Juventus- und Real-Fanclubs: Auch Wien fiebert beim Champions-League-Finale mit

Von David Mayr
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Oskar und Adrian bei unserem Gesprächstermin in isaac's pub und die "Bianconeri Vienna" vor ihrem Stammlokal, der nachBar.
Oskar und Adrian bei unserem Gesprächstermin in isaac's pub und die "Bianconeri Vienna" vor ihrem Stammlokal, der nachBar. - © Privat, bereitgestellt
Samstagabend werden weltweit Hunderte Millionen Menschen gebannt das Champions-League-Finale zwischen Juventus Turin und Real Madrid verfolgen. Wir haben uns mit den Fanclubs “Bianconeri Vienna” und “Real Madrid Fan Club Vienna” unterhalten und erfahren, wie sie versuchen, ihrer jeweiligen fußballerischen Liebe von Wien aus nahe zu sein.

In Spanien und Norditalien wird diesen Samstagabend wieder einmal fußballerischer Ausnahmezustand herrschen. Zumindest in Madrid und Turin werden die für gewöhnlich belebten Straßen leerer als sonst sein, dafür dürfen die zahllosen Bars der Städte ein saftiges Umsatzplus am ersten Juni-Wochenende einkalkulieren. Fußball schauen ist angesagt – Juventus Turin und Real Madrid kämpfen im Champions-League-Finale um Europas Fußball-Krone.

Doch auch im weit entfernten Wien wird am Samstag spätestens ab 20:45 Uhr MESZ (live auf ORF eins, ZDF, Sky und im VIENNA.at-Liveticker), wenn Schiedsrichter Felix Brych im Millenium Stadium von Cardiff den Ball durch seinen Anpfiff freigibt, bei einigen der Puls rasend in die Höhe schnellen. Wir haben mit zwei Fanclub-Enklaven von Juve und Real in der rot-weiß-roten Bundeshauptstadt gesprochen.

“Bianconeri Vienna”: Juventus’ einziger offizieller Fanclub in Österreich

Irgendwann waren es die drei Freunde Joe, David und Rene leid, dass sie von Wien aus ihre große Liebe nur bei den ganz schillernden Rendezvous aus der Ferne sehen konnten. “Wir hatten keine Lust mehr, jedes Juve-Match in einem anderen Lokal zu schauen. Außerdem wurden meist nur die großen Spiele gezeigt”, erzählt David. “Für die kleineren Partien gab es keine Lösung, also musste eine geschaffen werden. Wir wollten einen Club gründen, der alle Juventus-Fans in Wien vereint.”

Also machten sich David, Joe und Rene an die Arbeit und erstellten zunächst die Facebook-Seite “Bianconeri Vienna”. “Beim ersten Treffen waren wir sechs Leute im Keller des 9er Bräus im 9. Bezirk, zum ersten Champions-League-Spiel kamen immerhin schon 30 Personen”, schwelgt David, wie Joe italienischer Staatsbürger, in Erinnerungen. Inzwischen zählt ihre Facebook-Seite knapp 2.500 Mitglieder, seit 2015 sind die “Bianconeri Vienna” ein von Juventus offiziell anerkannter Fanclub – als einziger in Österreich.

Bianconeri Vienna ©

Dieser ist wie die Stadt, in der er gegründet wurde – eine bunte Mischung aus aller Herren Länder. “Unter den Mitgliedern gibt es viele Italiener, Südtiroler, Österreicher, Bulgaren, Rumänen, Amerikaner, Deutsche, Polen und Argentinier. Es gibt auch eine ‘Jugoneri’-Gruppe, wegen der Herkunft vom Balkan”, erklärt David. Vereint ist die Gruppe in den Farben Schwarz und Weiß. “Die große Liebe zu Juventus verbindet alle.” Mittlerweile trifft man sich in einem neuen Stammlokal, der nachBar in der Josefstadt.

“Gewinnen ist das Einzige, was zählt”

Dort werden am Samstag rund 200 Wiener Juventini versuchen, Juventus von Wien aus zum Sieg zu schreien. “Wir rühmen uns damit, die beste Stimmung aller Fanclubs in Österreich zu haben”, sagt David stolz. “Bei uns wird 90 Minuten lang durchgesungen! Sogar viele Fans, die bereits öfter im Stadion in Turin waren, schwärmen von uns.”

Klar zu beantworten ist für die “Bianconeri” die Frage nach dem Favoriten in Cardiff: “Eindeutig Juventus!” Das Team sei hungriger und reifer als vor zwei Jahren, bei der 1:3-Finalniederlage gegen den FC Barcelona. “Wir schulden es Gigi Buffon und wir warten schon viel zu lang auf diesen verdammten Pokal.” Dabeisein ist alles ist für David und seine Freunde in diesem Finale kein Leitmotiv. “Unser Motto lautet: Vincere non é importante, é l’unica cosa che conta.” Übersetzt: Gewinnen ist nicht wichtig, es ist das Einzige, das zählt.

Juventus’ letzter Champions-League-Titel datiert aus dem Jahr 1996. Heuer, so hoffen David und Co., kommt der “Henkelpott” nach über zwei Jahrzehnten wieder nach Turin. Die Wiener Juventini wissen, wie der große Sieg gelingen kann: “Unsere Verteidigung ist seit jeher unser großer Trumpf. Da kann der Cristiano noch so schön dribbeln.” Für die “Bianconeri” jedenfalls wäre “die Champions League der krönende Abschluss dieser großartigen Saison”.

“Real Madrid Fan Club Vienna”: Ein “königlicher” Wien-Ableger

Gehörig etwas dagegen haben Adrian und Oskar. Die beiden sind vom “Real Madrid Fan Club Vienna” und hoffen, wie weltweit Millionen “Madridistas”, auf die erfolgreiche Titelverteidigung in der Königsklasse. “Juventus ist auf jeden Fall ein schwieriger Gegner, aber mit der Mentalität, die Zinédine Zidane der Mannschaft eingeimpft hat, kann es Real schaffen”, ist Adrian überzeugt. “Ich hoffe, dass ein schnelles Tor gelingt und es dann ein ‘langweiliges’ Spiel wird”. Oskar ergänzt seinen Tipp: “Ich sage 1:0 oder ein 2:1 für uns.”

Schlägt das Erfolgspendel zwischen den beiden Vereinen mit 11:2 Titelgewinnen in Champions League beziehungsweise Meistercup klar zugunsten der Spanier aus, so ist es beim Vergleich der beiden Fanclubs umgekehrt. Knapp 450 Mitglieder zählt die Facebook-Seite der Wiener “Madridistas”, zum gemeinsamen Match schauen kommen meist nur eine Handvoll aus einem Pool von zirka 20 bis 30 Personen.

Begonnen haben Adrian und Oskar ihr Fanprojekt vor rund zwei Jahren. “Ich habe über Facebook versucht, mehr Real-Fans in Wien zu finden und bin auf Oskars Gruppe gestoßen. Bei einem ‘Clásico’ 2015 haben wir uns dann zum ersten Mal getroffen.” Seitdem wächst der Club nur schleppend. Ob die berüchtigte Verwöhntheit der “königlichen” Anhängerschaft bis in Österreichs Hauptstadt durchschlägt? “Die meisten sagen, es sei unnötig, nur für ein Getränk zum Fußball schauen zu kommen”, klagt Oskar und Adrian fügt hinzu: “Die wenigen, die ich in Wien kenne, sind maximal Sympathisanten.”

“Die Champions League ist wichtiger”

Spanien-Bezug haben die Gründer des “Real Madrid Fan Club Vienna” keinen, eine Führung durchs beeindruckende Estadio Santiago Bernabéu im Madrider Bezirk Chamartín war für Adrian aber Pflicht. Zum Real-Fan wurde der 30-Jährige nach der WM 1998. “Damals hat mich Roberto Carlos total begeistert! Er spielte bei Real und da war für mich klar, dass ich Real-Madrid-Fan werde. Raúl, Beckham und Zidane haben mir dann auch getaugt.” Sein Lieblingsspieler aus dem aktuellen Kader ist Marcelo, ein Faible für Linksverteidiger will sich Adrian aber nicht nachsagen lassen.

Das Match am Samstag schauen er und Kumpel Oskar wieder in ihrem Stammlokal isaac’s pub im 9. Bezirk. Dort hoffen sie dann, den zwölften Coup und die erstmals erfolgreiche Titelverteidigung in der CL-Geschichte feiern zu können. Denn der Gewinn der Meisterschaft war für Oskar zwar ganz nett, aber: “Die Champions League ist wichtiger! Alleine bei der Hymne stellt’s mir die Gänsehaut auf.”

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