Wiener Umwelttechnik für China

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Chongqing, die Riesenstadt am Jangtse soll einer der Wirtschaftsmotoren für Zentralchina werden und hat in Sachen Wachstum schon jetzt zu Küstenmetropolen wie Shanghai, Guanghzou (Kanton) oder Tianjin aufgeschlossen - Delegation aus Wien zu Besuch.

Seit Beginn der Woche ist dort eine Delegation aus Wien zu Besuch. Im Gegensatz zu vergleichbaren Missionen steht dabei nicht das Werben um Touristen oder die Präsentation von exklusiven Produkten im Vordergrund. Vielmehr soll den Stadtverantwortlichen die Zusammenarbeit im Umweltbereich schmackhaft gemacht werden.


Chongqing wird gerne als die größte Stadt der Welt bezeichnet – doch in Wahrheit leben die meisten der rund 30 Millionen Bewohner außerhalb des urbanen Bereiches in den umliegenden Gemeinden. 1997 wurde Chongqing direkt der Zentralregierung unterstellt, der quasi verordnete Aufschwung zum Wirtschaftszentrum wird seither von dort aus gelenkt. Doch längst sind den Verantwortlichen auch die Probleme der Mega-City bewusst – etwa die ökologischen.

Umwelttechnologie für die “Nebelstadt”


Sie sind auch für Besucher sichtbar, unter anderem deswegen, weil vieles unsichtbar bleibt: Dichter Smog legt sich oft wie ein Schleier über Chongqing, das den Beinamen „Nebelstadt“ völlig zu Recht trägt. Bedingt ist das bemerkenswerte lokale Klima nicht zuletzt durch riesige Industrie-Anlagen in der Umgebung.


Auch Tonnen von Abwässern werden jedes Jahr ungeklärt in den Fluss geleitet. Das bedeutet eine besondere Gefahr, denn bis 2009 wird sich vor den Toren der Stadt ein See erstrecken. Er wird durch das gigantische Drei-Schluchten-Stauprojekt entstehen. Damit das Gewässer nicht zur Kloake verkommt, sind noch zahlreiche Maßnahmen nötig. Diese werden zum Teil bereits in Angriff genommen: Seit dem Jahr 2000 wurden beispielsweise über 15 Kläranlagen in Betrieb genommen.


Das klingt viel, ist aber in Wahrheit noch wenig, wie Wiens Stadtbaudirektor Gerhard Weber betonte: „Immerhin verteilt sich das auf eine Fläche, die etwa so groß ist wie Österreich.“ Auf diesen Bereich erstreckt sich die „Stadt“, die de facto eine eigene Provinz ist. Erste Gespräche mit lokalen Experten sind laut Weber am Dienstag viel versprechend verlaufen. Erörtert wurden demnach Abwasser- und Mülltechnologien, die in Wien bereits erfolgreich im Einsatz sind.


Laut Weber wurden weitere Gespräche für Anfang kommenden Jahres vereinbart. Eine Delegation aus Chongqing wird dann in Wien erwartet. Möglich ist demnach in Zukunft eine direkte Unterstützung durch Fachleute aus Wien – etwa bei der Erstellung von Gutachten oder Studien. Aber auch heimischen Firmen soll über diese Schiene die Möglichkeit geboten werden, bei der Umsetzung von Umweltprojekten mitzuarbeiten.


Wiens designierte Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank hob in ihrer offiziellen Wien-Präsentation vor den Gastgebern ebenfalls das kommunale Know-how in Sachen Ökologie hervor. Sie verwies auf das „Musterprojekt“ der Entsorgungsbetriebe Simmering bzw. auf das Fernheizwerk Spittelau. Dieses liege direkt in der Stadt und verursache dabei nicht einmal in der unmittelbaren Umgebung Probleme, betonte Jank.


Neben der Sparte Umwelt will Wien auch in anderen Wirtschaftsbereichen mitmischen: Chongqing ist auch ein Zentrum der Fahrzeugproduktion. Rund eine halbe Million Autos und beachtliche fünf Millionen Motorräder wurden zuletzt pro Jahr dort gefertigt. Wien hat nach Ansicht der Delegationsmitglieder das Potenzial, mit dem bestehenden Automotive-Cluster als Zulieferer aufzutreten. Kooperationen werden weiters im Sektor Biochemie angestrebt.

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