Schlager-singender Wiener Bimfahrer “Strassenbahn-Michl” im Interview

Von Daniela Herger
Michael W. aka "Strassenbahn-Michl" beim Video-Dreh zu seinem Schlager
Michael W. aka "Strassenbahn-Michl" beim Video-Dreh zu seinem Schlager - © Andrè Wanne
Michael W. aus Wien ist Straßenbahner aus Leidenschaft. Seine zweite große Passion gilt dem Schlager. Mit VIENNA.at hat der “Strassenbahn-Michl” mit dem aktuellen Song “Ich bin König auf der Straße” über beides geplaudert und auch vom Video-Dreh in Speising berichtet.

“Schlager-Musik mache ich schon seit 2007, der große Erfolg war es bislang nicht. Aber ich wollte nicht aufgeben”, erzählt der Wiener Straßenbahnfahrer Michael W., der seinen Namen aus Rücksichtnahme auf seine Familie nicht veröffentlicht sehen will. Dann die Idee des Wiener Linien-Angestellten, der zumeist auf den Linien 5, 25, 26,30, 31 und 33 am Steuer sitzt: Er könnte doch Job und Hobby zusammenbringen.

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Wiener Linien-Kampagne inspirierte zu Schlager

Genau genommen wurde der 48-Jährige durch die Wiener Linien-Kampagne zur Rücksichtnahme in den Öffis dazu inspiriert, seine beiden Leidenschaften zu verbinden. “‘Mach was du willst, aber bitte nicht hier’ – ich hab mir gedacht, das könnte man musikalisch auch rüberbringen, und es wäre lustig.” Als “Strassenbahn-Michl” greift der Bim-Fahrer im Song “Ich bin König auf der Straße” das Thema auf, das ihm auch selber ein Anliegen ist.

“Ich wollte den Leuten einen Spiegel vorhalten. Essen in den Zügen ist für mich das Schlimmste, nicht nur vom Geruch her, es ist auch unappetitlich. Und wenn man gerade mit frisch gesäubertem Zug aus der Garage gefahren ist, und binnen kürzester Zeit landet ein Pizzakarton am Boden der Bim und die Pizza auf einem Sitz, dann glauben die Leute, dass die Wiener Linien schuld sind und die Waggons nicht sauber halten. Das stört mich,” so der “Strassenbahn-Michl”.

“Ich bin König auf der Straße”: Darum geht’s im Video

Im Videoclip zu seinem Song, der noch nicht offiziell veröffentlicht wurde, sondern nur in Kurzform vorliegt, kommen solche Szenen vor – etwa mit einem Döner essenden Fahrgast, der in der Straßenbahn mit Sauce herumpatzt und von Michael W. gerügt wird: “Du da, mach da keinen Dreck.” In einer ähnlichen Szene bittet er eine junge Frau, die laut Musik hört, ihre Kopfhörer zu benutzen.

Und auch das Stehenbleiben in den Türen, wodurch die Bim nicht abfahren kann, wird im Song thematisiert: “Du da in der Tür, geh bitte einmal weg.” Aber auch die schöneren Seiten des Straßenbahnerlebens kommen in “Ich bin König auf der Straße” vor – wenn W. die vielen wunderschönen Frauen besingt, die mit ihm tagein, tagaus mitfahren und ihn auch anlächeln.

Künstlerische Freiheit: Michael W. hat keine bissige Ehefrau

Apropos Frauen: Seine bissige Ehefrau, die er gleich am Anfang des Schlagers besingt, ist reine Phantasie und wird im Clip auch nicht von seiner tatsächlichen Gattin, sondern von einer Kindergärtnerin, einer MA12-Angestellten verkörpert. “Das ist frei erfunden, meine Frau ist nicht so,” verrät der “Strassenbahn-Michl” schmunzelnd.

>Hier geht es zum Kurzvideo von “Ich bin König auf der Straße”

bimschnee

Übrigens: Wer den ganzen Song hören möchte, kann “Ich bin König auf der Straße” sogar via Amazon erwerben.

Dreh in der Straßenbahn in Speising bei Schneefall

Als Statisten für die anderen Fahrgäste, die in dem Video vorkommen, konnte Michael W. übrigens Kollegen gewinnen, die sich für sein Projekt begeistern und W. beim Dreh in Wien-Hietzing unterstützten. Sieben Stunden lang wurde an dem Video in Speising bei “herrlichem Schneefall” gedreht. Die Unkosten für das Unterfangen, das die Wiener Linien unterstützten, trug der motivierte Bim-Fahrer zur Gänze selbst.

Damit ihm die Straßenbahn seitens des Verkehrsunternehmens zur Verfügung gestellt werden konnte, war im Vorfeld einiges an bürokratischen Hürden zu nehmen, wie W. berichtet. Er habe sein selbst erarbeitetes Konzept und sein Drehbuch den Wiener Linien vorlegen und sich deren Zustimmung holen müssen, damit es das OK dazu gab.

Unterstützung der Wiener Linien für das Schlager-Projekt

Ganz einfach war der Dreh für den Straßenbahner dann auch nicht, wie er berichtet: “Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten, wie ich mich hinstellen sollte. Ich habe ja so etwas noch nie gemacht.” An der Kamera stand übrigens ein in der Schlagerszene nicht ganz unbekannter Mann: Fred Weidler, unter anderem als Manager von Jürgen Drews tätig.

Die Unterstützung nicht nur seitens einer wachsenden Fan-Gemeinde auf Facebook, sondern auch seitens seines Arbeitgebers ist dem “Strassenbahn-Michl” jedenfalls gewiss “Wir finden es großartig, wenn sich MitarbeiterInnen in ihrer Freizeit mit ihrem Beruf künstlerisch beschäftigen und unterstützen das auch gerne, insofern betrieblich möglich”, so Wiener Linien-Sprecherin Johanna Griesmayr gegenüber VIENNA.at.

 

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