Zahl der Wiener Gründerzeitzinshäuser sinkt jährlich

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Mit dem jüngsten Zusammenbruch des Gründerzeithauses in der Kendlerstraße ist ein weiterer Bau dieser Epoche aus dem Wiener Stadtbild verschwunden. Doch auch abseits baustellenbedingter Einstürze wird das klassische Wiener Gründerzeitzinshaus sukzessive ein rares Gut.

Mit rund 15.500 Gebäuden fallen nur mehr rund zehn Prozent des Wiener Gesamtbestandes in diese Kategorie – und gut ein Prozent davon verschwindet jedes Jahr durch Abbruch oder Aufteilung in Wohnungseigentum.

Gründerzeit-Paradiese: Neubau, Josefstadt, Alsergrund

An der Spitze der Bezirksrangliste stehen Neubau, Josefstadt und Alsergrund, die mit knapp 40 Prozent der Gebäude in dieser Kategorie den größten Bestand aufweisen. Eine generelle Aussage über den Zustand der Bauten dieser Epoche lasse sich dabei nicht treffen, betonte Gerhard Cech, Leiter der Wiener Baupolizei. Klar sei, dass viele der Gründerzeithäuser relativ rasch und nicht unbedingt mit den besten Materialen gebaut wurden, weshalb das Engagement der Besitzer laufend gefordert sei. Dann könne man etwaige Probleme mit der Bausubstanz jedoch abfangen: “Wenn ein Gründerzeithaus gepflegt wird, gibt es keine Probleme.” So etwas wie eine natürlich Altersgrenze gebe es für die Bauten jedenfalls nicht.

Teure City, günstiges Favoriten

In Zeiten der Wirtschaftsturbulenzen entdecken deshalb auch zunehmend Investoren diese stabile Variante, ihr Geld anzulegen. Während bei den Zinshaustransaktionen 2008 knapp 500 Mio. Euro umgesetzt wurden, waren es im Vorjahr bereits 925 Mio. Euro. Am höchsten liegen die Preise dabei in der City, wo bis zu 5.000 Euro pro Quadratmeter zu bezahlen sind, wie aus dem Zinshaus-Marktbericht von Otto Immobilien hervorgeht. Am billigsten sind die Bauten in den Bezirken Favoriten und Simmering.

Gründerzeit: 450.000 Wohnungen errichtet

Gänzlich neu ist das Interesse von Investoren an den Bauten jedoch nicht – war doch deren Entstehen primär privaten Geldgebern zu verdanken. Diese nutzten die Möglichkeiten, die fehlenden Mieterschutzbestimmungen und eine virulente Bevölkerungsexplosion der Metropole von einer halben auf rund zwei Millionen ihnen boten. So wurden in der Zeit von 1856 bis 1917 gut 450.000 Wohnungen errichtet.

Ab der Hochgründerzeit wurden die Bauten im wesentlichen als Doppeltrakter ausgeführt. Diese besaßen eine H-Form mit einem Gebäudeteil an der Straße und einem parallel verlaufenden zweiten im Hof, verbunden durch ein Stiegenhaus. Die bis dahin charakteristische Gestaltung in U- oder L-Form wurde fallengelassen. Seriell gefertigte Fassadenornamente in Ringstraßenmanier kaschierten dabei oftmals dürftige Einzimmerwohnungen mit Gangtoilette.

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