Zauberer Marc Haller im Interview: "Das Wichtigste ist nicht der Trick"

Marc Haller als "Erwin aus der Schweiz".
Marc Haller als "Erwin aus der Schweiz". ©HumorAG
"Das Wichtigste ist das Schauspiel, nicht der Trick", behauptet Zauberkünstler, Kabarettist und Schauspieler Marc Haller. Als "Erwin aus der Schweiz" berichtet er auf der Bühne über das Leben als Einwanderer in Österreich - mit "garantierter Zwerchfellüberlastung" für sein Publikum, wie er verspricht.

Als Kind waren es zunächst die Clowns, dann die Zauberer, die es Marc Haller angetan hatten. “Ich war fasziniert, dass es einen Beruf gibt, bei dem man den Leuten so viel Freude machen kann”, verriet der Schweizer im Interview mit VIENNA.at. Im Alter von 14 Jahren besuchte er schon die Zauberschule in Zürich, später arbeitete er in einem Zauberladen. Mit 17 machte er einen Kurs an der Scuola Teatro Dimitri, mit 19 besuchte er die Strasberg-Schule in New York, anschließend studierte er vier Jahre Schauspiel am Wiener Konservatorium. Dort wurde ihm klar, dass er kein klassischer Schauspieler, sondern vielmehr an der Zauberkunst interessiert ist. Das sorgte für Schwierigkeiten, fast wäre er hinausgeflogen.

Ein Zauberer verrät seine Tricks nicht

Es ist ein unausgesprochenes Gesetz, dass Zauberkünstler ihre Tricks nicht verraten dürfen. Marc Haller findet aber auch, dass die Tricks gar nicht das wichtigste Element seiner Show seien. Er mag es überhaupt nicht, wenn man ihn fragt, wie es denn möglich sei, einen langen Luftballon zu verschlucken [siehe Video] – und diese Frage wird sehr oft gestellt.

Tricktechnisch arbeitet der Wahl-Wiener derzeit daran, seine Figur Erwin auf der Bühne “zweizuteilen” – ohne Kiste.

Marc Haller will “Momente teilen”

Ihm gehe es nicht darum, einen Trick nach dem anderen zu zeigen, sondern “einen Moment mit seinem Publikum” zu teilen, betont er. Und auf die Bezeichnung Zauberer oder Zauberkünstler möchte er sich auch nicht reduzieren lassen: “Ich bin kein klassischer Zauberer, Kabarettist oder Schauspieler – ich nehme mir von allem was und mache mein eigenes Ding.” Er habe seine Nische gefunden, ist er sich sicher. Er übe alle Berufe, die es im Theater gibt, alleine aus: Für seine Show ist er Bühnenbauer, Regisseur, Drehbuchautor, Maskenbildner, Requisiteur und Schauspieler. “Das sind alles Sachen, die man auf der Schauspielschule nicht gelernt hat. Er hat aber damals schon gewusst, dass er sich sehr breit aufstellen muss und sich entsprechende Fähigkeiten angeeignet.

Trotz aller Selbstsicherheit ist Haller selbstkritisch geblieben, bzw. ist meist sogar zu selbstkritisch, wie er sich eingesteht. Das Schwerste auf der Bühne sei, die Energie aufrecht zu erhalten, die Leute 80 Minuten am Ball zu halten. Jedes Publikum sei anders – “in der ersten Minute merkt man sofort, wie das Publikum ist” und müsse entsprechend reagieren.

Erwin aus der Schweiz – Ein Einwanderer in Wien

“Erwin aus der Schweiz” heißt die Bühnenfigur, mit der der Künstler bekannt geworden ist. Insbesondere in Österreich ist Erwin kein Unbekannter, denn mit dieser Figur hat es Marc Haller bei der “Großen Comedy Chance” ins Finale geschafft. Die Casting Show sei für ihn eine gute Möglichkeit gewesen, ins Fernsehen zu kommen und habe ihm zu einem guten Start verholfen. Durch die Comedy-Chance hat Haller zudem zwei große Unterstützer gefunden, die er mittlerweile auch zu seinen Freunden zählt: Ulrike Beimpold und Josef Hader. Letzterer hat “Erwin” mit auf Tour genommen, Marc Haller tritt derzeit im Vorprogramm von Josef Hader auf.

Erwin basiere auf Hallers eigenen Schwächen, sein Schweizer Akzent und seine angespannte Körperhaltung fallen sofort auf. Über Erwins “Geschichte” berichtet Haller Folgendes: Erwin ist “in ein völlig fremdes Land” (Österreich) ausgewandert und mit dem Leben dort “total überfordert”. Zentrale Themen in Erwins Leben sind Vergänglichkeit und Glück – das Programm sei “sehr poetisch, nicht nur hahaha”, so Haller. Auf seiner Homepage wirbt er trotzdem mit einer “garantierten Zwerchfellüberbelastung”. In Zukunft möchte er neben Erwin aber auch weitere Figuren in seine Programme einbauen, schließlich sei er “business-orientiert”: “Ich bin auch Unternehmer: Was könnte den Kunden interessieren?” Schließlich möchte er von seiner Kunst leben – und kann es auch. (SVA)

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