Parteien setzten bei der Wien-Wahl 2015 verstärkt auf Kandidaten

Auch in Wien wird ein stark personenbezogener Wahlkampf geführt,
Auch in Wien wird ein stark personenbezogener Wahlkampf geführt, - © APA
Nicht etwa nur die Inhalte,auch wegen ihrer Personalriege werden Parteien gewählt – oder eben nicht. Die antretenden Fraktionen in Wien präsentieren daher ein breites Kandidatenspektrum, um möglichst viele Wählerinnen und Wähler anzusprechen.

Das zeigt ein genauerer Blick auf die – seit kurzem offiziellen – Listen. Promi-Quereinsteiger blieben diesmal aber aus.

Generell bemühen sich so gut wie alle Parteien um eine ausgewogene Geschlechterquote – zumindest auf den vorderen Plätzen. Explizite Jugendkandidaten an wählbarer Stelle werden ebenfalls gern gesehen. Keine Überraschungen gibt es quer durch die Bank auf den Spitzenplätzen.

Häupl unüberraschend auf Platz 1 der SPÖ

Die SPÖ-Liste führt erneut Bürgermeister und Landesparteichef Michael Häupl an. Ihm folgt Klubchef Rudi Schicker. Der Großteil der Mandatare in spe ist wohlbekannt, echte Quereinsteiger finden sich kaum – sieht man vom ehemaligen Grün-Mandatar Senol Akkilic ab, der im Zuge des Wahlrechtsstreits vom grünen Koalitionspartner zur SPÖ übergelaufen war. Er wurde auf Platz 31 der Landesliste und damit an sehr unsicherer Stelle gesetzt.

Die Kandidaten der SPÖ sind zur Hälfte Kandidatinnen – da auch die Sozialdemokraten inzwischen das Reißverschlusssystem ähnlich wie die Grünen anwenden. Das Durchschnittsalter der roten Riege beträgt laut Landespartei 44 Jahre. Der Jüngste ist der 19-jährige Can Güven, die älteste Kandidatin Beate Wimmer-Puchinger (67). Einzelne Jung-Bewerber sind mit speziellen Wahlkampfaktivitäten präsent – etwa der Lehrlingssprecher der SPÖ Wien, Michael Dedic (27), oder die Vorsitzende der Sozialistischen Jugend Wien, Marina Hanke (Platz 22).

Ebenfalls keine Änderungen bei den Grünen

Bei den Grünen hat sich an vorderster Listenfront ebenfalls nichts geändert. Angeführt wird sie wieder von Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou, auf Platz zwei folgt Klubchef David Ellensohn. Allerdings finden sich doch einige neuen Namen auf Positionen, die sich ein fixes Ticket im Stadtparlament ausrechnen können.

Birgit Meinhard-Schiebel, Sprecherin der Wiener Grünen SeniorInnen, findet sich etwa auf Platz sechs, der erst 28-jährige Peter Kraus, derzeit stellvertretender Büroleiter Vassilakous, an achter Stelle. Mit Faika El-Nagashi und Ewa Dziedzic finden sich auch eine gebürtige Ungarin und eine gebürtige Polin auf den wählbaren Plätzen elf und zwölf. Insgesamt beträgt die Frauenquote der 262 Kandidaten umfassende Liste dank selbstverordneter Geschlechterparität 53 Prozent. Beim Durchschnittsalter kommen die Grünen auf rund 45 Jahre.

FPÖ-Wahlkampf in Wien auf Strache zugeschnitten

Die FPÖ zieht erneut mit Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache in die Wahl. Der Wahlkampf ist auf den blauen Chef zugeschnitten. Altersdurchschnitt oder Frauenanteil für alle Gemeinderats-Kandidaten haben die Stadt-Freiheitlichen laut eigenen Angaben nicht erhoben. Man bemühe sich jedoch, dass auf den vorderen Plätzen möglichst viele Frauen zu finden seien, wurde von einem Sprecher versichert. Tatsächlich finden sich am Stadtwahlvorschlag fünf Kandidatinnen unter den ersten zehn.

Der wohl prominenteste und aufsehenerregendste Neuzugang gelang den Blauen mit der Abwerbung der ÖVP-City-Bezirksvorstehrerin Ursula Stenzel. Die 70-jährige Grande Dame der Innenstadt wurde – gleich hinter Klubchef Johann Gudenus – auf Platz drei der FPÖ-Liste platziert. Mit Maximilian Krauss (22) wurde zugleich dem Jugendkandidaten der fixe fünfte Platz reserviert. Er ist der Öffentlichkeit spätestens gut bekannt, seit seine Bestellung zum Vizepräsidenten im Stadtschulrat am Widerstand von Bürgermeister Häupl scheiterte.

Juraczka als neuer ÖVP-Spitzenkandidat

Die Wiener ÖVP stellt als einzige Rathaus-Partei mit Manfred Juraczka, der seit 2012 Parteichef ist, einen Spitzenkandidaten, der erstmals in dieser Funktion antritt. Dieser krempelte auch gleich sein Team mit acht Neo-Kandidaten an durchaus wählbaren Stellen kräftig um, was ihm einiges an Kritik einbrachte. So ist nach Juraczka auf Platz zwei der Landesliste mit der 27-jährigen Döblinger Bezirksrätin Elisabeth Olischar eine Newcomerin prominent gereiht.

Auf der Landesliste wendet die ÖVP auf den ersten 100 Plätzen fast nahezu das Reißverschlusssystem an – sprich auf Mann folgt Frau. Danach wurde alphabetisch gereiht. Das Durchschnittsalter der Nominierten beträgt laut Partei 46,16 Jahre. Der Jüngste ist der 18-jährige Marcel Flitter (Platz 136), die älteste Kandidatin ist die 83 Jahre alte Maria Löschl (Platz 199). Was auffällt: Eine Reihe von Kandidaten der Jungen ÖVP (JVP) sind auf den Landesliste bzw. den Wahlkreislisten prominent platziert. Der Chef selbst, Dominik Stracke, ist auf der Landesliste allerdings auf dem eher aussichtslosen zwölften Platz gereiht. Er will aber in Liesing um ein Grundmandat kämpfen.

NEOS erstmals in Wien mit dabei

Zum ersten Mal bei der Wien-Wahl am Start sind dieses Mal die NEOS. Nationalratsabgeordnete und Wiener Landessprecherin Beate Meinl-Reisinger führt die Liste an, dahinter folgen Namen, die der Öffentlichkeit kaum bis gar nicht bekannt sind. Auf Platz zwei findet sich der 35-jährige Unternehmer Markus Ornig, dahinter die gleichaltrige Bettina Emmerling, Projektleiterin für Verkehr und Mobilität bei der Energieagentur Österreich.

Unter den Top 20 der insgesamt 174 Kandidaten mit einem Durchschnittsalter von 41,5 Jahren gibt es eine 50-prozentige Frauenquote.

>> Die Wien-Wahl rückt näher – lesen Sie alle News dazu in unserem Special.

(APA)

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