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Zeugenaussagen gegen Milosevic

Kosovo-Albaner wollen im Kriegsverbrecher-prozess gegen den jugoslawischen Expräsidenten Slobodan Milosevic in Den Haag für die Toten sprechen.

Milazim Hetemi sollte eigentlich tot sein. Doch er hat das Massaker jugoslawischer Truppen im Kosovo-Dorf Izbica vor drei Jahren überlebt. Und er glaubt fest daran, dass das Schicksal ihn verschont hat, damit er Zeugnis ablegen kann. Hetemi und andere Kosovo-Albaner sind vereint in ihrem Schmerz und ihrer Mission: Sie wollen im Kriegsverbrecherprozess gegen den jugoslawischen Expräsidenten Slobodan Milosevic in Den Haag für die Toten sprechen.

Als die serbischen Polizisten im März 1999 in das Dorf einmarschierten, trieben sie die albanischen Männer an einem Hang zusammen und eröffneten das Feuer. Hetemi überlebte nur deshalb, weil er im Kugelhagel unter den Leichen seiner Verwandten begraben wurde. „Ich rechnete mit dem Tod, aber Gott wollte, dass ich überlebe und für diese Leute aussagen kann“, sagt der 56-Jährige, während er Disteln und Gras vom Grab eines der 147 Opfer des Massakers rupft. „Ich will erzählen, was seine Truppen uns angetan haben. Wir waren Zivilisten, in unseren Häusern, unseren Dörfern. Wenn er für jeden Grabstein ein Jahr Haft erhielte, wäre das nicht genug.“

Milosevic werden vom Tribunal in Den Haag Völkermord, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Bosnien, Kroatien und im Kosovo vorgeworfen. Allein im Zusammenhang mit den Vorwürfen zum Kosovo plant die Staatsanwaltschaft die Vernehmung von fast 100 Zeugen. Bei vielen von ihnen soll es sich um Opfer der Milosevic zur Last gelegten Verbrechen handeln. Nach Erkenntnissen der Anklage hatte Milosevic letztlich die Kommandoverantwortlichkeit für den Tod von mindestens 900 Kosovo-Albanern und die Vertreibung von 800.000 Zivilpersonen in den Jahren 1998 und 1999.

Das Dorf Izbica zählte vor dem Krieg 500 Einwohner. Am 28. März 1999 flüchteten Hetemi und seine Familie mit mehr als 5.000 weiteren Einwohnern der umliegenden Dörfer vor dem Feuer schwerer serbischer Artillerie auf eine Weide. Am folgenden Tag hätten serbische Polizisten die Menschen umzingelt und ihnen Geld, Papiere und andere Wertsachen abgenommen, berichtet der Überlebende. Hetemi und die anderen Männer seien in zwei Gruppen geteilt, ihre Frauen und Töchter weggeführt worden.

Die Polizei habe Hetemis Gruppe dann zu einem Hügel getrieben, die andere Gruppe wurde zu einem Bach gebracht. “’Wir bringen euch in eine nahe Ortschaft’, haben sie zu uns gesagt. Aber wir haben uns flüsternd verständigt und wussten alle, dass sie uns umbringen würden“, sagt Hetemi. Ein Polizist habe den Männern befohlen, sich hinzuknien. Noch bevor ihre Knie den Boden berührten, hätten schon die ersten Schüsse gehallt. Unter den Leichen seiner Angehörigen begraben, habe er sich eine Stunde lang tot gestellt, bis die Polizisten abgezogen waren. Als er endlich aufstand, fand er den Hügel mit Leichen übersät vor, einige von ihnen verstümmelt, weil Panzer über sie hinweggerollt waren.

Tage später kehrte Hetemi mit anderen Männern nach Izbica zurück, um die Toten zu identifizieren und zu begraben. Sie nahmen die Szenerie auf Video auf und lieferten so den UN-Ermittlern wichtige Beweise für das Massaker. Wenig später waren auf Satellitenfotos der NATO Reihen frisch geöffneter Gräber in Izbica zu sehen. Dorfbewohner sagen, die Polizei sei zurückgekommen, um die Leichen auszugraben und fortzuschaffen, um das Verbrechen zu vertuschen. Einige vermuten, die sterblichen Überreste seien im Ofen einer Bleifabrik nördlich des Kosovos verbrannt worden.

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