Zu Ehren von Vater und Sohn: Uni Wien feiert die Thirrings

Vor 89 Jahren beschrieben die zwei österreichischen Physiker Hans Thirring und Joseph Lense den so genannten „Thirring-Lense-Effekt“.

Sie sagten voraus, dass rotierende Körper wie etwa die Erde den Raum um sich verdrehen. Was den zwei Entdeckern zeitlebens verwehrt blieb, nämlich der Nachweis des berechneten Phänomens, wurde für Sohn Walter Thirring, selbst einer der renommiertesten österreichischen Physiker, quasi ein Geschenk zum 80. Geburtstag vor rund zwei Wochen. Am Dienstag und Mittwoch widmen sich nun zwei Veranstaltungen in Wien dem Thirring-Lense-Effekt bzw. dem Geburtstag Thirrings.

Der NASA gelang in Kooperation mit der Stanford University und dem Technologieunternehmen Lockheed Martin kürzlich der Nachweis des „Thirring-Lense-Effekts“. Im Rahmen des Weltraumprojekts „Gravity Probe B“ kreiste die vergangenen drei Jahre ein Satellit um die Erde, um Daten zu sammeln – mit Erfolg. Barry Muhlfelder von der Stanford University präsentiert morgen, Mittwoch, an der Universität Wien erstmals Ergebnisse über das teuerste NASA-Grundlagenprojekt aller Zeiten in Österreich. Es verschlang 700 Mio. Dollar (517 Mio. Euro) und beschäftigte 40 Jahre lang rund 400 Physiker.

1916 formulierte Albert Einstein in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie ein Phänomen, wonach die Schwerkraft nicht als Kraft, sondern als Krümmung des Raums zu verstehen sei. Jeder Körper hinterlässt im Raum eine „Delle“. Diese theoretisch beschriebenen Verschiebungen sind derart klein, dass sie sich lange Zeit – auch bei einem Körper wie unserer Erde – nicht messen ließen.

Hans Thirring knüpfte an Einsteins Erkenntnisse an und beschrieb zwei Jahre später gemeinsam mit Lense ein noch viel kleineres Phänomen, den Thirring-Lense-Effekt: Ein rotierender Körper – beispielsweise ein Planet – verursacht im Raum nicht nur eine „Delle“, sondern schleift den Raum an seinen Rändern regelrecht mit. Genau dieses Phänomen wies die NASA nun empirisch nach und stellte die Ergebnisse im April erstmals auf der Tagung der American Physical Society (APS) der Öffentlichkeit vor. Morgen, Mittwoch, werden die Ergebnisse an der Uni Wien präsentiert, zur Einleitung spricht Walter Thirring selbst.

Walter Thirring trat in die Fußstapfen seines Vaters und ist der Universität Wien bis heute als Emeritus für Theoretische Physik verbunden. Anlässlich seines 80. Geburtstages veranstalten das internationale Erwin Schrödinger-Institut für Mathematische Physik sowie die Fakultät für Physik der Universität Wien heute, Dienstag, ein Symposium: Vortragende sind u.a. der Physiker Wolfgang Rindler von der University of Texas, der theoretische Physiker und Hans Thirring-Schüler Julius Wess sowie Elliott Lieb von der Princeton University, dem zusammen mit Walter Thirring der Beweis der „Stabilität der Materie“ gelang.

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