Zehn Tote bei Polizei-Einsatz in Tunesien

Parolen wie "Haut ab" oder "Mörder" skandiert
Parolen wie "Haut ab" oder "Mörder" skandiert
Bei einem Einsatz der tunesischen Sicherheitskräfte sind am Mittwoch mindestens acht Polizisten und zwei radikale Islamisten getötet worden. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen und dem Staatsfernsehen in der Region Sidi Bouzid, die als Geburtsstätte des Arabischen Frühlings gilt. In der Hauptstadt Tunis forderten zudem Tausende Menschen den Rückzug der Regierung.


Die Zusammenstöße überschatteten den geplanten Beginn der politischen Krisengespräche, die binnen drei Wochen zur Bildung einer neuen Übergangsregierung aus parteilosen Experten führen sollen. In Tunis wurde unterdessen erwartet, dass Ministerpräsident Ali Larayedh unverzüglich den Rücktritt unter Führung der gemäßigten Islamisten seiner Regierung ankündigen könnte. Die Regierungspartei Ennahda hat sich zum Rücktritt bereiterklärt. Bis zu Neuwahlen soll eine Allparteienkoalition das Land führen.

Die Kämpfe ereigneten sich rings um ein Haus der Ortschaft Sidi Sidi Ali Ben Aoun, wo sich die bewaffneten Milizen verschanzt hielten, wie das Staatsfernsehen unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete. Seit Monaten verfolgen die Sicherheitskräfte islamistische Gruppierungen im Lande. Diese hatten sich seit Beginn des sogenannten Arabischen Frühlings breit gemacht, bei dem Tunesien an der Spitze stand und der im Jänner 2011 zum Sturz des langjährigen Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali führte.

Am Mittwoch sollte der “Nationale Dialog” zwischen den regierenden Islamisten und der Opposition beginnen, um den politischen Stillstand zu überwinden, der das nordafrikanische Land seit Ende Juli lähmt. Damals hatte die Ermordung des Oppositionspolitikers Mohammed Brahmi ein politisches Chaos in Tunesien ausgelöst. Angelastet wurde die Tat islamischen Fundamentalisten.

Larayedh wollte nach Angaben aus seinem Umfeld eigentlich schon um 15.30 Uhr (MESZ) eine öffentliche Erklärung abgeben, äußerte sich bis zum frühen Abend aber zunächst nicht.

Unterdessen forderten Demonstranten in der Hauptstadt erneut den geschlossenen Rückzug der islamistischen Regierung. Nach Angaben aus dem Innenministerium nahmen rund zehntausend Menschen an den Protesten teil, die von gepanzerten Polizeifahrzeugen und zahlreichen Sicherheitskräften flankiert wurden.

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