Zehn Jahre nach dem Costa-Concordia-Drama

2012 verunglückte die Costa Concordia vor der Insel Giglio.
2012 verunglückte die Costa Concordia vor der Insel Giglio. ©AP Photo/Gregorio Borgia, File
Zehn Jahre ist es her, seit das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia mit mehr als 4.200 Menschen an Bord vor der kleinen Insel Giglio verunglückte.

Das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia ist 2012 mit mehr als 4.200 Menschen an Bord vor der kleinen Insel Giglio verunglückt. Die Tragödie forderte 32 Menschenleben. Es folgte ein langes Strafverfahren gegen den Kapitän des Kreuzfahrtschiffs, Francesco Schettino. Zehn Jahre ist das Unglück nun her. Doch für die rund 2.000 Bewohner der Insel Giglio im toskanischen Archipel ist die Erinnerung an die Unglücksnacht nach wie vor gegenwärtig. Kommenden Donnerstag, dem Jahrestag des Schiffsunglücks, ist eine Messe im Andenken an die Opfer geplant. An Bord befanden sich auch 77 Menschen aus Österreich, darunter der damalige Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden. Alle überlebten das Unglück.

Trauerfeier zehn Jahre nach dem Costa-Concordia-Drama

13. Jänner 2012: Das Drama beginnt um 21.45 Uhr. Ein lauter Knall erschüttert die Costa Concordia auf der Fahrt vom Hafen Civitavecchia ins ligurische Savona. Der Kreuzfahrtriese mit seinen 290 Metern Länge und 4.229 Menschen an Bord rammt einen Felsen vor der Insel Giglio. Der Ruck schüttelt die Passagiere durch, die zum Großteil gerade beim Dinner im Speisesaal sitzen. Das Licht geht aus, die Costa Concordia neigt sich schnell zur Seite. Panik und Chaos bricht aus, als der Luxusliner um 80 Grad nach Steuerbord kippt. Doch über die Lautsprecher tönt die Nachricht, es handle sich lediglich um Probleme mit der Stromversorgung. Erst nach einer Stunde heulen die Schiffssirenen zur Evakuierung. Wegen der starken Schieflage können Rettungsboote nur mühsam ins Meer gelassen werden.

Boote der Küstenwache eilen Schiffbrüchigen zur Hilfe

In der Dunkelheit herrscht entsetzliches Durcheinander, einige Menschen springen ins eiskalte Wasser. In jenem Teil des Schiffes, der unter Wasser liegt, bleiben mehrere Passagiere eingeschlossen. Gegen 1.00 Uhr sind noch einige hundert Menschen an Bord. Fünf Boote der Küstenwache eilen zu Hilfe. Rettungskräfte ziehen zahllose Schiffbrüchige aus dem Meer und bringen sie auf die Insel Giglio. Die Einwohner öffnen Schulen, Kindergärten, Kirchen und Privathäuser und versorgen die Menschen mit Decken, Mänteln und heißen Getränken.

Zu Ehren der Toten ist kommende Woche eine Gedenkmesse geplant

Eine Messe zu Ehren der Toten ist am Donnerstag der kommenden Woche in der Kirche geplant, in der unzählige Schiffbrüchige in der Unglücksnacht Zuflucht gefunden hatten. Um 21.45 Uhr, dem Zeitpunkt an dem die Concordia den Felsen rammte, sollen auf der ganzen Insel die Sirenen heulen, gefolgt von einer Schweigeminute. Franco Gabrielli, der als Zivilschutzchef die Rettungsaktion der Costa Concordia koordinierte, wird erwartet. Er wird mehrere Überlebende und Einwohner treffen.

An der Gedenkmesse wird auch Sergio Ortelli, Bürgermeister der Insel, teilnehmen. Er hatte dieses Amt schon in der Unglücksnacht inne: "Es war fürchterlich, viele Überlebende waren verzweifelt, weil sie im Chaos ihre Angehörigen verloren hatten. Die Panik war enorm. So etwas kann man nie wieder vergessen. Für die Insel Giglio ist die Concordia-Tragödie eine Wunde, die nie heilen wird", erzählte der 66-Jährige.

Nach dem Unglück gab es heftige Kritik an Kapitän Schettino

Nach dem Unglück gab es heftige Kritik an der Betreibergesellschaft Costa Crociere und an Kapitän Francesco Schettino. Das Schiff sei viel zu spät evakuiert worden, der Kapitän zu früh von Bord gegangen. Er habe Hunderte von Passagieren im Stich gelassen, hieß es. Der Kapitän wurde 2017 letztinstanzlich zu 16 Jahren Haft verurteilt worden und sitzt im römischen Gefängnis Rebibbia seine Strafe ab.

Wrack des Luxusliners wurde 2014 geborgen

Das Wrack des Luxusliners wurde im Juli 2014 im Rahmen einer spektakulären Abschleppaktion in die Hafenstadt Genua überstellt. Der in Mitleidenschaft gezogene Meeresboden vor Giglio wurde wiederhergestellt. Dafür musste die Costa-Concordia-Betreiberin 85 Millionen Euro ausgeben. Heute ist die Insel Giglio ein Urlaubsparadies wie vor der Katastrophe. Die Hotels sind in der schönen Jahreszeit ausgebucht, Touristen strömen zu den Stränden und genießen die Natur. Doch bei aller Heiterkeit ist die Erinnerung an die Unglücksnacht nicht auszulöschen.

Die zeitliche Abfolge von Unglück und gerichtlicher Aufarbeitung

13. Jänner 2012: Die Costa Concordia rammt einen Felsen und kentert. Die Evakuierung des Kreuzfahrtriesen verläuft nach Angaben von Passagieren chaotisch. 32 Menschen sterben. Alle 77 Österreicherinnen und Österreicher an Bord - unter ihnen der damalige Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden - überleben das Unglück.

10. April 2013: Die Reederei Costa Crociere als Eignerin der Costa Concordia einigt sich mit der italienischen Justiz auf einen Vergleich: Gegen die Zahlung von einer Million Euro Strafe werden die Ermittlungen gegen das Unternehmen eingestellt.

9. Juli 2013: In Grosseto beginnt der Prozess gegen Kapitän Francesco Schettino. Ihm werden unter anderem fahrlässige Tötung und Körperverletzung sowie das Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen.

20. Juli 2013: Vier Mitglieder der Crew und ein Manager der Reederei erhalten ohne Prozess gegen Schuldeingeständnisse Haftstrafen von bis zu knapp drei Jahren.

26. Jänner 2015: Die Anklage fordert 26 Jahre und drei Monate Haft für Schettino.

12. Februar 2015: Schettino wird in erster Instanz zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Dagegen reichen sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung Berufung ein.

28. April 2016: In Florenz beginnt der Berufungsprozess.

31. Mai 2016: Schettino wird in zweiter Instanz zu 16 Jahren Haft verurteilt.

11. Oktober 2016: Schettinos Anwälte reichen beim Obersten Gericht Einspruch gegen die zweitinstanzliche Verurteilung ein.

20. April 2015: In Rom beginnt das Verfahren am Obersten Gericht.

12. Mai 2017: Das Oberste Gericht bekräftigt das letztinstanzliche Urteil. Schettino sitzt seitdem seine Strafe in der römischen Hochsicherheitsanstalt Rebibbia ab. 2018 reicht Schettino beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde gegen seine Haft ein. Der EGMR wird sich womöglich heuer mit dem Fall befassen.

(APA/Red)

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