Wiener Vorlesungen und Buch erinnern an "Vernichtung des Geistes"

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Anlässlich des "Anschlusses" Österreichs an Hitler-Deutschland vor 70 Jahren erinnert eine Reihe von Veranstaltungen an die Vertreibung der Vernunft.

So beleuchtet die am 13. März startende siebenteilige Wiener Vorlesungsreihe “Abschiede 1938” die Flucht zahlreicher Intellektueller und Wissenschafter aus Österreich. Der Umgang der Uni Wien mit den jüdischen Studenten nach dem Anschluss wird in einem neuen Buch von Wiener Zeithistorikern analysiert.

Zum Auftakt der vom Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK), den “Wiener Vorlesungen” und der Wienbibliothek initiierten Reihe “Abschiede 1938. Die Vernichtung des geistigen Wien”, hält der 1938 vertriebene emeritierte Professor für deutsche Literatur, Egon Schwarz, den Eröffnungsvortrag im Wiener Rathaus. Zudem wird über das nach dem “Anschluss” von Wien nach Norwegen geflüchtete Ehepaar Karl und Charlotte Bühler, Pioniere der Kinderpsychologie, der experimentellen Psychologie und der Sprachtheorie, gesprochen.

Im Zuge der bis November dauernden Veranstaltungsreihe präsentieren etwa auch der Wissenschaftssoziologe Gerhard Sonnert und der in Wien geborene Wissenschaftshistoriker und Physiker Gerald Holton von der Harvard University am 24. Juni die deutsche Ausgabe ihres im Vorjahr erschienenen Buches “What Happened to the Children Who Fled Nazi Persecution” (“Was geschah mit den 1938 vertriebenen Kindern und Jugendlichen?”, LIT Verlag). Darin beleuchten die Autoren die Lebenswege der Kinder und Jugendlichen, die aus Deutschland und Österreich in den 1930er und 1940er Jahren vor den Nationalsozialisten in die USA flüchteten.

Weiters werden sich im Rahmen dieser Reihe die Germanistin und Holocaust-Überlebende Ruth Klüger mit “Studium und Gebrauch der deutschen Sprache nach der Shoah” (29.4.) und der Grazer Soziologe Christian Fleck mit Marie Jahoda und dem heutigen Denken über Arbeit und Arbeitslosigkeit (15. 10.) auseinandersetzen. Am 30. Oktober findet unter dem Titel “Die Gefahren der Vielseitigkeit” eine Tagung “zu Leben und Werk von Friedrich Torberg (1908-1979)” statt.

Wie die Universität Wien nach dem “Anschluss” mit jüdischen Studierenden umging, analysiert das neu erschienene Buch “‘Anschluss’ und Ausschluss 1938. Vertriebene und verbliebene Studierende der Universität Wien” von den Zeithistorikern Herbert Posch, Doris Ingrisch und Gert Dressel. Es wird am 12. März im Rahmen des “Dies Academicus” im Kleinen Festsaal der Uni präsentiert. Im Rahmen eines Festvortrages blickt der damals als Student vertriebene Zeitzeuge Walter Sokel, Professor emeritus der University of Virginia, auf die Ereignisse zwischen 1936 und 1938 zurück.

An der Universität Graz forscht derzeit ein Team um Helmut Konrad vom Institut für Geschichte in Zusammenarbeit mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes zu der NS-Herrschaftspraxis in der Steiermark. Das Projekt konzentriert sich vor allem auf Verfolgung und Widerstand. Für September 2008 ist laut Uni Graz eine Tagung sowie eine Ausstellung im Grazer Stadtmuseum in Kooperation mit dem Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit “Clio” geplant.

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