Wiener Walzerseligkeit und Italianità beim Neujahrskonzert 2018 vereint

Ein letztes Mal: Riccardo Muti beim Neujahrskonzert in Wien
Ein letztes Mal: Riccardo Muti beim Neujahrskonzert in Wien ©APA
Mit seinem fünften Neujahrskonzert im Wiener Musikverein am Montag hat der italienische Dirigent Riccardo Muti sein Publikum verzaubert und das neue Jahr mit edler Süße versehen.
Neujahrskonzert 2017/18 in Wien: Bilder

Noch nie war Mutis Heimat Italien im Neujahrsprogramm so üppig präsent wie heuer: Unter den gleich sieben erstmals programmierten Stücken finden sich Huldigungen an italienische Meister, wie Johann Strauß Vaters “Wilhelm-Tell-Galopp” mit dem bekannten Motiv Rossinis oder seines Sohnes Quadrille “Un ballo in maschera”, das die Musik der gleichnamigen Verdi-Oper dem Wiener Publikum im Jahr 1862 und damit noch vor der ersten Aufführung der Oper in Wien bekannt machte.

Riccardo Muti bravurös beim Neujahrskonzert 2018

Aber auch die “Rosen aus dem Süden” sind die Klangwerdung einer zutiefst Wienerischen Italien-Sehnsucht und Seelenverwandtschaft. Dieser innigen Verbundenheit der schmeichelnden Wiener Strauß-Musik und der schwungvollen Italianita, der gegenseitigen Bewunderung und Inspiration, den gemeinsamen großen Gefühlen hinter der scheinbaren Leichtigkeit der Melodien spürt Muti mit gewohnter Ernsthaftigkeit, wohldosierter Dynamik und jener selbstverständlichen Eleganz im Detail nach, die ihn seit fast fünf Jahrzehnten zu einem erklärten Liebling der Philharmoniker macht. Sein letzter Neujahrseinsatz ist lange 14 Jahre her, dass es sein letzter sein wird, hat der Maestro inzwischen selbst infrage gestellt.

Großmütige Neujahrslaune beim Italiener spürbar

Altersmilde ist dem gestrengen Muti nicht anzumerken, dafür aber eine großmütige Neujahrslaune, die Schwärmerei erlaubt und Melodrama mit kleiner Geste und großem Effekt konstruiert. Das erste Meisterstück liefert man schon mit dem zweiten Streich des Konzertes, Josef Strauß’ “Wiener Fresken”, von schillerndem Farbenspiel, keuschen Ritardandi und herausragenden Soli durchzogen. Das 50-Millionen-Publikum, das dem vom ORF via 14 Kameras aufgezeichneten und von TV-Sendern in 95 Ländern übertragenen Fernsehereignis beiwohnt, rang den einzelnen Philharmonikern auch heuer keine hörbare Nervosität ab.

Gleich vier Kompositionen des Programms feiern in dem an Jubiläen reichen Jahr 2018 den 150-jährigen Jahrestag ihrer Uraufführung, das prominenteste unter ihnen der große Konzertwalzer “G’schichten aus dem Wienerwald”, dessen Zither-Solistin Barbara Laister-Ebner auf Wunsch Mutis im Dirndl auftrat. Den 100-jährigen Gedenktagen an die WienerModerne – mit den Todestagen von Klimt, Schiele, Moser und Wagner 1918 – war der ORF-Pausenfilm von Georg Riha als Streifzug durch die Architektur und Kunst der Ära gewidmet. Das Wiener Staatsballett tanzte heuer Choreografien von Davide Bombana in Otto Wagners Hietzinger Hofpavillon – zur “Stephanie-Gavotte” des erstmals im Programm vertretenen K.u.K.-Militärkapellmeisters Alphons Czibulka – sowie im niederösterreichischen Schloss Eckartsau zu “Rosen aus dem Süden”.

“An der schönen blauen Donau” sinnlich ausgekostet

Muti mag kein Walzertänzer sein, wie er im Vorfeld des Konzerts betonte, aber sowohl diese “Rosen” als auch die Neujahrshymne “An der schönen blauen Donau” weiß er sinnlich auszukosten und dabei in ihrer musikalischen Architektur ernst zu nehmen wie wenige andere. Wie die Wiener Musik zu interpretieren ist, hätten ihm in der langen Verbundenheit nicht zuletzt die Wiener Philharmoniker selbst beigebracht, sagte er einmal – was auf ein tiefes Verständnis der Zusammenarbeit mit diesem Orchester hinweist. Ob den Philharmonikern das gleiche Kunststück mit dem Debütanten des nächsten Neujahrskonzerts, Christian Thielemann, gelungen ist, das wird der 1. Jänner 2019 zeigen.

(APA/Red.)

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