Wiener Verein hilft traumatisierten geflüchteten Schülern

Der Verein Afya konnte deutliche Fortschritte verzeichnen.
Der Verein Afya konnte deutliche Fortschritte verzeichnen. ©APA/HARALD SCHNEIDER
Der Verein "Afya" in Wien bietet seit 2018 traumatisierten geflüchteten Schülern Hilfe und Unterstützung an. In einem Zwischenbericht spricht der Verein von "signifikanten Verbesserung" der Teilnehmer.

Seit 2018 bietet der Verein "Afya" an Österreichs Schulen ein Programm zur Bewältigung traumatischer Erlebnisse an, die Jugendliche während des Kriegs oder auf der Flucht gemacht haben. Laut einer am Mittwoch präsentierten Evaluierung führt es zu einer "signifikanten Verbesserung" von Symptomen. "Wir haben gelernt, die Angst zu besiegen, Schritt für Schritt", wird ein Teilnehmer darin zitiert.

Im ersten Jahr haben an dem Programm "Kräfte stärken - Trauma bewältigen" 100 Wiener Schülerinnen und Schüler zwischen acht und 18 Jahren teilgenommen, die mögliche Trauma-Folgestörungen wie auffallende Unruhe, vermehrte Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, aggressives Verhalten oder Rückzug zeigten. Die meisten Teilnehmer kamen aus Syrien und Afghanistan.

Für die Erhebung hat die Kinderärztin und ausgebildete Traumatherapeutin Petra Krenn-Maritz, die vor der Studie auch für Afya als Trainerin tätig war und im Vorstand des Vereins sitzt, die Fragebögen von 57 Kindern und Jugendlichen ausgewertet und 23 Interviews mit Schülern, Lehrern und Eltern geführt.

Schüler zeigten Anzeichen einer Posttraumatischen Belastungsstörung

60 Prozent der Schüler zeigten laut der Evaluierung vor Start des Programms Anzeichen einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Typisch dafür sind unerwünschtes Wiedererleben des Traumas (Intrusion), Flashbacks oder Albträume und die Vermeidung von Situationen, die Erinnerungen an die Traumata wachrufen könnten. Nach dem Programm war bei dieser Gruppe bei den Faktoren Intrusion und Vermeidung demnach eine "signifikante Besserung ihrer Symptome" feststellbar, vor allem bei Burschen. In den Interviews schrieben drei Viertel der Schüler dem Programm eine "deutlich positive Wirkung" zu.

In dem Programm wird den Schülern vermittelt, dass ihre Gefühle und Reaktionen auf das Erlebte normal sind. Sie lernen, wie sie mit unerwünschten schmerzhaften Erinnerungen umgehen und ihre Gefühle und Ängste kontrollieren können. Die Trainer vermitteln außerdem Strategien bei Schlafstörungen und übermächtigen Sorgen. "Im Programm habe ich gelernt, das schlechte Gefühl in ein gutes umzuwandeln", fasst es ein Teilnehmer zusammen. Das Ergebnis sind laut Evaluierung etwa weniger Schlafprobleme, verbesserte Konzentrationsfähigkeit und ein anderer Umgang mit Wut und Aggressionen. "Ich habe gelernt, dass ich mehr sprechen soll und nicht schlagen soll, sonst wird alles ein großes Problem", wird ein Teilnehmer zitiert.

Bisher 238 Schüler beim Programm teilgenommen

Bei "Kräfte stärken - Trauma bewältigen" kommen sechs Wochen lang ein Mal pro Woche jeweils zwei Trainerinnen und Trainer an die Schule, um mit einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Mindestens einer der Trainer beherrscht dabei die Muttersprache der Schüler. Das Programm wurde von der Stiftung "Children and War" unter dem Namen Teaching Recovery Techniques (TRT) für die Anwendung in Kriegsgebieten oder nach Naturkatastrophen entwickelt, vom Verein Afya wurde es geringfügig an die Situation "Schule im sicheren Asylland" angepasst.

Bis November 2019 haben insgesamt 238 Kinder und Jugendliche an dem Programm teilgenommen. In den nächsten Jahren will der Verein 1.000 Schüler mit seinem Programm erreichen und es neben Wien und Niederösterreich noch in weiteren Bundesländern anbieten, wie die geschäftsführende Obfrau Sabine Kampmüller betont. "Dafür brauchen wir die entsprechenden Mittel."

(APA/red)

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