Winterschlaf - Kritik und Trailer zum Film

In der abgelegenen türkischen Region Kappadokien führt der Ex-Schauspieler und Intellektuelle Aydin (Haluk Bilginer) zusammen mit seiner deutlich jüngeren Frau Nihal (Melisa Sözen) und seiner geschiedenen Schwester Necla (Demet Akbag) ein Hotel. Der selbstgerechte, wohlhabende Aydin hat Ärger mit den Dorfbewohnern, sein Buchprojekt kommt nicht voran und die Ehe kriselt.

Mit seinem am 20. Februar endlich auch in Österreich anlaufenden Film hat der 56-jährige türkische Regisseur in Cannes, wo 2003 mit dem Großen Preis der Jury für “Uzak” (“Weit”) sein internationaler Durchbruch gelungen war, im vergangenen Jahr die Goldene Palme geholt. Eine mutige Entscheidung, denn der Film ist durchaus spröde. Wer jedoch bereit ist, sich darauf einzulassen, wird mit wunderschönen Aufnahmen der Bergwelt von Kappadokien belohnt und mit einem sich episch breit entwickelnden Seelendrama, in dem es für den Zuschauer schwer ist, Partei zu ergreifen.

Kurzinhalt zum Film

In einem in die Felsen gebrochenen Labyrinth höhlenartiger Räume ist ein gemütliches, durchaus komfortables Land-Hotel untergebracht. Hoteldirektor ist der ehemalige Theaterstar Aydin (Haluk Bilginer). In der Abgeschiedenheit geht er seinen intellektuellen Neigungen nach: Er bereitet eine große türkische Theatergeschichte vor und schreibt Essays und Kolumnen, in denen er die Menschen zum Widerstand gegen die Rückständigkeit der türkischen Gesellschaft aufstacheln möchte.

Der Revoluzzer ist aber auch ein Patriarch. Wie die diffizilen Beziehungen zu seiner jungen Frau Nihal (Melisa Sözen) und seiner bei ihm lebenden geschiedenen Schwester Necla (Demet Akbag) genau aufgebaut sind, schält sich erst ganz allmählich heraus. Außerdem gefällt er sich in der Rolle des örtlichen Wohltäters, hat aber kein Gespür für den Umgang mit den Menschen. Dass sie ihn zwar nach außen respektieren, in Wahrheit jedoch ebenso verachten wie er sie, kommt ihm nicht in den Sinn.

Auch Nihal, die in der ländlichen Einsamkeit an der Seite des herrischen, um vieles älteren Mannes zunehmend verkümmert, hat es schwer, ihre sozialen Ideen so in die Tat umzusetzen, dass sie auch wirklich Gutes bewirken. Eine Sammlung für den Umbau der örtlichen Schule droht zum Fiasko zu werden, der Versuch, der Familie eines Dorfbuben finanziell unter die Arme zu greifen, endet in der Demütigung aller Beteiligten.

Kritik zu “Winterschlaf”

Die großen Fragen wie Gerechtigkeit und Teilhabe, Verantwortung und Moral machen hier die Räume eng, so eng, dass sich die Beteiligten kaum mehr rühren können. Stumme Verzweiflung oder energischer Ausbruch scheinen die einzigen Alternativen. Der “Winterschlaf” bringt keinen Seelenfrieden. Auch für den Zuschauer nicht.

(APA)

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