Der VIENNA.at-Action-Test: Helikopter selber fliegen in Bad Vöslau bei Wien

Von Jennifer Schindl
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In Bad Vöslau darf man Helikopter selbst steuern.
In Bad Vöslau darf man Helikopter selbst steuern. - © Vienna Online/Jennifer Schindl
Wer sich den Traum vom Fliegen erfüllen will, hat in Bad Vöslau bei Wien eine echte Alternative zum Flügel wachsen lassen: Hier kann man Hubschrauber selbst steuern. Wir haben das Angebot getestet.

Der Frühverkehr macht mir gleich zu Beginn meiner Tagespläne einen Strich durch die Rechnung. Ich stelle mich auf grantige Gesichter ein, die mich mit 10-minütiger Verspätung in Empfang nehmen werden. Zu meinem Erstaunen treffe ich am Flugplatz Vöslau-Kottingbrunn aber nur auf sehr freundliche Menschen. Ich hatte Glück: Der Flugschüler vor mir hatte bereits das gleiche Problem mit dem Verkehr. Bei einem Kaffee wird mir also die Wartezeit mit einer ersten Theorie-Einführung verkürzt.

Nervosität versus Hirnschmalz

Obwohl die Fakten rund ums Helikopter-Fliegen wirklich interessant klingen, merke ich, wie die Nervosität wächst und ich mich kaum auf die Schulung konzentrieren kann. Immer wieder ertappe ich mich dabei, aus dem Fenster zu sehen und die Hubschrauber zu beobachten. “Wie soll ich nur schaffen, einen Helikopter selbst zu fliegen? Ich hab’s doch noch nicht mal in einem Spiel versucht!”, werden meine Gedanken zunehmend abstrus. “Vielleicht würdest du es schaffen, wenn du mal was von der Theorie mitbekommen würdest”, ermahne ich mich selbst – allerdings wenig erfolgreich.

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Als es dann endlich raus auf das Flugfeld geht und wir im “Robinson R22” Platz nehmen, merke ich, dass sich meine Aufmerksamkeitsspanne einfach nicht verbessern will. Welche Daten die vielen Instrumente liefern sollen, bleibt mir trotz Erklärung bis zuletzt ein Rätsel. Lediglich welche Hubschrauber-Bewegungen die Pedale, der Steuerknüppel und der wie eine Handbremse aussehnde “Collective Pitch” herbeiführen, bleibt meinem – in diesem Moment auf Überleben eingestellten – Gehirn in Erinnerung. “Sollte ich total unbegabt sein und einen Riesenblödsinn in der Luft machen, kannst du dann verhindern, dass eine Katastrophe passiert?”, frage ich angespannt. Ein selbstsicheres “Ja” lässt mich etwas ruhiger werden.

Heli selbst steuern in Bad Vöslau lässt Traum vom Fliegen wahr werden

Beim Abheben traue ich mich kaum, eines der Steuerelemente zu berühren. Erst als der Helikopter in halbwegs sicherer Entfernung zum Boden ist, wage ich es langsam, das Ruder zu übernehmen. Zunächst verkrampft meine Hand noch, was es schwierig macht, den Steuerknüppel behutsam zu bewegen. Da minimale Veränderungen jedoch eine Riesenauswirkung auf den Hubschrauber haben und ich immer wieder den Fehler mache, Schlenkerer mit Gegensteuern ausgleichen zu wollen, schaukeln wir mehr durch die Luft, als es ein sensibler Magen zulassen würde. “Die Leute da unten haben sicher Angst”, sage ich zu meinem Fluglehrer. “Das fühlt sich schlimmer an, als es von unten aussieht”, beruhigt er mich. “Versuch die Hand locker zu halten”, rät er mir mit sanfter Stimme. Und siehe da: Die guten Tipps und die ruhige Art meines Fluglehrers lassen meine Aufregung schwinden und ich beginne den Flug und die schöne Aussicht zu genießen, obwohl sich das Erlebnis bis zum Schluss irgendwie unwirklich anfühlt und ich es kaum fassen kann, tatsächlich gerade einen Heli zu steuern.

Ein R22 kann eine maximale Höhe von etwa 4.000 Metern erreichen und bis zu 189 km/h schnell fliegen. Während einer Schulung ist man aber meist in etwas weniger spektakulären 300 Metern Höhe mit rund 120 km/h unterwegs, was auch kleine Plaudereien zulässt. So schildert mir mein Fluglehrer seinen abwechslungsreichen Job und erzählt, dass seine Helikopter-Firma “Hubi-Fly” auch schon für den Filmdreh von “Mission: Impossible” in Wien zum Einsatz kam. “Da es nicht erlaubt ist, ohne Genehmigung im Ortsgebiet zu fliegen und viele vom Filmdreh nichts mitbekamen, flatterten im Minutentakt die Anzeigen herein”, erzählt er mir schmunzelnd.

Mission Impossible: Ruhiges Schweben mit dem Hubschrauber

Die 30 Minuten in der Luft vergehen wie im Flug (Schmäh Olé) und früher als mir lieb ist, sind wir wieder zurück am Boden. Zum Abschluss werden mir noch Schwebeübungen in 1-2 Metern über Grund gezeigt. Hier wird es umso wichtiger, alle Steuerelemente exakt zu bedienen. Meine Versuche, den Helikopter ruhig an einer Stelle zu halten, scheitern kläglich. “Um das zu können, sind bis zu 10 Stunden Übung notwendig”, werde ich besänftigt. Obwohl der Hubschrauber hier noch wesentlich mehr schaukelt als in luftigen Höhen, habe ich mittlerweile keine Angst mehr vor einer möglichen Katastrophe. Mein Fluglehrer gab mir über die gesamte halbe Stunde das Gefühl, sofort eingreifen zu können, sollte Unheil drohen.

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Wer nun Lust bekommen hat abzuheben, jedoch nicht gleich 25.000 Euro für einen privaten Heli-Flugschein bezahlen möchte, kann sich hier das passende Angebot heraussuchen und den Traum vom Fliegen wahr werden lassen. Auch als besonderes Weihnachtsgeschenk empfehlenswert.

(Red.)

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