Spaniens Mannschaft der Stunde: Nur Rapid konnte Villarreal bisher schlagen

Von David Mayr
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Trainer Marcelino hat Villarreal zurück in die Erfolgsspur geführt.
Trainer Marcelino hat Villarreal zurück in die Erfolgsspur geführt. - © EPA
Rapids Europa-League-Gegner Villarreal ist nach dem Sieg über Atlético Erster in Spanien und hat mit ruhiger Arbeit und Kontinuität vorerst den FC Barcelona und Real Madrid hinter sich gelassen.

Vor zwei Wochen konnte man es noch als Momentaufnahme zu Saisonbeginn abtun, dass der FC Villarreal den Granden des spanischen Fußballs in der Tabelle auf den Zahn fühlte. Insofern wurde die Tatsache, dass die Mannschaft aus der 50.000-Einwohner-Stadt nördlich von Valencia nach drei Spieltagen im Spitzenfeld der Primera División rangierte, auch im Vorfeld des Aufeinandertreffens mit Rapid hierzulande zurecht nicht groß aufgebauscht.

Nun, Anfang Oktober, bekommt der überraschende 2:1-Heimsieg der Wiener nachträglich noch einen höheren Stellenwert, auch wenn beim Gegner damals einige Ersatzspieler Einsatzzeit bekommen hatten. Sechs Runden sind mittlerweile in Spaniens erster Liga gespielt und Villarreal hat Meister Barcelona und Rekordchampion Real Madrid sogar überholt. Mit fünf Siegen und einem Unentschieden nach wie vor ungeschlagen, steht das “gelbe U-Boot” nach dem 1:0 über Atlético Madrid erstmals in der Vereinsgeschichte ganz oben in der Tabelle. Das Goldtor erzielte der Brasilianer und Ex-“Colchonero” Leo Baptistão, der bereits in Wien zur Führung für das “gelbe U-Boot” getroffen hatte. Vorbereiter war Roberto Soldado, Villarreals Königstransfer des Sommers.

“Sie haben im Sommer knapp 50 Millionen Euro investiert und sind besser als letzte Saison”, hatte uns ein Kollege der spanischen Sportbibel Marca bei einem Plausch im Vorfeld der Europa-League-Partie im Happel-Stadion verraten. Sollte sich diese Prophezeiung bewahrheiten, könnte Villarreal im nächsten Jahr in die Champions League zurückkehren. Dabei war der Klub erst 2012 in die Segunda División abgestiegen.

Trainer Marcelino: Ruhiger Fachmann der klaren Worte

Der Mann hinter dem Aufschwung heißt Marcelino García Toral. Als aktiver Spieler nur mäßig erfolgreich, hat er Villarreal als Trainer 2013 eine offensive Spielphilosophie verpasst, nach der sich auch die Transfers richten. Nicht umsonst merkt Rechtsverteidiger Antonio Rukavina an: “Es wechseln nur die Spieler, Spielphilosophie und Mentalität bleiben gleich.”

García Toral, der in Spanien nur mit seinem Vornamen Marcelino genannt wird, wählt seine Worte stets mit Bedacht. Wer dabei allerdings an leere Phrasen denkt, um sich ja nicht angreifbar zu machen, tut ihm Unrecht. “Wir hatten zwischenzeitlich eine Phase, in der wir sehr, sehr schlecht waren. Da haben uns Tiefe und Durchschlagskraft gefehlt und das hat der Gegner perfekt ausgenutzt. Wenn man solche Schwächen bei ruhenden Bällen zeigt, ist es sehr schwierig, ein Spiel zu gewinnen”, analysierte der 50-Jährige etwa die Niederlage in Wien in der Mixed Zone des Prater-Ovals. Ungekehrt will er die zwischenzeitliche Tabellenführung in La Liga nicht überbewerten: “Das bedeutet nichts, es ist ein vergängliches Gefühl.”

Starke Gegner während der nächsten Wochen

Gegen Atlético bestand Villarreal auch den ersten Test gegen ein Topteam in dieser Saison mit Bravour, die Auslosung hatte es in den vorangegangenen fünf Runden der Primera División mit Marcelinos Truppe gut gemeint. Die kommenden Wochen werden durch Duelle mit dem zweiten Überraschungsteam der Liga, Celta de Vigo, Sevilla und Barcelona wohl richtungsweisend, ob das “gelbe U-Boot” tatsächlich Kurs in Richtung Champions League nehmen kann.

Zuvor gilt es Donnerstagabend (21:05 Uhr), im Parallelspiel zu Dinamo Minsk gegen Rapid, die ersten Punkte in der Europa League zu holen. Im heimischen El-Madrigal-Stadion ist ein Sieg gegen Viktoria Pilsen Pflicht, schließlich gilt es für Villarreal, unter Beweis zu stellen, warum man als Co-Favorit in diesen Bewerb gegangen war. Und ein eventueller Sieg im Finale im St. Jakob-Park zu Basel Mitte Mai würde ja auch das Champions-League-Ticket für die Saison 2016/17 einbringen.

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