Winterwetter macht Cafetiers zu schaffen

Die Auswirkungen des Tabakgesetzes durch das Ausbleiben der rauchenden Stammkundschaft machen sich nun bemerkbar. Wiener Traditions-Kaffeehäuse beklagen massive Umsatzrückgänge und fürchteten um die Zukunft des "klassischen Wiener Cafes".
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Wintereinbruch in Wien
Wien im Winter

Mit dem Wintereinbruch müssen sich die Wiener Cafetiers warm anziehen. Wiener Traditions-Kaffeehäuser, wie das Cafe Sperl oder das Cafe Hawelka, beklagten massive Umsatzrückgänge und fürchteten um die Zukunft des “klassischen Wiener Cafes”. In der Wirtschaftskammer (WK) versteht man die Sorgen der Cafetiers, betonte allerdings, dass der Erfolg eines Kaffeehauses am Gesamtprodukt, und nicht an der Zigarette hänge.

Seit dem Ende der Übergangsfrist mit 1. Juli 2010 hielten sich die Verluste bei vielen Wiener Cafetiers dank der Schanigarten-Saison und der warmen Temperaturen vorerst in Grenzen. Die eisigen Temperaturen und Schneefälle stellen nun viele Betreiber auf die Probe. Gerade “unfreiwillige Nichtraucherlokale” (Lokale, die aufgrund des Denkmalschutzes keine Trennwände aufstellen durften, Anm.), wie das Cafe Sperl, sind davon betroffen.

So klagte etwa Cafetier Manfred Staub im APA-Gespräch: “Von meiner Stammkundschaft waren 80 Prozent Raucher. Die drehen sich jetzt am Absatz um und wir haben sie verloren.” Staub, der das Cafe Sperl seit 1968 führt, versteht, dass “seine” Raucher nicht mehr kommen. Früher sei es im Cafe, gerade bei den Billard-Spielern beliebt gewesen, gemütlich eine Runde bei Kaffee und Zigarette zu spielen. Jetzt müsse jeder, der rauchen will, hinaus in die Kälte. Das mache niemand lange mit. Einen Appell richtete Staub an alle Nichtraucher, die sich ein rauchfreies Kaffeehaus gewünscht haben: “Die Nichtraucher sagen, sie freuen sich, nur vermisse ich sie in meinem Cafe.”

Ein ähnliches Bild zeigte sich im Wiener Kult-Cafe Hawelka. Geschäftsführer Michael Hawelka, Enkel des legendären Kaffeehausgründers Leopold Hawelka, teilte die Sorgen von Staub: “Wir haben fast unsere gesamte Stammkundschaft verloren”, denn auch das Hawelka wurde in ein Nichtraucher-Lokal umgewandelt. Wobei dies freiwilliger als beim Cafe Sperl erfolgte. Das Hawelka steht nicht unter Denkmalschutz, “eine Trennwand hätte aber den Originalzustand vollkommen zerstört”, erklärte Hawelka. Er fühle sich besonders von der WK im Stich gelassen, weil diese keine Unterstützung gegeben habe, trotz Qualmverbots weiterhin Raucher anzulocken. Seine Wunschregelung wäre die Aufhebung des Rauchverbots ab 20.00 Uhr, da gerade am Abend der Anteil der rauchenden Gäste steige und jener der Nichtraucher deutlich sinke.

Berndt Querfeld, Obmann der Fachgruppe Kaffeehäuser in der Wirtschaftskammer und Chef des Cafe Landtmann, versteht die Sorgen der “unfreiwilligen Nichtraucher-Lokale”, wies allerdings den Vorwurf, die Cafetiers nicht unterstützt zu haben, zurück. Zudem sei der Erfolg eines Kaffeehauses am Gesamtprodukt zu messen und nicht, ob man dort rauchen darf oder nicht: “Viele haben ihren Palast auf Tabak aufgestellt.” Es gebe aber auch Gegenbeispiele: So würden aufgrund der guten Buchungslage im Tourismus eine Reihe von Innenstadtkaffeehäusern ein deutliches Umsatzplus verzeichnen. Zudem steige in vielen Lokalen sogar die Nachfrage nach Nichtraucher-Plätzen.

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