Rapid-Trainer Barišić im Interview: “Man braucht das nötige Gespür”

Von David Mayr
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Zoran Barišić stand VIENNA.AT Rede und Antwort.
Zoran Barišić stand VIENNA.AT Rede und Antwort. - © VIENNA.AT/Johanna Mayer
Ungeschlagener Tabellenführer und Champions-League-Aspirant. Rapid Wien ist die Mannschaft der Stunde in Fußball-Österreich. VIENNA.AT traf Trainer Zoran Barišić zum Gespräch über das CL-Playoff gegen Schachtar Donezk, die Verletzungskrise bei den Linksverteidigern und die Entwicklung vom prognostizierten Mittelständler zum Vorzeigeteam.

Als Zoran Barišić im April 2013 das Traineramt beim SK Rapid übernahm, befand sich der Klub in einer veritablen Krise. Die Vereinsführung stand in der Kritik, die Fans auf den Barrikaden und sportlich hatte man eine historische Negativserie zu verdauen. Unter Vorgänger Peter Schöttel waren die Grün-Weißen neun Ligaspiele in Serie ohne Sieg geblieben, ein 0:1 zu Hause im Cup-Viertelfinale gegen den Regionalligisten Pasching brachte das Fass zum Überlaufen und Schöttel die Kündigung.

Barišić, so dachten viele, übernehme einen undankbaren Job, indem er sich vom Amateur- zum Trainer der Profis befördern ließ. Ein Eindruck, der durch namhafte Abgänge im darauffolgenden Sommer zusätzlich an Stärke gewann. Etwas mehr als zwei Jahre später attestieren Experten, Rapid spiele derzeit den besten und schönsten Fußball Österreichs. Seit über vier Monaten ohne Niederlage in einem Pflichtspiel, führen die Grün-Weißen die Tabelle der tipico-Bundesliga an und sind dank des Erfolgs in Amsterdam bereits fix für eine europäische Gruppenphase qualifiziert.

Trotz der turbulenten Tage rund um das so wichtige Playoff-Hinspiel zur Champions League gegen Schachtar Donezk nahm sich Barišić Zeit, um im VIENNA.AT-Interview über die Stimmung im Team angesichts der Chance auf die Königsklasse, den schmerzlichen Ausfall beider Linksverteidiger und die Entwicklung der Mannschaft in den knapp zweieinhalb Jahren unter seiner Führung zu sprechen.

VIENNA.AT: Herr Barišić, im Optimalfall trennen Rapid noch zwei Spiele vom Einzug in die Gruppenphase der Champions League. Wie nehmen Sie die Atmosphäre innerhalb Ihrer Mannschaft wahr?

Zoran Barišić: Die Stimmung in unserer Truppe ist positiv und sehr gut. Das ist sie grundsätzlich, aber es war schon sehr wichtig, dass wir am Sonntag bei Sturm Graz nicht verloren haben. Jetzt ist die Vorfreude auf das Spiel gegen Schachtar bei jedem einzelnen irrsinnig groß. Ich bin schon gespannt, wo wir im Vergleich mit so einer Topmannschaft stehen. Sie wissen, dass das eine große Herausforderung und eine Riesenchance ist.

Wir sind ein Team. Wir sind Rapid. #alleinshappel

Posted by SK Rapid Wien on Dienstag, 18. August 2015

Wie geht die Mannschaft mit dem ganzen Rummel angesichts der Wichtigkeit dieser beiden Spiele um?

Alle wissen ganz genau, worum es geht. Wichtig ist, dass wir durch die Qualifikation für das Playoff bereits eine Gruppenphase erreicht haben. Dadurch haben die Jungs keine Belastung, keinen Druck. Der liegt nur aufseiten von Schachtar. Sie müssen unbedingt, wir wollen in die Gruppenphase der Champions League kommen. Ich hoffe, dass uns dies die Sache etwas erleichtert.

Im Sommer investierte Rapid vor allem in die Breite des Kaders, nun fallen mit Thomas Schrammel und Stefan Stangl ausgerechnet vor dem Champions-League-Playoff beide Linksverteidiger verletzt aus. Eine besonders bittere Situation?

Natürlich bin ich alles andere als erfreut, aber wir sind weit davon entfernt, zu jammern. Wir müssen Lösungen finden, das ist das Entscheidende.

Wie können diese aussehen?

Stephan Auer hat gezeigt, dass er links hinten sehr gut spielen kann, Mario Pavelić hatte jetzt gegen Sturm auch seinen ersten Einsatz. Ich hoffe, dass er schnell in den Rhythmus kommt und dass er auch das nötige Selbstvertrauen hat.

Wird Michael Schimpelsberger durch den Engpass bei den Außenverteidigern in den Kader zurückkehren?

Ich hoffe einmal, dass Christopher Dibon hundertprozentig fit ist, dann werden wir sehen, ob “Schimpi” wieder in den Kader kommt.

Sie sind mit Ihrer Mannschaft seit saisonübergreifend 17 Pflichtspielen ungeschlagen. Welche Bedeutung hat dieser erfolgreiche Start in die Spielzeit?

Das ist ganz wichtig! Wir sind fast perfekt gestartet, das sollte uns irrsinnig viel an zusätzlichem Selbstbewusstsein und noch mehr Glauben an uns geben. Wir können die kommenden Spiele mit breiter Brust bestreiten. Aus all diesen Gründen kann ein so positiver Saisonstart für den weiteren Verlauf der Meisterschaft nützlich sein.

Vor zwei Jahren sahen nicht wenige Experten und Fans Rapid ins Mittelmaß abdriften, heute ist man sich weitgehend einig, dass Rapid den derzeit besten und schönsten Fußball in Österreich spiele. Was bedeutet Ihnen diese Entwicklung?

Natürlich sehr viel. Vor meiner ersten vollen Saison verloren wir viele arrivierte Spieler und wurden dann mit einer sehr jungen Mannschaft, die sich tadellos entwickelt hat, Zweiter. Im Sommer darauf kamen uns fünf Säulen unseres Spiels abhanden, da war es extrem schwierig, diese sofort zu ersetzen. Wir hatten aber ein Bild im Kopf, wie die neue Truppe aussehen sollte und dann braucht man auch das nötige Gespür und Glück. Die Mannschaft zeigte im Laufe der Saison, dass sie sehr schnell lernen kann und hat sich sukzessive gesteigert. Diese Entwicklung stimmt mich froh und bestätigt einfach die gute Arbeit von allen Seiten.

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