Wüstenbilder der Aborigines in der Albertina

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Die Wüste lebt. Zumindest in der Albertina, wo ab Donnerstag Abend 35 zum Teil großformatige Bilder unter dem Titel "Desert Dreaming. Australian Aboriginal Art" gezeigt werden.

Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder nannte die Schau bei der heutigen Pressekonferenz selbst „ungewöhnlich“, da sie „nichts mit der Sammlung der Albertina zu tun“ habe. Vielmehr präsentiert das Haus die Sammlung des amerikanischen Mäzens Donald Kahn, der im Vorjahr gemeinsam mit seiner Frau Jeanne die nach ihm benannten „Kahn Galleries“ in der Albertina gestiftet hat. Die bis 29. August laufende Ausstellung wird Kahn zu Ehren ausgerichtet.

Eine Verbindung zur laufenden Schau „Expressiv! Die Künstler der Brücke“ fand Schröder dennoch. Gerade die Kunst des 20. Jahrhunderts sei in Europa von der „Kunst des Verlernens“ geprägt worden, die Künstler hätten „Krücken“ wie Folklore, Kinderzeichnungen oder ozeanische und afrikanische Skulpturen gebraucht, um zu einem neuen Stil zu finden. Ähnliches gelte auch für die Kunst der Aborigines. Während am Anfang die Tribal Art gestanden sei, habe sich das Kunstverständnis in Australien ab 1920 verändert, die Zeit um 1988/89 gilt heute als „klassische“ Epoche der Aboriginal-Art.

Die gezeigten Arbeiten spiegeln stark die regionalen geografischen Umstände wider, in denen Künstler wie Lady Nungarrayi Robertson oder Darby Jampijnpa Ross leben. Zu sehen sind in Erdtönen gehaltene Acrylbilder, die die Welt größtenteils aus der Vogelperspektive betrachten. Die aus zahlreichen verschiedenfärbigen Punkten gefertigten Gemälde bergen Symbole der Aborigines, die in einem von Gabriele Weis (Völkerkundemuseum) zusammengestellten Folder aufgeschlüsselt werden.

Gerade jene Symbole sind es aber auch, die in den Anfängen der Aboriginal Art Probleme verursachten. Als ein Kunstlehrer an der Schule von Papunya, einem Getto für Aboriginal People, eine Gruppe älterer Männer beauftragte, ein Wandbild anzufertigen, löste er einen Konflikt aus: Bis damals waren die zeremoniellen Symbole der Aborigines wohlgehütete Geheimnisse und es war verboten, diese öffentlich zu zeigen. Daraufhin entwickelten die Künstler eine neue visuelle Sprache mit einer radikal vereinfachten Ikonografie, deren rituelle Bezüge nicht jedermann zugänglich sind. “Übrig geblieben“ sind lediglich Kreise, Schlangenlinien, Wellen und Punktreihen.

Jene Bilder zu interpretieren, steht für Donald Kahn, der die ersten Bilder seiner Sammlung Ende der 80er-Jahre erworben hat, nicht im Vordergrund. „Damals wusste ich nicht, dass so eine Kunst überhaupt existiert. Als ich die Bilder gesehen habe, hat es mich wie ein Blitz getroffen“, so der Sammler heute Vormittag. „Ich will dem Rest der Welt die Möglichkeit geben, das zu sehen. Wer diese Bilder sieht, wird nicht lange nachdenken, was sie bedeuten. Sondern einfach diesen besonderen Geist spüren.“

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