Schlüsselpässe reichen nicht: Rapids Absturz in der Canadi-Tabelle

Von David Mayr
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Damir Canadi hat bei Rapid noch keinen Weg aus der Krise gefunden.
Damir Canadi hat bei Rapid noch keinen Weg aus der Krise gefunden. - © APA/Herbert Neubauer
Anstatt die Mannschaft nach dem Intermezzo mit Mike Büskens aus der Krise zu führen, hat Damir Canadi Rapid noch tiefer in selbige hineinmanövriert. Wenn sich nicht schnell etwas ändert, könnte der “denkunmögliche” Abstieg ein zumindest drohendes Szenario werden.

“Wir werden nicht in den Abstiegskampf rutschen. Der Abstieg ist denkunmöglich”, stellte Rapid-Präsident Michael Krammer vor zwei Wochen im Gespräch mit dem Kurier klar. Damals hatten die Grün-Weißen gerade die Niederlage bei Sturm Graz hinter sich, aber immerhin noch beruhigende neun Punkte Vorsprung auf den Tabellenletzten Ried.

Weil die Oberösterreicher eine Woche später aber überraschend Altach besiegten und es für Rapid nach schwacher Leistung zu Hause nur zu einem 1:1 gegen Mattersburg reichte, ist der Polster auf den Abstiegsplatz mittlerweile auf sieben Zähler geschrumpft. Was für Krammer denkunmöglich schien, könnte für den Rekordmeister tatsächlich zumindest zu einer ernsten Bedrohung werden.

Denn weder die zuletzt gezeigten Leistungen, noch ein Blick auf die Statistik stellen eine rasche Trendumkehr bei Grün-Weiß in Aussicht. Freilich sei hier von zählbaren Statistiken – Ergebnissen, Toren, Punkten – und nicht von Ballbesitz-Prozenten, Weitschüssen oder geschlagenen Flanken die Rede.

Rapid mit Damir Canadi im freien Fall

Fakt ist: Nach über viereinhalb Monaten, einer Transferperiode und einer Wintervorbereitung hat es Trainer Damir Canadi nicht geschafft, Rapid nach dem Einbruch unter Barišić-Nachfolger Mike Büskens wieder in die Erfolgsspur zu führen. Im Gegenteil: Der “Traum, mit Rapid Meister zu werden”, wie der 46-Jährige auf seiner Antrittspressekonferenz erklärte, ist Stand heute ungleich weiter weg, als der für seinen Boss “denkunmögliche” Gang in Liga zwei. Die aktuelle Negativserie hat zum Fall auf Rang sieben in der Tabelle geführt, der Rekordchampion ist im Kalenderjahr 2017 die einzige Mannschaft ohne vollen Erfolg.

Canadis Bilanz liest sich für einen Verein mit den Ansprüchen Rapids schlicht verheerend: In 14 Pflichtspielen gelangen gerade einmal zwei Siege (gegen St. Pölten und Ried), sein Punkteschnitt liegt bei 0,79 pro Partie. Damit unterbietet der Wiener sogar die 2002 beziehungsweise 2006 vom Hof gejagten Lothar Matthäus (1,13) und Georg Zellhofer (1,09) deutlich. Hoffnung darf Canadi lediglich ein Vergleich mit Peter Pacult machen: Unter dem Floridsdorfer hatte Rapid 2006 nur zehn Punkte aus den ersten elf Ligaspielen geholt, knapp zwei Jahre später führte er die Hütteldorfer zum 32. und bisher letzten Meistertitel.

Canadis Aufstellung unter der Lupe

Kommenden Samstag (16:00 Uhr, live auf Sky und im VIENNA.at-Liveticker) beginnt für Grün-Weiß eine entscheidende Woche mit drei richtungsweisenden Spielen in der Fremde. Reicht es gegen St. Pölten und Ried (8. April, 16:00 Uhr, live auf Sky und im VIENNA.at-Liveticker) wieder nicht zu einem Sieg, droht der Absturz unter die letzten drei. Dazwischen geht es am 5. April (20:30 Uhr, live auf ORF eins) im Viertelfinale des ÖFB-Cups darum, die letzte Chance auf ein Ticket für den Europacup aufrechtzuerhalten.

Einmal mehr werden Canadis Aufstellungen mit Argusaugen beobachtet und analysiert werden. Kritik auf breiter Ebene brachten ihm zuletzt sein stures Festhalten am erfolglosen 3-4-2-1-System und die Startformation gegen Mattersburg ein, wo er sechs Verteidiger hatte auflaufen lassen. Dass sich Rapid schwer tut, Großchancen zu kreieren, darf angesichts der Tatsache, dass zuletzt mit Christopher Dibon und Stephan Auer zwei Spieler als Verbindungsglied zwischen Abwehr und Mittelfeld für den Spielaufbau zuständig waren, deren Qualitäten eher im Torpedieren der gegnerischen Offensivbemühungen liegen, nicht verwundern.

Obwohl die kritischen Stimmen zuletzt lauter geworden sind, kann Canadi trotz der Misere noch auf Rückendeckung im Verein bauen. Auch weil er es geschafft hat, den einflussreichen Block West hinter sich zu bringen. Bisher waren keine Forderungen nach seiner Ablöse im Allianz-Stadion zu hören und die Mannschaft wurde selbst nach dem Mattersburg-Spiel vom harten Kern der Anhänger mit Applaus verabschiedet. Doch in der kommenden Woche müssen Siege her, andernfalls wird wohl auch die beste Schlüsselpass-Statistik nicht mehr reichen, um die Gemüter ruhig zu halten.

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