Wirtschaftswachstum: Arbeitslosigkeit in Wien um 5,8 Prozent zurückgegangen

Die Arbeitslosigkeit sank im Juni. / Symbolbild
Die Arbeitslosigkeit sank im Juni. / Symbolbild ©BilderBox, Erwin Wodicka
Das starke heimische Wirtschaftswachstum sorgt nicht nur für mehr offene Stellen, auch die Arbeitslosigkeit sank im Juni um 9,1 Prozent.

Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice in Wien als arbeitslos vorgemerkten Personen ist im Juni im Jahresvergleich um 4,6 Prozent auf 112.726 gesunken. Das teilte das AMS am Montag mit. Bei den Schulungen betrug der Rückgang 10,1 Prozent – auf 28.250 Personen. Die Summe beider Gruppen ist um 5,8 Prozent kleiner geworden.Wien. Sehr stark zurückgegangen ist die Arbeitslosigkeit in der Hauptstadt laut AMS in der Gruppe der unter 25-Jährigen. Das Minus erreichte hier 12,1 Prozent. Bei den über 50-Jährigen lag der Rückgang bei nur 0,3 Prozent.

Der Bestand an offenen Stellen, die die Wiener Unternehmen dem AMS zur Besetzung gemeldet haben, ist stark angestiegen. Ein Plus von 63,2 Prozent bedeutet eine doppelt so starke Zunahme wie im österreichweiten Durchschnitt, hieß es. Nach wichtigen Wirtschaftszweigen betrachtet, ist die Arbeitslosigkeit in Hotellerie und Gastronomie um 6,5 Prozent gesunken, im Einzelhandel um 7,7 Prozent, in der Warenproduktion um 12,7 Prozent und im Bau um 13,3 Prozent.

Weniger Arbeitslose in Wien

“Gerade im Raum Wien ist das Jobangebot derzeit so groß wie schon sehr lange nicht”, sagte AMS-Wien-Chefin Petra Draxl. Dieses Angebot kann nun auch mobil eingesehen werden – mittels Job-App. Für diese, so wird betont, müsse man sich weder registrieren noch beim AMS vormerken lassen.

Der kräftige Wirtschaftsaufschwung lässt weiterhin die Arbeitslosigkeit sinken. Ende Juni waren in Österreich im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,1 Prozent weniger Personen ohne Job. Arbeitslose und Schulungsteilnehmer zusammengerechnet waren 341.024 Personen (-33.949) ohne Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition sank um 0,8 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent.

Wirtschaftswachstum

Ende Juni gab es 274.667 vorgemerkte Arbeitslose, das waren um 9,6 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Zahl der Schulungsteilnehmer beim Arbeitsmarktservice (AMS) ging um 6,6 Prozent auf 66.357 Personen zurück, geht aus aktuellen Daten des AMS hervor. Die Arbeitslosenzahlen in Österreich sinken seit März 2017 kontinuierlich. Zwischen Mitte 2011 und Ende 2016 stiegen sie stetig an und erreichten in diesem Zeitraum ein Rekordhoch seit 1946.

Das starke heimische Wirtschaftswachstum lässt auch die Stellenanzeigen kräftig wachsen: Die Zahl der gemeldeten sofort verfügbaren offenen Stellen erhöhte sich im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 29,6 Prozent auf 79.114. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten stieg laut einer vorläufigen Prognose um 90.000 Personen (+2,4 Prozent) auf 3,774 Millionen.

AMS-Chef: “Akrobatisch beeindruckende Einlage”

AMS-Vorstand Johannes Kopf ist über den starken Rückgang der Arbeitslosenzahlen hocherfreut. Diese lasse sich “durchaus als akrobatisch beeindruckende Einlage bezeichnen”, so Kopf am Montag in Bezug auf ein Statement des IHS-Chefs Martin Kocher. Der IHS-Chef hatte vergangene Woche erklärt, dass derzeit konjunkturell noch “ein letzter Rock’n’Roll” getanzt wird. Für die zweite Jahreshälfte hat Kocher dann eine Abkühlung der aktuellen Hochkonjunktur vorausgesagt.

Als besonders positiv hob der Chef des Arbeitsmarktservice (AMS) den Rückgang der arbeitslosen Personen und Schulungsteilnehmer im Juni um mehr als zehn Prozent in fünf Bundesländern hervor, in Tirol gab es sogar ein Minus von 18 Prozent. Österreichweit gingen die Arbeitslosenzahlen inklusive Schulungsteilnehmern um 9,1 Prozent zurück. “Ein Plus von rund 30 Prozent bei den offenen Stellen und österreichweit mehr offene Lehrstellen als Lehrstellensuchende zeigen, dass trotz der prognostizierten Wachstumsverlangsamung weiterhin steigende Chancen für Arbeitssuchende vorhanden sind”, erklärte Kopf.

Mehr Arbeit für Inländer

Die Anzahl der Inländer ohne Job sank um 11,5 Prozent auf 228.530 und bei den ausländischen Arbeitskräften gab es ein Minus um 3,6 Prozent auf 112.494. Bei Jugendlichen unter 25 Jahren (-8,5 Prozent), Personen zwischen 25 und 49 Jahren (-10,4 Prozent) und bei den über 50-Jährigen (-6,6 Prozent) gab es ebenfalls einen deutlichen Rückgang.

Die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer zusammengerechnet sank im Juni in allen Bundesländern: Den stärksten Rückgang gab es in Tirol (-18,2 Prozent), der Steiermark (-13,7 Prozent), in Oberösterreich (-12 Prozent), im Burgenland (-10,6 Prozent), in Kärnten (-10,2 Prozent), Niederösterreich (-9,8 Prozent), Wien (-5,8 Prozent), Salzburg (-5,4 Prozent) und Vorarlberg (-4,6 Prozent).

Die Arbeitskräfte am Bau und in der Industrie profitieren aktuell am stärksten vom Wirtschaftsaufschwung. Am Bau gab es ein Arbeitslosenminus von 16,7 Prozent, gefolgt von der Warenproduktion (-13,9 Prozent), Gesundheits- und Sozialwesen (-13,5 Prozent), Beherbergung und Gastronomie (-12 Prozent), Handel (-11,1 Prozent), Verkehr und Lagerei (-9,7 Prozent) und Arbeitskräfteüberlassung (-8,7 Prozent).

Leichter Rückgang auch bei Flüchtlingen

Die Arbeitslosenzahlen sanken im Juni auch leicht bei Flüchtlingen mit Arbeitserlaubnis. Per Ende Juni waren 25.919 anerkannte Flüchtlinge und 5.376 subsidiär Schutzberechtigte, insgesamt also 31.295 Personen, beim AMS als arbeitslos gemeldet. Gegenüber Mai 2018 ist dies ein Rückgang von 2,1 Prozent, gegenüber Juni 2017 ein Plus von 10,1 Prozent, teile das AMS auf APA-Anfrage mit. Laut Arbeitsmarktservice (AMS) kommen jeden Monat rund 900 Asylberechtigte, die ihren positiven Bescheid bekommen haben, neu zum AMS. Der leichte Rückgang der Arbeitslosenzahlen gegenüber dem Vormonat liege daran, dass die Branchen, in denen Flüchtlinge primär arbeiten – u. a. Landwirtschaft, Tourismus, Zeitarbeit – boomen würden.

Ende Mai hat nach Angaben des AMS fast ein Drittel der anerkannten Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigten, die von Anfang 2015 bis Mitte 2016 zum Arbeitsmarktservice gekommen sind, mittlerweile einen Arbeitsplatz gefunden. Viele anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte besuchen derzeit noch Deutschkurse und andere Schulungen bevor sie auf Arbeitssuche gehen. Die Zahlen beinhalten auch Personen, die schon länger in Österreich sind, etwa aus Tschetschenien bzw. Russland.

Beim AMS waren Ende Juni insgesamt 13.457 Personen aus Syrien registriert, 6.403 aus Afghanistan, 3.308 aus Russland, 2.004 aus dem Irak, 1.906 aus dem Iran und 1.406 aus Somalia. Schutzberechtigte haben kein Asyl erhalten, aber ihr Leben wird in ihrem Herkunftsland bedroht und daher dürfen sie vorerst in Österreich bleiben.

APA/red

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