Bürgerinitiative U4auhof im Interview: ‘Politik soll Westen Wiens mehr beachten’

Von Verena Kaufmann
Philipp Neuherz von der Bürgerinitiative U4auhof stand uns in unserem Interview Rede und Antwort.
Philipp Neuherz von der Bürgerinitiative U4auhof stand uns in unserem Interview Rede und Antwort. - © VIENNA.at/Verena Kaufmann
Im Oktober wird gewählt und im Rahmen der kommenden Wien-Wahl 2015 rückt VIENNA.at auch Bürgerinitiativen und deren Anliegen in den Blickpunkt. Zum Start haben wir uns mit Philipp Neuherz, einem der Gründer der Initiative U4auhof, unterhalten und spannendes zum Thema U4-Ausbau und die Verkehrsproblematik im Westen Wiens erfahren. Alle Infos dazu lesen Sie hier.

Die Bürgerinitiative U4auhof wurde 2013 von mehreren engagierten Jugendlichen mit dem Anliegen gegründet, die U-Bahn-Linie U4 im Westen Wiens zu verlängern. Das Hauptziel der Gruppe liegt in der Durchsetzung einer Verlängerung bis nach Auhof, noch wünschenswerter (wenn gleichzeitig aber vielleicht auch unrealistischer) wäre eine Verlängerung bis nach Purkersdorf in Niederösterreich. Grundsätzlich setzen sich alle Mitglieder jedoch vor allem für eine bessere Verkehrspolitik im Westen Wiens ein.

U4auhof setzt sich für Verkehrspolitik im Westen Wiens ein

Die hauptausschlaggebenden Gründe zur Initiativ-Gründung waren gleich mehrere: Bereits seit Jahren wurde der U4-Ausbau immer wieder zum Thema der Politik, teilweise heiß diskutiert, danach aber dann doch wieder fallengelassen. Schon 2005 versprach Bürgermeister Michael Häupl den Wählern eine Verlängerung der U-Bahn-Linie, zehn Jahre später sieht die derzeitige Stadtregierung dagegen keinen Grund für einen Ausbau.

“Außerdem kam 2013 plötzlich die MA 48 mit den Plänen, in der Westeinfahrt einen zentralen Mistplatz zu bauen, womit der geforderte U4-Ausbau sowie der Bau einer Park & Ride Anlage erschwert bzw. eventuell gar unmöglich gemacht werden sollte”, so Philipp Neuherz, Mitbegründer und Mitglied der Bürgerinitiative U4auhof im VIENNA.at-Interview. “Selbst die Bezirksvorstehung des betroffenen Bezirks Penzing, Andrea Kalchbrenner (SPÖ), wusste nichts von den Plänen.”

Durch die Gründung der Facebook-Fanpage “Für die U4 Verlängerung nach Auhof & Purkersdorf” wurden binnen drei Tagen über 3.000 Unterstützer auf das Anliegen des U4-Ausbaus aufmerksam, und so wurde die Idee wiederbelebt. Derzeit zählt die Seite knapp 6.500 Fans und auch der Zuspruch aus der Bevölkerung ist groß: “Bei unseren bisherigen Aktionen konnten wir bereits mehrere Unterschriften für das Anliegen sammeln”, so Neuherz.

“Mehr Verkehr durch neuen MA 48-Mistplatz in Westeinfahrt”

Die Bauarbeiten für den neuen Mistplatz sind bereits in vollem Gange, der bisherige Standort im 14. Bezirk in der Zehetnergasse soll aufgelöst werden. Die Kosten des Projekts liegen zwischen zwei und vier Millionen Euro.

Neuherz befürchtet, dass vor allem die Anwohner aus Wien-Umgebung den neuen Mistplatz nutzen werden, was in weiterer Folge zu einer noch stärkeren Verkehrs- und Umweltbelastung in der Westeinfahrt führen wird. Außerdem stellt sich die Frage, ob dadurch die U4-Verlängerung und der Bau einer Park & Ride Anlage in Auhof nun endgültig vom Tisch ist.

“Natürlich erschwert diese Tatsache unser Anliegen, jedoch gibt es Alternativen. Beispielsweise könnte eine U-Bahn-Trasse gebaut oder die bereits vorhandene S-Bahn-Strecke von Hütteldorf bis Wolf in der Au genutzt werden. Für die Park & Ride Anlage würde sich der freie Platz beim Hotel bzw. bei der Tankstelle in der Westeinfahrt eignen. Das muss natürlich alles im Vorfeld von Verkehrsexperten geprüft werden”, erklärt Neuherz in Bezug auf Bau-Möglichkeiten im Falle einer Verlängerung der U4.

Neue Wohnungen und Auhofcenter als Ausbau-Anreiz

Auch das umgestaltete Auhofcenter samt neu entstandenen Wohnungen sollten nach Neuherz Anreiz für die Politik sein, um über einen Ausbau der U4 nachzudenken. “Es ist schade, dass die Stadtregierung das trotzdem nach wie vor ablehnt. Alle Anträge, die bisher gestellt wurden, wurden mit halbherzigen Begründungen abgelehnt.”

Vom zuständigen Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) wird ein U4-Ausbau ins Wiener Umland mit der Begründung einer “zu geringen Auslastung” und aus “finanziellen Gründen” abgewürgt. “In puncto Auslastung gäbe es die Möglichkeit, Züge nach Auhof – wie auch schon die U6 nach Siebenhirten oder die U2 nach Seestadt – kurzzuführen. Bereits das würde erheblich zur Verkehrsberuhigung und Umweltentlastung beitragen. Aus finanzieller Sicht müssten ebenfalls Ressourcen zur Verfügung stehen, was man an dem Projekt MaHü-Neu, Ampelmännchen und einer U-Bahn-Verlängerung nach Seestadt – obwohl dort nicht einmal Wohnungen vorhanden waren – sehen kann”, so Neuherz.

“Verkehrskonzept im Westen ist gescheitert”

Nicht nur die Diskussion um eine U4-Verlängerung beschäftigt Neuherz, er sieht generell Probleme in der Verkehrspolitik, die den Westen Wiens bestimmt. Ein aktuelles Beispiel ist die Generalsanierung des Bahnhofs Penzing. “Wir kritisieren hier natürlich nicht die Sanierung an sich, sondern in erster Linie das Verkehrskonzept. Durch die Bauarbeiten werden die S-Bahn-Linien S50, S45 und die Bim-Linie 49 gleichzeitig eingeschränkt, was logischerweise zu enormen Verzögerungen führt. Auch vernünftige Ausweichmöglichkeiten, beispielsweise für Pendler aus NÖ, sind nicht gegeben, da die ÖBB einen Schienenersatzverkehr für nicht notwendig hält.”

Ein weiteres Ziel der Bürgerinitiative liegt deshalb auch darin, eine Intervall-Verdichtung der S50, die zwischen Wiener Westbahnhof und Tullnerbach-Pressbaum fährt, zu erreichen: “Wir stehen diesbezüglich auch bereits mit der ÖBB in Kontakt. Vizebürgermeisterin Renate Brauner versprach damals, die Intervalle auf einen 15-Minuten-Takt zu verdichten, was bis heute aber immer wieder verschoben wurde. Auch daran kann man erkennen, dass der Westen von der Politik vernachlässigt wird.”

U4-Verlängerung Thema bei der Wien-Wahl 2015

Der nächste Schritt der Bürgerinitiative wird ein offener Brief sowohl an den Verkehrsminister Alois Stöger als auch an die Stadtregierung sein. Außerdem will man das Thema “U4-Verlängerung” vor der anstehenden Wien-Wahl wieder stärker promoten. Beispielsweise wird es wieder Unterschriften-Sammelaktionen geben, mit denen die Initiative unterstützt werden kann. “Meistens sind wir am Wochenende im Auhofcenter unterwegs, aber auch in Hietzing und Hütteldorf sammeln wir Unterschriften.”

Auf die Frage “Wenn am Sonntag Wien-Wahl wäre, welche Partei(en) würden dann vorne mit dabei sein?” findet Neuherz eine klare Antwort: “Durch das eventuelle Antreten einer Türkischen und angeblich auch einer Rumänischen und Serbischen Liste bei der kommenden Wahl, ergibt sich eine sehr spannende Situation. Ich könnte mir vorstellen, dass es Rot-Schwarz werden wird. Durch die starke Kritik an den Grünen in der Stadtregierung bleibt die Frage offen, ob diese Partei diesmal dazugewinnen kann. Meine Befürchtung ist jedoch, dass die FPÖ stärker wird.”

Egal welche Partei-Konstellation im Oktober gewählt wird: Neuherz hofft, dass die Politik den Westen Wiens mehr beachtet und endlich ein vernünftiges Verkehrskonzept entwickelt.

Weitere Informationen zur Bürgerinitiative U4auhof, den Anliegen und zur Unterstützung finden Sie hier.

Alle Infos zur Wien-Wahl finden Sie in unserem Special.

(Red)

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