekt war. Ich möchte beim größten Auftritt meines bisherigen Lebens nicht riskieren, dass etwas schiefgeht. Man ist ja eh schon etwas nervöser und muss aufpassen, dass mit der Luft alles klappt.

APA: Ihre Show ist in Summe sehr minimalistisch. An nackte Tänzer im Hintergrund hatten Sie nie gedacht?

Zoe: Ich habe keine Tänzer oder Feuerwerke. Im Hintergrund läuft ganz minimalistisch die Geschichte ab. Das ist alles sehr bunt und mit den Aquarellen auch sehr künstlerisch. Das harmonisiert mit dem Lied und mir und ergibt dadurch ein schönes Gesamtbild.

Bombast wichtig für ESC-Sieg?

APA: Favoriten wie Russland setzen hingegen auf großen LED-Bombast. Ist dieser Aufwand nicht auch wichtig, wenn man gewinnen will?

Zoe: Bei mir würde das nicht passen, da mein Lied viel Leichtigkeit versprühen sollte. Eine LED-Show, in der ich krabble und klettere wäre dafür einfach nicht richtig gewesen. Und für den Zuschauer ist es sicher auch mal gut, wenn etwas weniger auf der Bühne passiert, damit man sich auf den Menschen und das Lied konzentrieren kann. Das ist ein schöner Ausgleich.

APA: Die Buchmacher sehen Sie derzeit auf Platz 11, also knapp am Finalticket. Ist das eher Druck oder Ansporn?

Zoe: Es sollte mir natürlich wurscht sein, und ich sollte nicht darüber nachdenken. Aber es ist schwer, sich dem zu entziehen, wenn Kollegen auf einen zukommen und sagen: “Yeah – ich bin gestiegen in den Wettquoten” und man muss antworten “Yeah – ich nicht.” Was mir hilft, ist, dass mich die internationalen Fanclubs auf Platz 7 von allen Teilnehmern sehen. Im Endeffekt zählen aber nur diese drei Minuten auf der Bühne – und die sind noch nicht passiert. Ich funktioniere normalerweise unter Druck, und alles fällt von mir ab. Man kann, glaube ich, nur fix sagen, dass Russland ins Finale kommt. Der Rest ist noch offen. Worauf arbeite ich hin? Ich arbeite auf alles hin und auf nichts. Ich versuche einfach, mein Bestes zu geben.

“Wollen friedlich Musik machen”

APA: Ist die politische Dimension und Symbolik des Wettbewerbs ein Thema für Sie?

Zoe: Die Eurovision versucht, die Politik rauszuhalten, was ich auch gut finde. Wir sind hier, um friedlich miteinander Musik zu machen. Natürlich interessiert mich privat Politik. Als Künstlerin mache ich aber meine Musik und bin natürlich eine Träumerin, die sich wünscht, dass alle in Frieden leben. Ich werde aber nicht mit meinen Liedern Diskussionen anfangen. Ich kann positive Energie beisteuern – damit bewirkt man auch etwas.

Zoe als ABBA-Fangirl

APA: Sie haben am Wochenende im ABBA-Museum das einstige Mitglied Björn Ulvaeus getroffen. Kann man so jemandem auf Augenhöhe begegnen, oder ist man da einfach Fan?

Zoe: Ich habe mein Fangirl kurz unterdrücken müssen. Das ist dieser Mensch, der das ABBA-Universum kreiert und mich als ABBA-Karaoke durch meine Kindheit begleitet hat. Es ist eine tolle Erfahrung, den kurz kennenzulernen. Aber man möchte ja nicht zu sehr “Oh my God I love your music so much”-mäßig rüberkommen. Das hört der jeden Tag hundert Milliarden Mal. Insofern ist es für ihn wohl angenehmer, ihm pseudocool als “Ich bin auch Musiker” zu begegnen, auch wenn es einen innerlich zerreißt.

APA: Wie sieht der Zeitplan für den Halbfinaltag aus?

Zoe: Ich habe momentan so ein Glück – das ist wie im Urlaub mit dem Ausschlafen. Nachmittags geht es voll los, aber Vormittags kannst Du schlafen.

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

>>Auf Promo-Marathon: Zoe bei Eröffnung von Ausstellung im ABBA-Museum

(apa/red)

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