Wiener Tourismus vor schwierigen Zeiten

Wien droht ein Einbruch bei den Nächtigungen. Laut der von der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft dürfte sich die Finanzkrise massiv auswirken.

Die Rückgänge sind bereits spürbar. Schloss-Geschäftsführer Sattlecker fordert nun den Wien-Tourismus auf, hier gegenzusteuern – und kritisiert im APA-Gespräch die aktuelle Marketing-Strategie der Wiener Tourismuswerber.

In Schönbrunn sieht bereits der aktuelle Monat November eher trist aus. Laut Sattlecker liegt der Besucherrückgang derzeit im zweistelligen Prozentbereich. Ob das tatsächlich auf die Finanzkrise zurückzuführen sei, könne zwar nicht mit Sicherheit gesagt werden, gestand Sattlecker ein. Es sei aber zu erwarten, dass die nächsten Monate von weiteren Rückgängen gekennzeichnet sein werden.

Wenig Freude hat der Schlossherr in diesem Zusammenhang mit den Aktivitäten des Wien-Tourismus. Dieser bewerbe die Bundeshauptstadt derzeit als Kreativ- und Designmetropole. In Zeiten sinkender Nächtigungszahlen müsse aber auf die “Kernkompetenz” Wiens gesetzt werden – also auf deren historisches Erbe und Flair. “Wenn man auf Design setzt, wird Wien verwechselbar”, warnte Sattlecker. Zudem hätten Städte wie Amsterdam, Barcelona, Paris oder London hier mehr zu bieten.

“Ich denke, da muss man aufpassen, was man bewirbt”, so Sattlecker. Und es dauere Jahre, das touristische Image einer Stadt zu ändern. Als Ergänzung zum bestehenden Markenkern sei der Kreativ-Ansatz aber sehr wohl interessant. Der Schönbrunn-Geschäftsführer forderte den Wien-Tourismus weiters auf, rasch mit “fundierten und umfassenden Markterhebungen” zu beginnen und Prognose-Elemente zu etablieren.

Der Wiener Tourismusdirektor Norbert Kettner konnte dem nicht viel abgewinnen: “Mit Befremden habe ich heute medial verbreitete ‚Ferndiagnosen’ zum Städtetourismus, insbesondere zu Wien, zur Kenntnis genommen, deren Inhalt ich nur als unangebrachte Panikmache abqualifizieren kann”, wird Kettner auf der Homepage von Wien Tourismus zitiert. “Dass sich die internationale Finanzkrise auf den globalen Tourismus auswirken wird und auch unser Land davon nicht verschont bleiben kann, liegt auf der Hand, aber deshalb gleich die Nerven wegzuwerfen und die Lage schlechter zu reden als sie ist, halte ich für kontraproduktiv.”

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