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Zweites Prammer-Symposium mit "trauriger Aktualität"

Flüchtlinge "ziehen nicht in ein fröhliches Abenteuer"
Flüchtlinge "ziehen nicht in ein fröhliches Abenteuer"
"Frauen.Flucht.Solidarität" lautet der Titel des zweiten Barbara Prammer-Symposiums am Montag im Parlament. "Das Thema hat wirklich traurige Aktualität", erklärte dabei Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ). Frauenministerin und SPÖ-Frauenchefin Gabriele Heinisch-Hosek sprach sich eingangs unter anderem für kurze Aufenthaltszeiten in Erstaufnahmezentren aus.


Das Symposium zum Gedenken an die verstorbene Nationalratspräsidentin Prammer organisierten die SPÖ-Frauen, die rote Parlamentsfraktion und das Renner Institut zum zweiten Mal gemeinsam – es findet jährlich rund um den Geburtstag Prammers statt. Im Mittelpunkt stehen dabei gesellschafts- und frauenpolitisch wichtige Fragestellungen.

“Nicht nur die Welt rückt näher zusammen, auch der Terror rückt näher”, so Bures. Angesichts Tausender unschuldiger Menschen, die bereits von Terroristen getötet wurden, habe das Thema des Symposiums “wirklich traurige Aktualität”. Flüchtlinge “ziehen nicht in ein fröhliches Abenteuer”, gab Bures zu bedenken, sie flüchten viel eher vor systematischer Versklavung und für ihr Überleben. Laut Nationalratspräsidentin seien acht von zehn Flüchtlingen weltweit Frauen und Kinder. Sie mahnte weiters Solidarität, internationale Bemühungen – um Fluchtgründe zu vermindern -, eine Allianz gegen den IS-Terror sowie Entwicklungsarbeit ein.

Frauenministerin Heinisch-Hosek hob in ihrem Eingangsstatement die internationale Komponente der Veranstaltung hervor. Ziel sei es, Bewusstsein dafür zu schaffen, was Frauen auf der Flucht alles durchmachen müssen. Auch wenn sie dann in Österreich ankommen, dürfe man nicht glauben, “alles ist gut”. Die Ministerin forderte etwa konkret, dass die Aufenthaltsdauer in Erstaufnahmezentren so kurz wie möglich zu halten sei. Abgesehen davon sei dafür zu sorgen, dass es in den “Massenquartieren” sanitäre Einrichtungen für Frauen gibt. Auch die Erstbefragungen der Asylwerberinnen müssen “adäquat” sein. Frauen sollen das Ankommen “positiv erleben”, so Heinisch-Hosek. Die Ministerin betonte weiters, dass in den Deutschkursen für Flüchtlinge nicht nur Sprache unterrichtet wird. Frauen lernen darin auch, ihr Selbstbewusstsein zu schärfen und sich in einem fremden Land zu orientieren.

Klubobmann Andreas Schieder erklärte: “Der Westen hat viel zu lange weggeschaut und geglaubt, das würde ihn nichts angehen.” Dies sei leider immer erst dann der Fall, wenn die Flüchtlingsströme im Westen ankommen oder es Terroranschläge gibt, so der Klubchef. SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm bedauerte, dass ihr Bundesland Tirol mit der schwarz-grünen Landesregierung bei der Unterbringungsquote für Flüchtlinge säumig ist.

Die größte Herausforderung für Europa sah Keynote-Sprecherin Irene Khan, Generaldirektorin der International Development Law Organization (IDLO) in der Flüchtlingskrise. Wie Europa auf die Flüchtlingskrise reagiert, sei auch symptomatisch dafür, wie man mit Menschenrechten und Gleichstellung der Geschlechter umgeht, so Khan.

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