Rapid-Reaktion auf “Puta Valencia”-Skandal

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Die Rapid-Ultras bekleckerten sich gegen Valencia nicht mit Ruhm.
Die Rapid-Ultras bekleckerten sich gegen Valencia nicht mit Ruhm. - © APA/Georg Hochmuth
Der SK Rapid hat ein offizielles Statement zu den beleidigenden Spruchbändern beim Europa-League-Heimspiel gegen den FC Valencia veröffentlicht.

Nach dem bitteren Europa-League-Aus Rapids gegen den FC Valencia Donnerstagabend, bei dem die grün-weißen Ultras mit beleidigenden Sprechchören und Transparenten besonders negativ aufgefallen sind, hat Österreichs Rekordmeister Freitagnachmittag ein offizielles Statement zu den Vorfällen publik gemacht.

Im Anschluss finden Sie die Erklärung des SK Rapid im Wortlaut.

Das Rapid-Statement nach dem Valencia-Spiel

Es ist uns ein Anliegen, auf diesem Wege zu den Vorfällen beim UEFA Europa League-Heimspiel gegen den Valencia Club de Futból Stellung zu nehmen. Gleich vorab ist festzustellen, dass die Wortwahl bei den auch öffentlich zurecht stark kritisierten, in spanischer Sprache verfassten Transparenten mit teilweise persönlichen Beleidigungen, die im Fansektor präsentiert wurden, ohne Wenn und Aber abzulehnen ist! Die Vereinsführung unseres Klubs hat sich dafür auch geschlossen nach dem Spiel bei den Repräsentanten unseres Gastklubs entschuldigt.

Zur Vorgeschichte: Beim Hinspiel vor einer Woche in Valencia wurde von den Verantwortlichen des gegnerischen Klubs kategorisch untersagt, dass das Transparent des Fanklubs Ultras Rapid 1988, das bislang problemlos und über mehrere Jahrzehnte in hunderten Stadien quer durch Europa bei jedem Rapid-Spiel angebracht wurde, im Estadi de Mestalla seinen gewohnten Platz findet. Obwohl die spanische Polizei nichts dagegen gehabt hätte, wurde von den Verantwortlichen des Valencia CF argumentiert, dass dies aufgrund der Tatsache, dass Ultras rechtsradikale Gruppierungen seien, untersagt. Da man nun unserer Ultra-Gruppierung zwar manches Fehlverhalten bei nationalen Spielen in Bezug auf Pyrotechnik nachsagen kann, aber definitiv keinerlei rechtsradikale oder faschistische Aktivitäten, sondern sich der Fanklub dezidiert als unpolitisch definiert und sehr viel dazu beigetragen hat, dass in den 1990er-Jahren diverse Personen mit einschlägigem Gedankengut aus dem Rapid-Umfeld ausgeschieden sind, war diese Entscheidung absolut nicht nachvollziehbar. Selbst der österreichische Botschafter in Spanien hat  übrigens am Tag des Spiels aufgrund seiner persönlich erlebten Erfahrungen beim November-Spiel beim Villarreal FC klar bei den Verantwortlichen des Valencia FC deponiert, dass es sich bei der grün-weißen Ultras-Gruppierung dezidiert um keine politisch motivierte Gruppierung handelt. Aufgrund des Transparent-Verbotes hat sich in Valencia übrigens auch eine rund 200köpfige Personengruppe dazu entschieden, dass Spiel nicht im Stadion zu verfolgen, um damit gegen die ihrer Meinung nach diskriminierende Behandlung zu protestieren.

Aufgrund der Erkenntnisse aus dem Hinspiel war zu erwarten, dass es beim Rückspiel zu Protesten gegen die Vereinsführung des Valencia CF kommen wird, mit den grob beleidigenden Bannern wurde aber natürlich der Bogen weit überspannt. Leider hatte auch unser Sicherheitskonzept Lücken, wurde das zu Spielbeginn präsentierte große Transparent offensichtlich gemeinsam mit einem in gleichem Design gestalteten und genehmigten Transparent, das mittlerweile traditionell zu Beginn der Rapidviertelstunde präsentiert wird, in den Stadioninnenraum gebracht. Als erste Konsequenz haben wir bereits beschlossen, dass das in diesem Bereich eingesetzte Ordnerpersonal nicht mehr eingesetzt wird!

Leider haben die o.e. Transparente in spanischer Sprache einen tollen Eindruck, den die Rapid-Anhänger (fast eine Viertel Million kam alleine zu den Heimspielen ins Ernst-Happel-Stadion) vorher in fast einem Dutzend Partien im Europacup in dieser Saison hinterlassen haben, beschädigt. Uns liegt trotzdem fern, aufgrund dieser Vorfälle die gesamte Rapid-Fanszene, die im Herbst auch bei vielerlei Verantwortlichen der UEFA (Delegierte, Venue Directors) einen sehr positiven Eindruck hinterließ und deren Auftreten auch mehrmals von diesen in diversen (De-)Briefings gelobt wurde, pauschal zu verurteilen. Vielmehr wollen und werden wir mit den Anführern des betroffenen Fanklubs den Dialog fortsetzen und werden auch sehr klar deponieren, welch negative Auswirkungen Vorfälle dieser Art für das Ansehen des SK Rapid und der gesamten grün-weißen Anhängerschaft haben und das sich solches nicht wiederholen soll und darf!

Wir hoffen, mit diesem Statement etwas aufgeklärt zu haben und bitten auch – bei allem verständlichen Ärger und schalem Beigeschmack, den diese spanischsprachigen und beleidigenden Transparente hinterlassen haben, – nicht zu vergessen, dass wir auch Dank des Engagements der aktiven Rapid-Fanszene in dieser Saison eine unvergleichliche Stimmung erlebt haben und es gelungen ist, dass wir innerhalb unserer Anhängerschäfte keinerlei Gruppierungen bekämpfen müssen, die sich politisch extrem produzieren oder gar neo-nazistische oder faschistische Tendenzen ins Stadion bringen. Gewalttätige Auseinandersetzungen hat es im Stadion bei uns de facto nicht gegeben, mit Aktivitäten wie “Wiener helfen Wienern“ haben grün-weiße Fangruppierungen in jüngerer Vergangenheit auch wiederholt soziale Aktivitäten an den Tag gelegt. Zudem wurde bei allen internationalen Spielen in den letzten drei Saisonen auch bewiesen, dass aufgrund möglicher negativer Folgen für den Verein völlig auf den Einsatz der sonst (nicht nur bei unserer Fanszene) so beliebten Pyrotechnik in Form von bengalischen Fackeln verzichtet wurde. Abschließend möchten wir betonen, dass die UEFA die Gesamtorganisation der vergangenen internationalen Spiele als hervorragend bewertet hat, umso bedauerlicher ist es auch in diesem Zusammenhang, dass es nicht gelungen ist, die beleidigenden Transparente beim letzten Auftritt in der diesjährigen Europa League dem Stadioninneren fernzuhalten.

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