Geplantes Flüchtlingsquartier in Wien-Liesing sorgt für heftige Debatten

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Rund 750 Flüchtlinge sollen in das Quartier Ziedlergasse einziehen.
Rund 750 Flüchtlinge sollen in das Quartier Ziedlergasse einziehen. - © APA
In einem verlassenen Bürogebäude in der Ziedlergasse in Liesing sollen ab März rund 750 Asylwerber Quartier beziehen. Eine Bürgerinitiative sowie die FPÖ machen dagegen mobil. Nun haben zwei Bürgerversammlungen stattgefunden – die mitunter sehr emotional verliefen. Das ist der aktuelle Status Quo.

Laut dem Wiener Flüchtlingskoordinator Peter Hacker wurden bei den Versammlungen u.a. Gerüchte und Falschmeldungen aus der Welt geschafft.

“Ich glaube schon, dass es gelungen ist, ein bisschen mehr Objektivität hineinzubringen. Und wirklich ändern wird sich das Meinungsspektrum erst durch Erleben. Jetzt ist das Ganze für die Bevölkerung in Liesing noch eine virtuelle Einrichtung. Die gibt es ja noch nicht”, zog Hacker, der auch Chef des Fonds Soziales Wien (FSW) ist, nach den beiden stattgefundenen Versammlungen Bilanz.

1.400 Flüchtlinge sollten einziehen: “Falschmeldung”

Neben Sicherheitsbedenken gab es bei den Teilnehmern vor allem Unwissen darüber, wie viele Menschen nun tatsächlich in der Unterkunft leben sollen. Denn ursprünglich kursierte, dass es bis zu 1.400 sein sollen.

Dabei handelte es sich um eine “Falschmeldung”, stellte der Flüchtlingskoordinator klar – und erzählte, wie es dazu kam. Bei einer Sitzung wurde einst nachgedacht: “Würden wir dieses Quartier mit Matratzen auslegen, dann könnten 1.400 Matratzen in diesem Haus liegen. Wir haben aber nicht geplant, Matratzen aufzulegen. Das haben wir auch gesagt, aber das ist untergegangen.”

Gebäude in Ziedlergasse wird aktuell adaptiert

Derzeit erfolgt die Adaptierung des Gebäudes in der Ziedlergasse – Sanitäreinrichtungen wurden eingebaut oder Großbüros in Schlafräume umgewandelt. Kommende Woche steht die Lieferung der Betten auf dem Programm. Ab März sollen dann zunächst 350 Bewohner einziehen. Dabei handelt es sich um Familien, die bereits in anderen Wiener Quartieren wohnen, aber umziehen müssen, weil ihre Unterkünfte geschlossen werden. Die weitere Belegung sei noch nicht fix, die Kapazität solle aber nicht voll ausgeschöpft werden.

Der Vertrag ist laut Hacker auf ein Jahr befristet. Eine Option auf Verlängerung sei nicht vorgesehen, aber: “Wenn wir mehr Plätze brauchen als im Augenblick abzusehen ist, kann es auch sein, dass wir schauen, das Quartier verlängern zu können.” Wobei die Unterkunft jedenfalls zeitlich befristet sein wird, da der Eigentümer plant, auf dem Areal Wohnungen zu errichten. Überhaupt sei die Immobilie als Notquartier konzipiert – “wo die Leute so kurz wie möglich bleiben sollen, bis sie in ein echtes Grundversorgungsquartier übersiedeln”.

“Wollen eigentlich keine großen Quartiere”

Das geplante Großquartier Ziedlergasse steht derzeit zwar im Fokus der Öffentlichkeit – wobei: Es handelt sich nicht um das einzige in der Stadt. Es gibt sogar größere, zum Beispiel die Unterkunft in der Vorderen Zollamtsstraße, wo weit mehr als 1.000 Menschen Platz finden. Insgesamt gibt es laut FSW in Wien 30 Notquartiere und 71 reguläre Grundversorgungseinrichtungen. Derzeit werden täglich 4.800 Übernachtungen in Notquartieren registriert, 20.560 Menschen befinden sich in der Grundversorgung.

Bis Mai sollen etwa zehn weitere Grundversorgungsunterkünfte mit circa 500 Plätzen dazu kommen. “Wir haben laufend Quartiere, die wir übersiedeln müssen, weil wir großteils Quartiere haben, die wir befristet bekommen haben”, erklärte Hacker. Weitere Quartiere im Ausmaß der Ziedlergasse seien derzeit aber nicht geplant, hieß es. Diese seien auch keine befriedigende Lösung, wie der Flüchtlingskoordinator betonte: “Wir wollen eigentlich keine großen Quartiere.”

“Natürlich gibt es auch bei Flüchtlingen Gfraster”

Abschließend übte er Kritik – auch an der Politik -, denn es würden derzeit Bilder transportiert werden, “die mit dem echten Leben nichts zu tun haben”: “Natürlich gibt es auch bei Flüchtlingen das eine oder andere Gfrast, aber rein grundsätzlich bleibe ich dabei: Das sind Menschen, die vor Angst und Terror geflohen sind. Und wenn man die Menschen kennenlernt, dann weiß man, dass das auch so ist.”

Der weitaus größere Teil der Flüchtlinge würde sich bemühen, “sich so unauffällig wie möglich in dieser Stadt zu bewegen und ist höchst interessiert daran, in dieser Stadt ein ganz ein normales, ruhiges Leben aufzubauen und für die Kinder zu sorgen.”

>> Mehr zum Thema: Emotionale Bürgerversammlung in Liesing.

(APA)

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