Zehnjährige gefoltert - "Habe sie geliebt!"

Die Angeklagte Mutter Suzana J. mit ihrenm Anwalt Richard Soyer. &copy APA
Die Angeklagte Mutter Suzana J. mit ihrenm Anwalt Richard Soyer. &copy APA
Prozess gegen die Eltern der gefolterten Jacqueline: Angeklagte behauptet, Jacqueline ein einziges Mal geschlagen zu haben - Vater sei der Schuldige - Verhandlung wird am Montag fortgesetzt.

Am Dienstag wurde im Wiener Landesgericht der Prozess gegen Sasa J. (28) und seine Ehefrau Suzana (27) eröffnet, die in ihrer Wohnung in Wien-Floridsdorf seine Tochter Jacqueline auf grausame Weise gefoltert hatten.

Mit brennenden Kerzen und heißen Löffeln malträtiert

Die damals Zehnjährige wurde unter anderem nackt am Rücken liegend an den Lattenrost ihres Bettes gefesselt. Ihre Stiefmutter malträtierte sie laut Anklage mit einer brennenden Kerze und einem erhitzten Löffel im Genitalbereich. „Wie ich reingekommen bin ins Zimmer, lag sie schon da und war verbrannt“, erzählte Sasa J. dem Schwurgericht (Vorsitz: Johannes Jilke).

“Traumatisiert und verängstigt”

„Sie war ein liebes, ganz normales Kind, das jetzt zutiefst traumatisiert und verängstigt ist“, stellte die Anwältin Eva Plaz fest, die in dem Strafverfahren Jacquelines Interessen vertritt. Um der inzwischen Zwölfjährigen, die sich nun in der Obhut ihrer leiblichen Mutter befindet, weitere seelische Qualen zu ersparen, muss sie in dem Prozess nicht mehr aussagen.

Das Video mit Jacquelines kontradiktorischer Einvernahme vor dem U-Richter wird beim nächsten Verhandlungstermin am kommenden Montag vorgeführt. Auf dem einstündigen Band ist zu sehen, wie das Mädchen vor allem die Stiefmutter massiv belastet. Das Verfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs, Kindesmisshandlung und absichtlicher schwerer Körperverletzung ist auf drei Tage anberaumt. Im Falle von Schuldsprüchen drohen den Angeklagten jeweils bis zu 15 Jahre Haft.

Begonnen hatten die Übergriffe, als Sasa J., der aus zwei Ehen insgesamt fünf Kinder hat, Jacqueline wieder zurück nach Wien holte. Ihre Großeltern hatten sie zu sich nach Serbien genommen, nachdem ihr die Stiefmutter einen Zahn ausgeschlagen hatte.

“Strafe für Selbstbefriedigung”

„Ich wollte, dass es ihr hier besser geht“, erklärte der 28-Jährige. Er habe außerdem geglaubt, Jacqueline werde in Serbien misshandelt. In Wahrheit kam es jedoch erst in Wien zu dem Martyrium – angeblich deshalb, weil sich die Zehnjährige nach Darstellung des Vaters ständig selbst befriedigt habe.

„Das ist bei uns ein Tabu in unserem Kulturkreis. Wenn die Mädchen verheiratet werden, müssen sie Jungfrau sein“, meinte der Vater. Deswegen habe seine Frau begonnen, auf seine Tochter einzuschlagen. Er habe das “übernommen“: „Ich habe das bei meinem Vater gesehen. Das war ganz normal.“

Was dann weiter geschah, „kommt in meinem Fall in beruflicher Hinsicht zum Glück nicht häufig vor“, so Staatsanwalt Christian Temsch: Weil Jacqueline angeblich nicht mit dem Selbstbefriedigen aufhörte, „hat die Frau gemeint, dass wir sie fesseln sollen. Das habe ich gemacht“, meinte Sasa J.

“Ich wollte ihr nicht weh tun”

Mitunter wurde die Zehnjährige die ganze Nacht an ihr Bett gefesselt. Dass sie weinte, um Hilfe schrie, sich anmachte, kümmerte die Eltern nicht. Er habe ihr die Handgelenke „leicht“ verschnürt, betonte der Vater: „Ich wollte ihr nicht weh tun.“

Seine Frau habe die Züchtigungen immer mehr gesteigert, er habe sich nicht einzugreifen getraut, um nicht die Familie zu zerstören:
„Ich war in einer verzwickten Situation. Ich habe nicht gewusst, wie ich reagieren soll.“

Suzana J. drückte dem Mädchen laut Anklage unter anderem ein glühendes Bügeleisen gegen den Oberkörper. Der Vater behandelte die Verletzungen nicht: „Ich habe mich geschämt, dass ich das anschaue, deswegen habe ich die Wunden nicht versorgt.“

Nachdem die Stiefmutter dem Kind einen tiefen Schnitt am Unterarm zugefügt hatte, kam Jacqueline Ende November 2003 endlich ins Spital. Dort wurden Schädelverletzungen und Serienrippenbrüche festgestellt. Neun Prozent des Körpers waren verbrannt.

“Ich habe sie geliebt”

„Ich habe sie geliebt! Sie war eigentlich ein braves Mädchen und hat auf mich gehört“, meinte Suzana J. in ihrer Einvernahme. Die Stiefmutter erklärte, Jacqueline ein einziges Mal geschlagen zu haben – zur Strafe, weil diese ihre jüngeren Geschwister mit Strumpfhosen und Tischtüchern gefesselt hätte, wie die 27-jährige Frau behauptete.

Das Mädchen ans Bett zu fesseln, sei die Idee ihres Mannes gewesen, sagte sie. Dieser und nicht sie habe das Kind auch mit brennenden Zigaretten, Kerzen und einem Bügeleisen gequält. Auf Vorhalt eines großformatigen Fotos mit dem großflächig verbrannten Genitalbereich des Mädchens blieb Suzana J. dabei: „Ich weiß nicht, woher das kommt.“

Gegenüber dem psychiatrischen Sachverständigen hatte sie noch behauptet, das Kind habe sich diese Verletzungen möglicherweise selbst zugefügt.

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