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"Zero Project"-Konferenz in Wien: Gehörlose kämpfen im Alltag wegen fehlender Barrierefreiheit

Liisa Kaupinen erläuterte bei der "Zero Project"-Konferenz in Wien alltägliche Probleme für Gehörlose wegen fehlender Barrierefreiheit.
Liisa Kaupinen erläuterte bei der "Zero Project"-Konferenz in Wien alltägliche Probleme für Gehörlose wegen fehlender Barrierefreiheit. ©Pixabay.com (Sujet)
Beispiel Servicestelle: Sind diese nur per Telefon zu erreichen, fehlt hier die Barrierefreiheit und Gehörlose sind auf die Hilfe Anderer angewiesen. "Ich brauche immer jemand anderen, der mir hilft", schilderte Liisa Kauppinen, 1995 zur ersten Präsidentin des Weltverbandes der Gehörlosen gewählt, ein ganz banales Alltagsproblem. Kauppinen ist wegen der Konferenz "Zero Project" der Essl Foundation in Wien.

Das Treffen dauert bis Freitag und hat zu Ziel, solche Barrieren in der Welt abzubauen. Abschluss der Tagung wird die Verleihung der "Her Abilities Awards" an die drei Preisträgerinnen Kauppinen, Nguyen Thi Van und Maysoon Zayid sein. Kauppinen und Nguyen Thi Van standen der APA am Dienstag Rede und Antwort. Dabei wurde vor allem deutlich, dass es noch lange dauern wird, bis die Barrieren beseitigt sind, nicht nur anhand des Telefonbeispiels.

Zahlreiche Barrieren und Vorurteile für Gehörlose

Nguyen Thi Van, eine nahe der laotischen Grenze in Zentralvietnam aufgewachsene Rollstuhlfahrerin, die heute in Hanoi lebt, schilderte vor allem Transportprobleme und die Barrieren in den Köpfen der Menschen: "Es ist sehr schwer, in die Schule oder zu Gesundheitseinrichtungen zu kommen." Chauffeure könnten solche Transporte einfach ablehnen. Eingangstüren seien sehr schmal. Abgesehen davon würden die Menschen es als Unglück betrachten, Familienangehörige mit Behinderungen zu haben. Nguyen Thi Van: "Und Menschen mit Behinderungen sind viel mit häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch konfrontiert."

Auch wenn das verwunderlich in einem Land erscheint, dessen Geschichte von Kriegen geprägt ist und nicht zuletzt deshalb viele Menschen mit Behinderungen aufweist - der Vietnamkrieg wurde erst 1976 beendet, es folgten der Einmarsch in Kambodscha und ein bewaffneter Konflikt mit der Volksrepublik China. "Ich war in Vietnam: Ich glaube, die Tradition und der Glaube an das Karma sind sehr stark und spielen eine große Rolle (beim Umgang mit Behinderten, Anm.)", sagte Kauppinen.

Nicht zuletzt sei das Leben in ihrem Heimatland auch deshalb schwierig, weil die finanzielle Unterstützung fehle. Ein persönlicher Assistent, wie sie ihn benötige, könnte sich Nguyen Thi Van mit der staatlichen Förderung nicht leisten. Die Unternehmerin hat aber andere Wege gefunden: Sie leitet das Unternehmen "Imagtor", das Immobilienagenturen weltweit bei ihren Marketingauftritten unterstützt und zum Beispiel deren Online-Auftritte wettbewerbsfähig macht, indem Fotos bearbeitet oder Grundrisse von Liegenschaften grafisch aufbereitet werden.

Forderung im Bereich Bildung

Eine ständige Forderung ist inklusive Bildung. Obwohl sie in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben ist, ist diese Forderung oft schwer durchzusetzen, etwa auch in Österreich. "Ich denke, einer der Gründe, warum sie (Regierungen, Anm.) inklusive Bildung ablehnen, ist ein Mangel an Kompetenz", sagte Kauppinen. Ein anderer sei Mangel an Wissen bei den Regierungen.

Für Nguyen Thi Van gilt es auch, Barrieren in den Schulen selbst abzubauen: "Ich glaube, wir können mit 'normalen' Kindern gemeinsam lernen", sagte sie. Aber man müsse Schranken abbauen: "Ich studierte mit Kindern ohne Behinderungen. Sie machten mir Angst und ich machte ihnen Angst."

Allerdings seien auch einige Detailfragen zu klären: zum Beispiel wie mit Dolmetschern für Zeichensprache in Klassenzimmern mit Gehörlosen umzugehen ist. "Technologie könnte helfen", meinte Nguyen Thi Van.

Auszeichnungen für Kaupinen und Nguyen Thi Van

Die "Her Abilities Awards" 2019 zu bekommen - Kauppinen erhält den in der Kategorie "Rechte", Nguyen Thi Van den in der Sparte "Gesundheit und Bildung" - sei eine große Ehre, sagten beide. Und eine Chance: So viele Menschen zu treffen, "das ist gutes Netzwerken", sagte Nguyen Thi Van. "Ich war zuerst überrascht, wie weit verbreitet 'Licht für die Welt' arbeitet. Es ist großartig", ergänzte Kauppinen. "Licht für die Welt", die Fachorganisation für Menschen mit Behinderungen, hat den Award 2018 mit Alternativnobelpreisträgerin Yetnebersh Nigussie ins Leben gerufen.

Nguyen Thi Van ist auch in Österreich, um hier die Werbetrommel für ihre Firma zu rühren. "Imagtor" habe Kunden in der ganzen Welt, "nur in Österreich noch nicht", sagte sie. Mehr Kunden helfen schließlich auch der Unternehmerin bei ihren Sozialprojekten. Sie ist unter anderem Mitbegründerin der gemeinnützigen Organisation "NghiLucSong" (Lebenswille, Anm.), die benachteiligten Studierenden kostenlose IT-, Englisch- und Berufsausbildungen bietet.

(APA/Red.)

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