Bürgerinitiative Rettet den Hörndlwald im Interview: “Der Wald gehört uns Wienern”

Von Verena Kaufmann
Merten Mauritz setzt sich für den Erhalt des Hörndlwalds in Hietzing ein.
Merten Mauritz setzt sich für den Erhalt des Hörndlwalds in Hietzing ein. - © Merten Mauritz
In einigen Wochen wird in Wien gewählt – VIENNA.at rückt dabei im Vorfeld Bürgerinitiativen und deren Anliegen in den Blickpunkt. Diesmal haben wir Merten Mauritz, Obmann der Bürgerinitiative “Rettet den Hörndlwald”, zum Interview gebeten und Interessantes zum geplanten Burn-Out-Zentrum in Hietzing erfahren. Alle Infos dazu gibt es hier.

Die Bürgerinitiative “Rettet den Hörndlwald” wurde im Februar 2015 ins Leben gerufen und vertritt ein klares “Nein” zur geplanten Burn-Out-Klinik Sonnenpark, die am Areal des Wiener Hörndlwalds gebaut werden soll. Obmann Merten Mauritz sieht durch den Bau nicht nur geschützte Tier- und Pflanzenarten bedroht, auch die Nutzung des öffentlichen Sportplatzes und die von der Stadtregierung bereits 2009 versprochene Renaturierung des Gebiets wären im Falle eines Baubeginns nicht mehr möglich.

Bürgerinitiative will Hörndlwald in Hietzing retten

Die Verbauung des Hörndlwalds wurde erstmals Ende 2014 zum Aufreger-Thema in Hietzing. “Wir Bürger haben davon am 19. Dezember erfahren, also kurz vor Weihnachten. Wahrscheinlich wurde diese Datum bewusst gewählt, damit sollte sich die Entrüstung über die Weihnachtsfeiertage entladen”, so Merten Mauritz im VIENNA.at-Interview.

Mit der darauffolgenden Versammlung im Februar kam es dann zur Gründung der Initiative “Rettet den Hörndlwald”. “Wir haben gemerkt, dass die Leute ein Projekt wie dieses nicht einfach so hinnehmen werden.” Derzeit zählt die Initiative knapp 200 aktive Vereinsmitglieder und über 2.500 Freunde des Vereins. Der Zuspruch aus der Bevölkerung ist also groß. “Die Initiative selbst ist überparteilich, zusätzlich dazu hat sich aus dieser Bewegung auch eine neue politische Kraft, eine Bürgerplattform, gebildet, die unter dem Namen ‘WIR Hietzing’ in den Hietzinger Gemeinderat einziehen möchte”, so Mauritz.

Hörndlwald soll umstrittener Burn-Out-Klinik weichen

Der Hörndlwald war und ist für die Hietzinger Bevölkerung ein beliebtes Naherholungsgebiet. Mauritz erinnert sich an seine Kindheit, in der er als Jugendlicher mit Freunden auf dem Natursportplatz Fußball spielte. Auch heute nutze er als Erwachsener – wie viele andere – den Wald für Spaziergänge und um Erholung zu suchen.

Diese Erholung will die Stadtregierung nun auch Burn-Out-Erkrankten bieten und die abgeschiedene Wald-Ruhelage scheint deshalb für ein Rehabilitationszentrum ideal. Die Initiative spricht jedoch ein klares “Nein” aus und kämpft gegen eine Bebauung gegen den Willen der Bürger. Vorschläge für andere mögliche Standorte gibt es: Das Geriatriezentrum am Wienerwald, das Krankenhaus Hietzing, das Neurologische Krankenhaus am Rosenhügel oder – außerhalb des Bezirks – die Spitalsanlage Otto Wagner am Steinhof.

Mit den zuständigen Personen ist man deshalb laufend in Kontakt: “Wir haben eigentlich von Anfang an den Kontakt zur zukünftigen Betreiberin Pro Mente GmbH gesucht und auch gute Gespräche geführt. Es gab einen runden Tisch mit den verantwortlichen im Bezirk und dem Geschäftsführer Herrn Rachbauer, sowie seiner PR-Beraterin. Hier zeigte Pro Mente zu unserem Erstaunen, dass sie gar nicht so an diesem Platz im Hörndlwald festhalten will.”

“Stadt Wien soll geeignetes Grundstück vorschlagen”

Eigentlich ist ihr das Areal viel zu klein, die Therapieräume müssten deshalb im Keller untergebracht bzw. geplant werden”, erklärt Mauritz. “Wenn die Stadt Wien einen alternativen Platz zur Verfügung stellen würde, wäre Pro Mente sofort aus dem Naturschutzgebiet draußen, aber leider hat die Stadt bis heute keine geeignetes Grundstück vorgeschlagen.”

Den Bau sieht Mauritz zwar gesetzlich legitim, moralisch und ethisch betrachtet ist das Reha-Zentrum jedoch höchst umstritten. “Wir opfern hier wieder ein Stück des Wiener Grüngürtels und die geplanten Straßen und der Verkehr werden der Umwelt und somit dem Wald Schaden zufügen.”

“Rettet den Hörndlwald” fordert Renaturierung statt Bebauung

Falls die geplante Bebauung verhindert werden kann, hätten die Mitglieder der Initiative auch Pläne für das Areal des Hörndlwalds: “Am liebsten wäre uns die versprochene Renaturierung, ein Wald für uns Wiener, bestehend für die nächsten Generationen.”

Die Bürgerinitiative konnte bereits die Forderung nach Verkehrs-, Boden-, und Umweltgutachten durchsetzen. Als großen Erfolg sieht man auch, dass das Projekt bereits im April bei der zuständigen Behörde eingereicht hätte werden sollen, es aber auch jetzt im September noch immer nicht bei dieser Behörde aufliegt.

Mauritz zeigt sich für die Zukunft weiter kämpferisch und versichert, dass mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln weiter gegen dieses Projekt gekämpft wird: “Einen Trumpf haben wir noch, den wollen wir aber erst zum richtigen Zeitpunkt ausspielen.”

Hörndlwald als Thema bei der Wien-Wahl 2015

Die nächsten Wochen sollen vor allem dafür genutzt werden, um die Rettung des Hörndlwalds wieder verstärkt zu einem Wiener Thema zu machen. “Bei einer Groß-Demo am 25. September, dem ‘Marsch auf’s Rathaus’, werden wir gemeinsam mit anderen Initiativen mit dabei sein und zeigen, dass der Wald uns Wiener Bürgern gehört und nicht irgendeiner Partei”, so Mauritz.

Auf die Frage “Wenn am Sonntag Wien-Wahl wäre, welche Partei(en) würden dann vorne mit dabei sein?” sieht Mauritz ein Potential in Bürgerlisten: “Die FPÖ wird sicher bei dieser Wien-Wahl eine große Rolle spielen, aber auch die Bürgerlisten haben diesmal ihre Chance.”

>> Weitere Informationen zur Bürgerinitiative “Rettet den Hörndlwald”, den Anliegen und zur Unterstützung finden Sie hier.

>> Alle Infos zur Wien-Wahl finden Sie in unserem Special.

(Red)

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