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Wiener U-Bahn meist pünktlich

Der öffentliche Verkehr in Wien ist seit mehr als einem Vierteljahrhundert ohne U-Bahn kaum mehr vorstellbar.

Umso ärgerlicher reagieren die Fahrgäste, wenn es Ausfälle gibt. Und wenn einmal das Gesetz der Serie zuschlägt, ist die Aufregung besonders groß. Dann werden Silberpfeil & Co rasch zu desolaten, überalterten Südenböcken gestempelt. Mit Zahlen lässt sich ein derart vorschnelles Urteil jedoch nicht belegen.

Die APA ist bei der Suche nach Beweisen für die Tauglichkeit des größtenteils unterirdischen Verkehrsnetzes auf interessante Zahlen gestoßen: Laut Wiener Linien legen die U-Bahnlinien in der Bundeshauptstadt pro Jahr auf insgesamt 912.000 Fahrten rund 59 Millionen Kilometer zurück. Seit Anbruch des U-Bahn-Zeitalters Anfang der achtziger Jahre haben sich die Fahrgastzahlen der öffentlichen Verkehrsmittel nahezu verdoppelt. 747 Millionen Passagiere waren 2005 mit der U-Bahn unterwegs, um mehr als 200 Millionen als noch im Jahr 1982, als das U-Bahn-Netz mit den Linien U1, U2 und U4 bereits einigermaßen mit jenem von heute vergleichbar war.

International schneidet die Wiener U-Bahn jedenfalls nicht schlecht ab. Im Rahmen eines Städtevergleichs wurden in den Jahren 2001 bis 2005 Fahrgäste in Stockholm, Oslo, Helsinki, Kopenhagen, Barcelona, Genf, Prag, Manchester, Turin und Wien befragt. Beim Thema „subjektive Sicherheit” lag Wien stets auf Platz eins, punkto „Verlässlichkeit” immer unter den Top drei.

Doch hie und da dringt aus den Stations-Lautsprechern eine Durchsage, die niemand gerne hört: „Auf der Linie so und so kommt es derzeit auf Grund von diesem und jenem zu unregelmäßigen Zugsfolgen.” Lange Gesichter und typisch wienerische Grantigkeit haben dann Hochsaison.

„Bei den Verspätungen liegen wir im einstelligen Prozentbereich”, verrät Ehrengruber. Seit 2004 gab es jedes Jahr rund 3.500 Fälle von unregelmäßigen Zugsfolgen, aber lediglich 40, bei denen der Betrieb einer Linie gänzlich unterbrochen werden musste. In fast der Hälfte dieser Fälle konnten die Wiener Linien nichts dafür.

Der Rest erstreckt sich von Oberleitungsproblemen bei der U6, über ein abgestürztes Computersystem eines Stellwerks, bis hin zur Zuggarnitur, die einfach den Geist aufgibt. Schätzungen zufolge kommt das pro Jahr etwa zehn bis 15 Mal vor. Unterbrechungen gibt es ahrt fortgesetzt wird, weil die Wiener Linien nicht selbst löschen, sondern das ausschließlich der Feuerwehr überlassen.

An den Silberpfeilen, die seit den ersten Probefahrten im Jahr 1976 das unterirdische Stadtbild prägen, liegt es laut Ehrengruber jedenfalls nicht, dass es manchmal zu Staus auf den Bahnsteigen kommt. „Die Silberpfeile sind ja unterschiedlich alt. Die jüngsten stammen aus den Jahren 1997 und 1998. Außerdem werden sämtliche Züge alle acht Jahre im Rahmen einer Hauptuntersuchung verjüngt.“ Selbst die ältesten Baujahre wären also nicht wirklich 30 Jahre alt.

„Ich ärgere mich selbst, wenn die U-Bahn nicht daherkommt“, gesteht Ehrengruber. „Aber das ist halt das Kontrastphänomen. Man ist eben gewöhnt, dass alles funktioniert.“ Und noch ein Geheimnis lüftet der Wiener Linien-Sprecher: „Die Durchsage, dass es Verzögerungen wegen der Erkrankung eines Fahrgastes gibt, ist kein Schmäh. Das passiert wirklich. Und zwar gar nicht so selten.“

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