Wirbel um Rückkehr von deutschem Ex-Bischof Mixa

Der nach Prügelvorwürfen zurück­getretene deutsche Bischof Walter Mixa ist zurück in Augsburg und sorgt erneut für Wirbel. Er wohnt derzeit wieder im Bischofspalais. Bistumssprecherin Kathi Marie Ulrich bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Augsburger Allgemeinen". Dies sei aber nur vorübergehend, sagte sie. Es solle bald eine andere Lösung gefunden werden.
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Dem Zeitungsbericht zufolge stieß Mixas Rückkehr am Samstagabend auf Kritik. Ein hochrangiger Bistumsvertreter sprach demnach von einem “Akt der Anmaßung”. Als emeritierter Bischof habe Mixa kein Hausrecht mehr. “Er wäre besser im benachbarten Ausland geblieben”, zitiert die Zeitung einen hohen Geistlichen.

Mit Kopfschütteln reagierte man auch bei der Reformbewegung “Wir sind Kirche” auf Mixas Rückkehr in das Bischofspalais. Damit lasse Mixa erneut jedes Fingerspitzengefühl vermissen, sagt “Wir sind Kirche”-Sprecher Christian Weisner. Mixas Rückkehr erschwere die dringend nötige Beruhigung der Lage im Bistum Augsburg.

Der oberste Laienvertreter des Bistums, der Diözesanratsvorsitzende Helmut Mangold, sagte dem DAPD, er habe Verständnis dafür, dass Mixa vorübergehend in seine alte Wohnung komme, um dort in aller Stille persönliche Dinge in Ordnung zu bringen und nach einer neuen Bleibe zu suchen. Dies müsse man ihm aus Menschlichkeit zubilligen. Die neue Bleibe sollte Mangolds Meinung nach aber möglichst nicht in Augsburg sein. Aber auch Mangold sagte: “Mit der Beruhigung im Bistum ist es jetzt wieder vorbei. Das ist ganz schlimm.” In Anrufen hätten ihm etliche empörte Katholiken gesagt: “Das geht doch nicht.”

Mixas Anwalt Gerhard Decker sagte dem Zeitungsbericht zufolge dagegen: “Solange es keine innerkirchliche Regelung gibt, wird sich Mixa in Augsburg aufhalten.”

Die österreichische Internetseite kath.net berichtete am Montag, Mixa wolle in Rom die Rücknahme seines Rücktritts erreichen. Beim Bistum war dazu am Montag kein Kommentar zu erhalten. Mixas Anwalt war ebenfalls nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Kath.net bezieht sich in seinem Bericht auf “römische Kirchenkreise” und ein angeblich an den Präfekten der Bischofskongregation gesandtes dreiseitiges Schreiben Mixas.

Mangold sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass es zu einer Rückkehr Mixas auf den Augsburger Bischofsstuhl kommen könnte. Er glaube nicht, dass der Papst ein solches Hin und Her mitmachen würde, sagte er. Schließlich habe Papst Benedikt XVI. eine wohlüberlegte Entscheidung getroffen. “Wir haben ein vom Papst akzeptiertes Rücktrittsgesuch. Daran sollte man nicht mehr drehen”, sagte Mangold. Kirchenrechtlich wäre ohnedies nur eine Neuernennung möglich – und die sei “schlechthin nicht vorstellbar”, wie ein Insider und Theologe in Rom zur Causa Mixa sagte. Das Augsburger Ordinariat macht an diesem Donnerstag einen Betriebsausflug – da werden Mixas Wohnwünsche jedenfalls reichlich für Gesprächsstoff sorgen.

Dem Rücktritt Mixas waren massive Prügelvorwürfe aus seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen vorausgegangen. Später stand auch der Verdacht des sexuellen Missbrauchs im Raum, der sich aber nicht erhärtete. Die Prügelvorwürfe wurden dagegen von einem dazu eingesetzten Sonderermittler für glaubhaft befunden, sie sind strafrechtlich aber verjährt. Am 8. Mai nahm Papst Benedikt XVI. Mixas Rücktrittsgesuch an.

Das Bistum wies unterdessen Berichte zurück, Mixa sei das Opfer einer kircheninternen Intrige geworden und äußerte sich erstmals zu den näheren Umständen des Rücktritts. Weihbischof Anton Losinger berichtete in der “Augsburger Allgemeinen” über den Ablauf des Rücktritts: Die Mitglieder der Bistumsleitung hätten Mixa am 21.  April mit dem massiven Vertrauensverlust in der Diözese konfrontiert, mit dem enormen Anstieg der Kirchenaustritte und damit, dass selbst standfeste Stadtpfarrer in ihren Sonntagspredigten Mixa Lügen vorgeworfen hatten. Der Bischof habe daraufhin gesagt: “Wenn das so ist, müsste ich ja zurücktreten”, zitierte Losinger den Bischof. “Und niemand hat ihm davon abgeraten.”

Mixa hatte zuletzt kritisiert, wie es zu den Ermittlungen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs gegen ihn gekommen war. Der “Welt am Sonntag” sagte er, er sei enttäuscht über das Verhalten der Verantwortlichen in der Kirche in der Affäre. “Hätte man mit dem jungen Mann gesprochen, hätte sich sofort herausgestellt, dass es kein Opfer gibt, und man hätte sich eine Anzeige ersparen können”, sagte er.

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