Wiener Wirtschaft auf Pendler angewiesen

Die Wiener Wirtschaft ist auf die Pendler angewiesen.
Die Wiener Wirtschaft ist auf die Pendler angewiesen. ©APA/HELMUT FOHRINGER
270.000 Menschen kommen beinahe täglich nach Wien - Die Pendler. Eine Analyse hat nun gezeigt, dass die Wiener Wirtschaft auf sie angewiesen ist.

Sie kommen aus allen Himmelsrichtungen, gehen in Wien ihrer Arbeit nach oder studieren dort - und werden in der öffentlichen Debatte oft nur im Zusammenhang mit ihrer Rolle im Verkehrsgeschehen wahrgenommen: Die Pendler. Alexander Biach, der Standortanwalt in der Wirtschaftskammer Wien, hat nun auch eine Analyse zur ökonomischen Bedeutung der Berufspendler mit Arbeitsplatz Wienerstellt. Ergebnis: Die Wiener Wirtschaft ist auf diese angewiesen.

Ohne Pendler wäre Bedarf an Arbeitskräften nicht zu decken

Ohne Einpendler aus Niederösterreich oder dem Burgenland sei der Bedarf an Arbeitskräften nicht zu decken, heißt es in dem Bericht. Denn mittlerweile komme mehr als ein Viertel der Erwerbstätigen in der Bundeshauptstadt aus dem Umland. Die Zahl der Pendler wird mit 270.000 angegeben, ihr Beitrag zur Bruttowertschöpfung mit knapp 24 Mrd. Euro. Die WienerErwerbseinpendler sorgen laut Standortanwalt zudem für staatliche Rückflüsse aus Steuern und Abgaben in Höhe von 14 Mrd. Euro.

Bei fast allen Betroffenen handelt es sich um unselbständig Erwerbstätige, sie sind vor allem im Handel, im Dienstleistungs- und Produktionssektor und im Bereich Information und Kommunikation tätig. Dass viele von ihnen mit dem Auto kommen, wird sich laut Biach nicht grundlegend ändern, er mahnt jedoch Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr ein, um hier die Situation zu verbessern. Nötig sei etwa, die öffentliche Verkehrsanbindung vor allem in Industrie- und Betriebsgebieten auszubauen, wird betont.

Pendlerverkehr wird durch Homeoffice nicht dauerhaft abnehmen

Dass der Pendlerverkehr etwa angesichts verstärkter Tätigkeit im Homeoffice dauerhaft abnimmt, davon geht der Standortanwalt nicht unbedingt aus. Mittelfristig würden sich die Ströme kaum verändern - auch weil Berufe im Service- und Dienstleistungsbereich, im Handel, der Gastronomie, im Bauwesen oder der Industrie nicht von daheim aus erledigt werden könnten. Das Pendeln mit dem Auto werde bleiben, wenn sie auch durch technische Entwicklungen etwa im Bereich Elektromobilität umweltfreundlicher werde dürfte, wie es heißt.

Urgiert wird darum ein "Gesamtverkehrssystem" für die Metropolregion Wien. Der Fokus müsse dabei auf der Schaffung eines hochfrequenten, öffentlichen Verkehrsnetzes liegen, um noch mehr Pendlern ein Mobilitätsangebot zu machen. Gleichzeitig sei es notwendig, das Straßennetz so zu verbessern, dass es einen möglichst staulosen Wirtschaftsverkehr ermögliche. "Weiters braucht es zukunftsfähige Lösungen zum Parken mit einem Parkzonenmodell und einem Parkgaragenkonzept", verweist Biach auf Vorschläge, die statt der nun angedachten Ausweitung der Parkpickerlbereiche eine Unterteilung in tariflich gestaffelte Zonen beinhalten.

Ausbau der Infrastruktur bringt Jobs mit sich

Der Ausbau der Infrastruktur würde zugleich auch Jobs schaffen, gibt Biach zu bedenken: "Es ist ein Gebot der Stunde, den Wirtschaftsmotor durch öffentliche Investitionen und den Ausbau der Infrastruktur - insbesondere die des Verkehrs - zu stützen. Das schafft Wertschöpfung im Konjunkturtal, Arbeitsplätze in Zeiten von Rekordarbeitslosigkeit und bringt Vorteile im Standortwettbewerb."

Er hat laut eigenen Angaben im Raum Wien umsetzungsreife Projekte mit einem Investitionsvolumen von 6 Mrd. Euro identifiziert. Dazu zählen unter anderem der Ausbau des Schnellbahnnetzes und der ÖBB-Infrastruktur, der Straßenbahnausbau bis über die Stadtgrenzen und der Bau des Lobautunnels mit Stadtstraße. Allein in der Bauphase würden dadurch 30.000 Arbeitsplätze geschaffen werden, so seine Berechnung.

(APA/Red)

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