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Totes Mädchen in Wien-Döbling: Psychologen versuchen Motiv zu verstehen

Nicht nur Psychologen versuchen die Motive des 16-Jährigen zu verstehen.
Nicht nur Psychologen versuchen die Motive des 16-Jährigen zu verstehen. ©APA/HANS PUNZ
Die Tötung einer Siebenjährigen in Wien-Döbling durch einen 16-Jährigen ruft wegen seiner Grausamkeit auch Psychologen auf den Plan. Dabei erschreckte vor allem die völlige Empathielosigkeit des mutmaßlichen Täters.
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“Emotional muss es massive Defizite gegeben haben”, sagte Kriminalpsychologe Wolfgang Marx nach einer Pressekonferenz der Polizei am Dienstag.

“Welche Fantasien dahinterstecken, lässt sich schwer nachvollziehen, weil wir etwas verstehen wollen, das für uns abnorm ist”, erklärte Marx im APA-Gespräch. “Sicher ist, dass niemand so etwas von einem Moment auf den anderen tut. Es waren möglicherweise bereits Gewaltfantasien vorhanden, die jetzt spontan aufgebrochen sind.” Der Planungsgrad der Tat lasse sich schwer einschätzen. Für eine Planung spreche das Einladen in die Wohnung, dagegen die Verwendung eines gerade verfügbaren Küchenmessers.

16-Jährigem tue Tat nicht Leid

Dass der 16-Jährige sein Opfer “regelrecht entsorgt habe” und ihm das Mädchen nach eigener Aussage nicht leidtue, verdeutlicht für Marx nochmals die Emotionslosigkeit des Jugendlichen und weist auf eine dissoziale Persönlichkeitsstörung hin.

Als Motiv nannte der Bursch laut Polizei “allgemeine Wut”, die er in dieser Woche gehabt habe. “Der Täter mag schulisch erfolgreich gewesen sein, bei sozialen Kontakten gab es Defizite. Ich gehe davon aus, dass er soziale Auffälligkeiten gezeigt hat, etwa zurückgezogen oder besonders introvertiert war”, so Marx. “Vielleicht war er frustriert oder es gab Probleme im Kontakt mit Mädchen.”

Motive sind noch spekulativ

“Ob es beim Täter Fantasien mit speziell dieser Person gegeben hat, oder es, wie er gesagt hat, jeden hätte treffen können, dazu müsste man ihn befragen. Aber viele Täter sprechen erst Jahre später darüber”, meinte Marx. Gründe für das brutale Vorgehen oder das Fast-Abtrennen des Kopfes des Opfers könne es mehrere geben, bei manchen Tätern sei es Pragmatismus. Wenn man beim Ergebnis der Obduktion darauf achte, “was der Täter getan hat, was er nicht hätte tun müssen”, könne das aufschlussreich bezüglich des Motivs sein. Derzeit sei noch vieles spekulativ.

Das Delikt erinnert den Psychologen an den 19-jährigen Marcel H., der im März vergangenen Jahres in Deutschland ein Kind und einen Schulfreund aus Mordlust getötet hatte. Vor Gericht zeigte er keine Regung. “Sicher ist aber, solche Delikte sind sehr, sehr selten”, betonte Marx.

Auch Psychologin gibt Einblicke

Tötungsdelikte, die scheinbar ohne klares Motiv begangen werden, gibt es. Sie sind selten, aber nicht extrem selten und schon gar nicht kulturspezifisch. Die öffentliche Wahrnehmung für solche Taten besteht zu einem Gutteil aus einem Verständnisproblem für das Unerklärbare, sagte am Dienstag die Linzer Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner.

“Unser Narrativ für ein Tötungsdelikt besteht typischerweise darin, dass zwei Menschen mit einander in Streit geraten. Der Streit wird heftiger. Schließlich schlägt jemand zu, ein Opfer stirbt. Damit können wir umgehen. Da könnte man auch bei rechtzeitigem Eingreifen auch etwas verhindern, meint man”, sagte Kastner. Viel schwieriger sei es für den Menschen, mit einem Tötungsdelikt ohne schnell feststellbares Motiv umzugehen.

“Solche Delikte gibt es eben”

“Aber solche Delikte gibt es eben”, sagte die Expertin. Wenn man an die “School Shootings” denke, würden die Täter immer wieder angeben, sie hätten aus einer “Wut auf die Welt” gehandelt. “Unspezifische Gekränktheit”, werde von Tätern nach Tötungsdelikten immer wieder als Hintergrund genannt. Die Opfer befänden sich sprichwörtlich zur falschen Zeit am falschen Ort. Auch bei vielen Sexualdelikten sei das der Fall. Opfer und Täter begegnen dann einander zufällig.

Nicht Anzeichen von Krankheit

Zunächst nicht Erklärbares sei auch nicht zwingend ein Anzeichen von “Krankheit”, betonte Adelheid Kastner. “Es gibt aber auch Tötungsdelikte aus einer Erkrankung heraus”, betonte die Gerichtspsychiaterin. Die Möglichkeit, dass Menschen plötzlich ein Tötungsdelikt begehen, ist ein Merkmal des Menschseins selbst. “Das ist auch nicht kulturspezifisch”, sagte Adelheid Kastner.

(APA/red)

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