Auftakt für das Rock in Vienna: Metallica und Co. rockten den ersten Insel-Tag

Von Amina Beganovic
Auftakt am neuen Rock in Vienna.
Auftakt am neuen Rock in Vienna. - © APA
Bei Kaiserwetter startete am Donnerstag das erste Rock in Vienna. Die Bands sorgten für optimale Festival-Stimmung, insbesondere namhafte Acts wie Faith No More und Metallica. Am organisatorischen Ablauf des Festivals gibt es allerdings noch Potenzial nach oben – wir haben hier einige Tipps für Besucher für die weiteren Tage.

Man muss es ja fairerweise sagen: Bei der Premiere eines Festivals, das es in der Form noch nicht gegeben hat, kann nicht alles reibungslos ablaufen. Gut 30.000 Besucher tummelten sich an Tag Eins auf der Insel, gefühlte 29.000 davon kamen ausschließlich für die Headliner Metallica. Und ja, das Publikum war nicht so jung wie bei so manch anderem österreichischen Sommerfestival – was der Sache nicht unbedingt abträglich war.

Dass es da bei nur einem Haupteingang zu Gedränge und Warterei kommt, ist dann trotz aller Bemühungen vorprogrammiert: Wer erst in den Abendstunden auf der Donauinsel eintraf, musste eine Menge Geduld aufbringen. Die versprochene Öffnung der Tore um 11.00 Uhr wurde auf 12.00 Uhr verlegt, und mit nur einem Eingangsbereich schienen die Kapazitäten des Personals schnell an die Grenzen zu stoßen (was insbesondere all jene mit Tageskarten zu spüren bekamen).

Daher unser Tipp Nummer 1: Auch wenn man in erster Linie seinen Lieblingsheadliner sehen möchte, sollte man schon möglichst früh am Nachmittag auf der Insel eintreffen, um Gedränge und Stress zu vermeiden.

Stolze Getränkepreise, viel Geräusch am Rock in Vienna

Das Zwei-Bühnen-Konzept am Rock in Vienna, das es in dieser Form erstmals in Österreich gibt, ging dafür voll auf: Kein Hin-und-Her-Gerenne am Gelände, gute Sicht dank drei großer, vertikaler Leinwände entlang der rund 110 Meter langen Bühnen. Gemütlich konnte man sich zwischendurch ein Bier holen (außer es ging mal aus, wie es am frühen Abend kurzzeitig der Fall war …). Kurz schlucken musste man jedoch bei den Getränke-Preisen: Sechs Euro (inkl. Pfand) für ein Bier, ebenso für ein normales Soda – das ist auch für Festivalniveau stattlich.

Trinken musste man aber viel, denn Schattenplätze? Fehlanzeige. Auch wenn alle froh über das sommerliche Wetter waren, merkte man bei einigen doch, dass die starke Sonne ihren Tribut forderte. Daher unser Tipp Nummer 2: Sonnencreme und Kopfbedeckung nicht vergessen! Der Kreislauf wird es einem danken.

Ab 14.00 Uhr startete auf den Bühnen das Showprogramm, abwechselnd rockten A Caustic Faith, Gojira, 3 Days Grace, Body Count oder die Thrash-Metal-Haudegen von Testament den Nachmittag (bei dem es noch verhältnismäßig viel Platz im Zuschauerbereich gab). Und ja, es war laut! Zwar lautet bei Festivals “Bloß nicht zu leise” die Devise, aber vorsorglich unser Tipp Nummer 3: Wer ohne Klingeln im Ohr am Abend heimgehen möchte, sollte die Ohrstöpsel griffbereit haben, denn der Pegel kann einiges.

Stimmung und mehr Menge bei Testament, Broilers und Faith No More

Ab 17.30 Uhr, als Jeremy McKinnon von A Day To Remember die Zuschauer mit einem lauten “I wanna feel the earth fucking shake, Vienna!” begrüßte, merkte man doch, dass es langsam aber sicher voller wurde und immer mehr Leute mit Metallica-Shirts Richtung Wavebreaker drängten. Daher unser Tipp Nummer 4: Wenn man mal einen guten Platz weiter vorne hat, sollte man diesen mit Freunden abwechselnd auch verteidigen, sonst ist er nämlich weg.

Besonders stimmungsvoll gestaltete sich der Auftritt der Crossover-Ikonen Faith No More. Stilecht österreichisch in Lederhosen und Karo-Hemden zeigten die US-Musiker, dass sich der Weg auf die Insel auf jeden Fall gelohnt hatte. Statt Pyrotechnik gab es Blumengestecke auf der Bühne, Frontmann und Parade-Exzentriker Mike Patton gab den unterhaltsamen Entertainer, der um keinen Schmäh verlegen war. Die Fans wurden auf eine schnelle Reise durch die Schaffenszeit der Band entführt, vom früh gesetzten “Epic”, das wieder in die 90er-Jahre zurückversetzte, bis zum düsteren “Ashes To Ashes” oder einem schunkeligen Cover von Lionel Richies “Easy Like A Sunday Morning” war nahezu alles dabei. Baldiges Wiedersehen mit Faith No More würde definitiv Freude machen!

Punkiger wurde es dann später mit den deutschen Herrschaften von Broilers, die routiniert und überaus pünktlich nachfolgten. Frontmann Sammy Amara und seine Mannen (und Damen, denn Bassistin Ines Smentkowski zog hier eindeutig die Blicke auf sich) gab Wien eine Kostprobe des Oi-Punk-Genres zu hören: Brachialer, aber flotter Punk-Sound mit harten Riffs und Bläsern, dazu gefühlsbetonte Texte und “Hand-In-Hand”-Stimmung zeichneten die Düsseldorfer aus – die Fans hüpften brav mit, obwohl die Vorfreude auf Metallica schon zum Greifen in der Luft hing.

Grandiose Metallica, auch ohne Ballons

Unser Tipp Nummer Fünf: Nicht allzu sehr auspowern am Nachmittag, wenn man bis zum Schluss durchzuhalten gedenkt, denn die Headliner geben als großes Finale ordentlich Gas! So auch Metallica als krönender Abschluss am Donnerstagabend – man ist es ja nicht anders von ihnen gewohnt. Zwar sorgte das Aufreihen des Fanclubs auf der Bühne für einige Verwirrung (und empörte Pfiffe), als James Hetfield aber kurz nach 21.00 Uhr die “Metallica-Family” begrüßte, war das alles schon wieder vergessen. Die Insel bebte bei Kracher-Nummern wie “No Remorse”, “Disposable Heroes”, “The Frayed Ends Of Sanity”, “Damage Inc.” oder dem neuen Song “Lords Of Summer” – für langsame Nummern war an dem Abend bei den Metal-Größen kein Platz, wer “Nothing Else Matters” hören wollte, wartete vergeblich.

Auch für minutenlange Soli war Zeit – was bei dem gut zweistündigen Gig dann doch ein wenig an den Kräften nagte nach mehreren Stunden Stehens. Dafür gab es dann als Grande Finale – und ja, alle hatten darauf gewartet – “Enter Sandman” zum letzten Headbanging des Abends. Dass die großen Metallica-Ballons aus den Netzen auf den Scheinwerfertürmen dabei nicht runterkamen sorgte zwar für etwas Missmut – aber wer kann schon grantig werden, wenn die vier Kultmusiker sich dankend vor der Menge verneigen und uns ihre große Lieben versichern: “Metallica loves you Vienna! We will come back!”

Fazit von Tag Eins: Bühnen-Konzept funktioiert, und der Vorteil des Standortes macht das Ganze wirklich um einiges entspannter als bei so manch anderem Festival, auch bei einer Anzahl von “nur” 30.000 Leuten gibt es nicht allzu viel Herumgeschiebe. Der Ablauf muss sich insgeamt allerdings noch verbessern, ebenso die Gastro-Preise – aber man sollte darüber nicht allzuviel keppeln, wenn man doch wegen der Acts gekommen ist. Und die haben auf jeden Fall gepasst.

Mehr Infos zum RiV 2015.

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen