Zweiter Anlauf im Prozess gegen mutmaßliche georgische Paten in Wien

Im Wiener Straflandesgericht hat am Freitag der zweite Anlauf im Prozess gegen zwei mutmaßliche Paten der georgischen Mafia begonnen, denen Geldwäsche und die Bildung einer kriminellen Organisation vorgeworfen wird, die laut Anklage erheblichen Einfluss auf Politik und Wirtschaft nehmen wollte.
Pate noch im Gefängis per Telefon aktiv

Die Bande soll in Wien für 30 Prozent aller zwischen 2009 und Frühjahr 2010 begangenen Einbrüche verantwortlich gewesen sein. Nach einem Richterwechsel muss das im vergangenen März gestartete Verfahren zur Gänze neu verhandelt werden. Die Urteile sind für Ende Juni geplant.

Bei Zaali M. alias “Glechowitsch” (43) und Antipov G. (41) alias “Alphason” soll es sich um “Diebe im Gesetz” handeln, eine Funktion, die vom organisierten Verbrechen bereits in der frühen Sowjetzeit in den russischen Gefängnissen und Gulags ausgebildet wurde. Diese “Diebe im Gesetz”, die sogar formal gekrönt werden, führen nach einem eigenen Kodex mafiöse Verbrecher-Banden an, üben innerhalb dieser eine Art Rechtsprechung aus und dürfen keiner geregelten Beschäftigung nachgehen. Sie leben von einer gemeinschaftlichen Kassa (“Obshak”), die von den erbeuteten Einkünften ihrer “Soldaten” gespeist wird. 

Georgische Mafia in Wien

Im Frühjahr 2010 konnte im Zuge der federführend von den spanischen Behörden betriebenen “Operation Java” der europaweit operierenden georgischen Mafia ein erheblicher Schlag zugefügt werden. In sechs Staaten wurden 85 Verdächtige verhaftet, in Wien konnten nicht nur die beiden mutmaßlichen Paten des Österreich-Ablegers dingfest gemacht werden, sondern auch Rudiko G., der vor über 15 Jahren angeblich in ein geplantes Attentat auf einen der reichsten Georgier, den Neffen des georgischen Ex-Präsidenten Eduard Schewardnadse, involviert war und sich für die beiden Bosse zuletzt als Geldkurier und Organisator verdingt haben soll, und Merab B. Dieser soll in großem Stil Geld gewaschen haben, indem er die Beute aus Einbruchsdiebstählen bei internationalen Sportwetten-Anbietern vermehrte. Die beiden teilten nun mit den mutmaßlichen Paten die Anklagebank.

Wie der Staatsanwalt ausführte, sollen “Glechowitsch” und “Alphason”, der ersteren allmählich von der Spitze verdrängte, in Österreich mehrere Verbrecher-Brigaden befehligt haben. Eine war demnach in Oberösterreich tätig und auf Supermarkt-Einbrüche spezialisiert, wobei stets Tresore geknackt wurden. Es gab auch eine rein auf Ladendiebstähle beschränkte Bande. In Wien-Leopoldstadt wiederum war laut Anklage eine Wohnungseinbrecher-Gang beheimatet. Im Zuge einer Hausdurchsuchung konnten in einer “Bunkerwohnung” über 30 Kilogramm Modeschmuck sichergestellt werden. 

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

“Was anklagbar ist, ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs”, betonte Stani. Im Strafantrag fanden sich nämlich nur kleinere Transaktionen, die lediglich bei “Alphason” die 50.000 Euro-Grenze überstiegen. Von Auszahlungen aus der spanischen “Obschak” über Western Union-Überweisungen und ausländische Kreditkarten war da die Rede, von Angst, die der 41-Jährige unter seinen “Soldaten” verbreitet haben soll.

Die Angeklagten und ihre prominenten Verteidiger bestritten wie bisher sämtliche Vorwürfe. “Ich sehe keine strafbare Handlung”, kommentierte etwa Rechtsanwalt Farid Rifaat die Anklage. Es gebe “keinen Beweis, dass die bewegten Vermögenswerte aus strafbaren Handlungen stammen”.

(apa)

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