Wien-Döbling: Gemeindebau-Bewohner trauern um totes Mädchen

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Der Dittes-Hof in Wien-Döbling wird von Trauer überschattet.
Der Dittes-Hof in Wien-Döbling wird von Trauer überschattet. - © APA/HANS PUNZ
Im Innenhof des “Dittes-Hofs” in der Heiligenstädter Straße haben die Bewohner des Gemeindebaus Blumen, Kerzen und Plüschtiere aufgestellt. Am Samstag wurde dort ein 7-jähriges Mädchen erstochen aufgefunden.

Auf diesem Spielplatz, der auf ein paar wenigen Quadratmetern eine Wippe und eine Schaukel bietet, wurde die siebenjährige Volksschülerin am Freitag am Nachmittag zuletzt lebend gesehen. Einen Tag später wurde ihre Leiche nur ein paar Meter weiter, beim Eingang an der Heiligenstädter Straße, in einem der großen, schwarzen Container von der Polizei gefunden.

Nicht mehr sicher im Gemeindebau

Auch ein junger Mann steht am heutigen Muttertag nahe an der von den Gemeindebaubewohnern spontan hergerichteten Gedenkstelle. Er ist ein Cousin des Mädchens und ebenso wie sie tschetschenischer Herkunft. “Die Nachbarn haben oft geschimpft, wenn das Mädchen mit ihren Geschwistern und Freundinnen im Innenhof gespielt hat”, sagt er. Auch gestört habe manche, dass es sich bei der Familie um Muslime handle. Diese fühle sich nicht mehr sicher im Gemeindebau und werde wohl ausziehen, erzählt der junge, bleiche, mit einem Trainingsanzug bekleidete Mann mit dem dünnen Bart.

“Täter ist von hier”

Er habe vergangene Nacht kein Auge zugemacht, und eines weiß er sicher: “Der Täter ist von hier. Der wusste, was er macht”, sagt er. Mit “von hier” meint er, dass er einen der Bewohner des Ende der 1920er-Jahre erbauten, dunkelgelben Gemeindebaus verdächtigt. Dass sei so, weil der Täter wusste, dass der Müll am Samstag entleert wird, meint er – und wegen der Anfeindungen.

Allerlei Gerüchte auf Sozialen Medien

Ein anderer Bewohner ist durch die Tat vorsichtig geworden. “Leute, die man nicht kennt, machen jetzt misstrauisch”, sagt er – und da würde man jetzt eher gleich die Polizei rufen. Ein solcher Unbekannter hat sich am Sonntag in den Gemeindebau begeben. Der junge Mann sagt, er habe von dem Mordfall im Internet gelesen und wäre nun hier, weil er das schrecklich fände. Ansonsten weiß er von allerlei Gerüchten zu berichten, die er in diversen Social-Media-Plattformen aufgeschnappt hat.

Schock und Trauer

Die meisten Leute wollen angesichts der schrecklichen Tat aber nicht reden, gedenken stattdessen des kleinen Mädchens, entzünden im Stillen eine weitere Kerze und platzieren sie bei den vielen anderen. Manche stellen sich kurz für ein paar Worte zusammen und gehen dann wieder. “Die Leute sind geschockt, natürlich besonders, wenn sie selber kleine Kinder haben” sagt ein Mann, der gerade mit seiner Familie zu einem Sonntagsspaziergang aufbricht. Und nach dem Schock ist die Welt in dem Gemeindebau vorerst nicht mehr die selbe.

(APA/red)

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